Wangen a.A – Aarematte - Humperg – Heimenhausen

Frohgelaunt traf sich eine muntere Schar von Wanderern in der Bahnhofunterführung, die von der Wanderleiterin Liliane Büttiker in Empfang genommen wurde. In einigen Gäuer-Bahnhöfen stiegen noch weitere dazu, so dass wir die stolze Zahl von 27 erreichten. Ein rassiger „Turbo-Bummler“ brachte uns im Nu an den Ausgangsort Wangen a.A., dem Hauptort des Verwaltungskreises Oberaargau mit seinen 2200 Einwohnern und dem historischen Stadtkern, mit Zeitglockenturm.

Das Wort Wang(en) bedeutet Gelände am Fuss eines Abhanges, hier der Abhang der nahen Jurakette. Das Städtchen wurde im 13. Jht. von den Grafen von Kyburg gegründet. Im Burgdorferkrieg verlor Graf Rudolf II. von Kyburg Burgdorf und verlegte seinen Sitz nach Wangen; es wurde dann 1387 an Österreich verkauft, das nach der Schlacht von Sempach auf alle seine Territorien in der Westschweiz verzichten musste. 1406 trat der Graf Wangen an Bern ab, das einen Vogt einsetzte und  Wangen wurde zur einträglichsten aller bernischen Vogteien; die Stadt wurde neu befestigt und eine neue Brücke erstellt. Das machte das Städtchen zu einem gesicherter Flussübergang am Handelsweg nach Basel und zu einem Stapelplatz der Flussschiffahrt und Flösserei; das riesige Salzlagerhaus zeugt heute noch von seiner grossen Wichtigkeit im Oberaargau. Aber mit dem Ende der Aareschiffahrt erlebte das Städtchen eine schwere wirtschaftliche Krise.

Heute dominiert die Schweizer Armee mit ihrem Waffenplatz das Ortsbild; Transport-truppen und ein Ausbildungsplatz der Katastrophenhilfe- und Rettungsformationen; sogar die Feuerwehr und der Zivilschutz üben auf dem Gelände an der Aare und wir bestaunten all die Gerätschaft, die arbeitenden Soldaten in ihren „Vierfrucht-Pyjamas“ und die riesigen „Brandruinen“ am Hang unseres Wanderweges. Beim Walliswilersteg, der über die Aare führt, verliessen wir die Flusslandschaft und nahmen den Humperganstieg in Angriff, vorbei an friedlichen, schönen Bernerhäusern, mit ihrer Frühlingsblumenpracht.

Eine grosse, weite Ebene lag vor uns; lauter grüne Matten mit Kuhherden, spriessende Ährenfelder und eine ausgebeutete Kiesgrube säumten unseren Wanderweg. Von der Weite kamen uns die Häuser vom stattlichen Bauerndorf Heimenhausen immer näher, denn das war unser Reiseziel. Und schon grüsste uns ein angeschriebenes Haus, der Gasthof „Drei Tannen“, in dem wir nun unseren Zvierihalt machten. Ei, war das ein köstlicher Abschluss bei Kaffee, feiner Aprikosen- Wähe und Erdbeer-Kuchen, mit „geschwungener Nidle“, so dass wir noch den vorgesehenen Bus verfehlten und in Wangen a.A. auf den nächsten Zug warten mussten!

Keinen Tropfen Regen verspürten wir den ganzen Tag, aber die Sonne liess sich auch nicht blicken; dafür verspürten wir die scharfe Bise. Gut, dass es auf dem Bahnhof einen „Wartsaal“ gab, in dem wir Unterschlupf fanden, bis uns die S-Bahn zu einer noch „christlichen Zeit“ in unsere Heimat zurückbrachte, überglücklich und dankbar für die gute Begleitung durch die Wanderleiterin!     (GEW)von Gerhard Eglin