Der Journalistenverein Aargau-Solothurn (Jvas) ist eine Sektion von Impressum, dem Berufsverband für Schweizer und Lichtensteiner Medienschaffende. Am alljährlichen Kaminfeuergespräch vom letzten Mittwoch im Restaurant «Flügelrad» in Olten referierte David Bauer zum Thema: «Der Journalist im Netz - was muss er können?» Das Internet sei ein Thema, das vielen Journalisten auf dem Magen liege, begann der Journalist, Technologie- und Medien-Berater, Musikblogger und Buchautor aus Basel. «Der Journalist ist darin gefangen in einem Netz mit vielen Verknüpfungen. Wir müssen uns bewusst sein, dass das Netz nicht nur eine Recherchequelle ist, aus der man Informationen zieht, sondern auch eine Kommunikationsplattform, auf der man Kontakte pflegt».
David Bauer zeigte den 27 anwesenden Regionalredaktoren, Journalisten und Textern die beruflichen Nutzungsmöglichkeiten des Internets auf. Dabei zählte er die seiner Erfahrung nach wichtigen Eigenschaften eines Journalisten auf. «Er ist neugierig und experimentierfreudig. Wenn es um Technik geht, hört die Neugierde und Experimentierfreudigkeit jedoch auf.» Er treffe immer wieder auf Journalisten, die sagten, sie würden die Leute lieber persönlich treffen; Foren wie Twitter und Facebook seien nicht seriös. Viele Sachen verstehe man erst, wenn man sich darauf einlasse und es eine Weile nutze, so Bauer. «Das Internet kann Leute themenbezogen international verbinden.» Der Journalist könne sich als Experte aktiv in eine Community einbringen, Der Mensch werde täglich «mit einem Schwall von Informationen zugedeckt. Dann ist es schön, wenn es Journalisten gibt, die darüber berichten und die Themeninhalte so kuratieren, dass die Menschen sie verstehen.»

Einen Strauss von Möglichkeiten

Ein Journalist sei transparent, zählte Bauer weiter auf. Letzteres sei ein schwieriges Thema, fand er. «Wenn man schaut, was mit Wikileaks passiert ist, muss man zugeben: Was nicht transparent ist, wird transparent gemacht.» Mit Transparenz könne man Glaubwürdigkeit herstellen. Quellenschutz sei ein wichtiger Punkt - «eine neue Herausforderung, bei der man schauen muss, dass man sich nicht vernetzt». Als weitere wichtige Berufseigenschaft nannte Bauer die Erreichbarkeit. Es gebe Leute, die nie einen Journalisten anrufen oder ihm eine E-Mail schreiben würden, sich aber auf Facebook oder Twitter bewegten. «Je mehr verschiedene Kanäle geöffnet sind, desto erreichbarer ist man.»
Ein Journalist müsse mit Daten umgehen können. «Es gibt immer mehr Daten, die elektronisch verfügbar und verwendbar sind», so Bauer. Als Journalist sollte man «zumindest eine Ahnung» von der technischen Bearbeitbarkeit beispielsweise einer pdf-Datei haben, fand der Referent. Der Journalist befände sich im Perpeta-Beta-Modus, einem kontinuierlichen, computertechnischen Entwicklungszustand. Bauers Vorstellung: «Der Journalist soll anerkennen, dass er sich immer weiter entwickeln muss.» Trotz allem sei ein Journalist «in erster Linie ein Journalist und nichts anderes», betonte Bauer, und empfahl, «sich nicht verrückt machen» zu lassen «mit all diesen Möglichkeiten». Denn: «Wir haben eine Ausbildung und einen Ethos, die wir weiterverwenden sollten. Mit dem Internet haben wir nun einen Strauss von Möglichkeiten, die wir nutzen können.»

Kein Ersatz fürs persönliche Gespräch

«Im Internet findet man wahnsinnig viele gute Sachen, aber auch wahnsinnig viel Müll», sagte Gesprächsmoderator Rolf Gatschet (SF-Redaktor «10 vor 10», Zofingen). «Wie sortiere ich den weg?» David Bauer wies darauf hin, dass es «auch an einem Kiosk viel Müll gibt» und riet den Anwesenden, sich gewisse Ankerpunkte zu suchen. «Wenn man die gefunden hat, kommt man im Internet gut zurecht.» Der Referent hielt fest, dass das Internet «auf keinen Fall das persönliche Gespräch ersetzt». Aber: «Es gibt Situationen, für die ist ein Gespräch bei einem Bier in der Beiz ideal und solche, für die ist Twitter ideal,»
Mit weltweit 500 Mio. und schweizweit 2.5 Mio. Nutzern sei Facebook «so wichtig, dass man sich als Journalist auch darin bewegen sollte», fand David Bauer. «Man sollte sich einfach im Klaren sein, welche Informationen man freigegen und welchem Personenkreis man sie zugänglich machen will.» Im Gegensatz zur Meinung vieler findet der Basler «nicht, dass alle Journalisten einen Blogg brauchen, um sich einen Namen zu machen. Die Bedeutung des Bloggs wird über- und unterschätzt. Ein Regionaljournalist hat sein Beziehungsnetz. Der Blogg ist jedoch ein mögliches Zusatzangebot, wenn man sich auf einem Gebiet schon einen gewissen Namen gemacht hat.»
Diverse Anwesende brachten klar zum Ausdruck, dass die Grundlage der journalistischen Arbeit das persönliche Beziehungsnetz ist. Auch David Bauer bezeichnete Beziehungs- und Kontaktpflege als «extrem wichtig. Es wäre aber ein verschenkter Teil, wenn man sich bei der Arbeit nur darauf konzentrieren würde». Die vorhandenen Informationen würden immer komplizierter. «Der Journalist kann die Rolle übernehmen, Informationen verständlich an die Leute zu bringen und zu verbreiten», fand David Bauer.

«Kurzbefehl - Der Kompass für das digitale Leben»: Buch von David Bauer, 2010, Echtzeit-Verlag, Basel.

Bild: Referent David Bauer (links) stand Moderator Rolf Gatschet und den Jvas-Gästen Rede und Antwort. (kas)