Die Autorenlesungen an der Kantonsschule Olten haben mittlerweile Tradition – sei dies als Ergänzung zum Unterricht oder gar als öffentlicher Kulturanlass. Vor kurzem las der Bündner Schriftsteller Arno Camenisch aus seinem Roman «Der letzte Schnee», einem Dialog zwischen Handwerkerlogik und philosophischen Gedankenspielen.

Camenisch gehört zu den aktuell erfolgreichsten Autoren und Performer der Schweiz. Er wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet, und seine Werke wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt. Seine nächste Lesereise wird ihn nach Italien führen. Im bündnerischen 50-Seelendorf Tavanasa aufgewachsen, verbrachte er mehrere Jahre im Ausland, wohnte unter anderem drei Jahre in Madrid und lebt heute in Biel. Camenisch hat eine elfjährige Tochter.

Seine grosse und unausweichliche Bühnenpräsenz ist eindrücklich. So vermochte er in der Aula der Kantonsschule in zwei aufeinanderfolgenden Lesungen jeweils zweihundert Schülerinnen und Schüler während eineinhalb Stunden zu fesseln, und es war mucksmäuschenstill im Raum. Sprache sei seine Leidenschaft, der Klang derselben habe ihn schon immer fasziniert, und dies sei vor allem auch seiner Muttersprache, dem Rätoromanischen, zu verdanken. Er habe im Alter der anwesenden Schülerinnen und Schüler begonnen, sich für die Sprache zu begeistern, und diese Leidenschaft habe ihn nach dem Lehrerseminar ans Literaturinstitut Biel geführt.

 Auf die Frage aus dem Schülerpublikum, was für ihn einen guten Text ausmache, verweist Camenisch auf die präzise Beobachtung und deren Umsetzung in Sprache und Schrift. Auf jene, wieviel er von seinen Lektüren in seine Bücher einbaue, merkte er an: «… nichts, rein gar nichts, dann habe ich verloren, es muss absolut eigen sein» und auf jene, weshalb seine Gedichte so kurz seien: «Damit sie sitzen, sie füllen den ganzen Raum!» Erklärungen und Äusserungen, welche in Kürze wohl dem einen Schüler oder der anderen Schülerin beim Schreiben des Maturaufsatzes nachklingen werden.

Neben Gedichten las Camenisch in der Aula auch Spoken-Word-Texte – Kurztexte, welche ausschliesslich für die Bühne verfasst werden. Einer davon beschäftigte sich mit den Gedanken daran, was man im letzten Jahr gelernt habe. Er endete mit: « … dass etwas mit dem Ende noch lange nicht fertig ist!»

Katharina Hürzeler