In der Woche vor den Herbstferien findet die traditionsreiche Spezial- und Kurswoche an der Kantonsschule in Olten statt. Sie war auch dieses Jahr eine willkommene Abwechslung zum anspruchsvollen Schulalltag und eine gute Möglichkeit, dem Lärm der Grossbaustelle zu entfliehen.

Das Angebot ist den verschiedenen Jahrgängen angepasst. So organisieren die ersten Klassen mit ihren Klassenlehrpersonen ihre Gemeinschaftswoche, für die zweiten Klassen der Sek P ist eine Praktikumswoche vorgesehen. Die 3. Klassen der FMS sind bereits eine Woche ausser Haus, da die SchülerInnen entweder in Exeter (GB) oder in Rouen (F) an einem vierwöchigen Sprachaufenthalt teilnehmen. Das Hauptgewicht liegt jedoch beim Kurswochenangebot, offen für die Klassen der FMS und des Gymnasiums, welche die Kurse gemeinsam besuchen.

Das Spektrum der Kurse war sehr abwechslungsreich. So reichten die Themen vom Handwerklichen zum Naturwissenschaftlichen bis hin zur Philosophie. Eine Kurswoche, welche zu regen Diskussionen in den Pausen, im Lehrerzimmer und in der Kantine anregte war die Kurswoche „Wege zum Glück“ unter der Leitung von Bettina Hofer (Psychologie) und Lukas Gerber (Philosophie), der uns einen kurzen Einblick mit dem anschliessenden Bericht in ihren Kurs erlaubte.

„Fingts Glück eim?“ – so lautet die Titelfrage eines Songs der Berner Rockband Züri West. Der Buddha wusste schon 500 v. Chr.: „Es führt kein Weg zum Glück. Glücklich-sein ist der Weg.“ Aristoteles, Philosoph der griechischen Antike, verkündete seinerseits etwa 100 Jahre später, eudaimonía (wörtlich: „einen guten Dämon haben“) oder auch Glückseligkeit sei das höchste Gut im Leben. Und der französische Aufklärer Voltaire postulierte, die grösste und einzige Lebensaufgabe sei es, glücklich zu sein. 

Weshalb also ist Glück und Lebenskunst sowohl im Orient als auch im Okzident seit den Anfängen auf der Agenda der Philosophie? Und wieso findet heute ein regelrechter Glücksboom statt, wimmelt es von Glücksratgebern in den Buchläden, finden weltweite Ratings der glücklichsten Menschen statt, wird an den Universitäten philosophische, psychologische, ökonomische und sozialwissenschaftliche Glücksforschung betrieben und hat sich Glück sogar zum Schulfach gemausert?  

Diese Fragen bildeten die Ausgangslage für die Kurswoche. Von Beginn an zeigten die 11 teilnehmenden Schülerinnen und Schüler viel Offenheit und Neugierde für Erfahrungsübungen und auch intellektuelle Vertiefung. Auf dem Programm standen Einblicke in die Positive Psychologie, Meditation, Lebensphilosophie und eine Exkursion nach Solothurn in die Verenaschlucht, wo sich den jungen Glücksrittern sogar die Chance bot, mit dem Einsiedler Michael Daum ein eingehendes Gespräch zu führen. Am Freitag beim Ausklang der Woche blieb dann auch das gute Gefühl einer reichhaltigen, vielschichtigen Vertiefung jenseits von Zeit- und Leistungsdruck: Eine solche Spezialwoche sei ein Glücksfall, so die allgemeine Rückmeldung der Schülerinnen und Schüler. 

Lukas Gerber