Internationaler Tag der Pflege - Pflegehelferinnen SRK verschaffen betreuenden Angehörigen Verschnaufpausen – zum Beispiel Silvia Baumann aus Wangen bei Olten

Die vermisste Fünfzigernote kommt in einer Streichholzschachtel zum Vorschein. Doch Georg Gfeller weiss von nichts. Und einen Arbeitskollegen, der ihn besucht, erkennt er nicht mehr und wundert sich, dass dieser ihn einfach so duzt.

Mehr und mehr häuften sich die Anzeichen, die sich schliesslich zur Gewissheit verdichteten: Georg Gfeller hat Demenz. Seit sechs Jahren kümmert sich Silvia Baumann aus Wangen bei Olten um ihn. Rund um die Uhr.

So tut Silvia Baumann seit ihrer Pensionierung genau das, was sie schon zuvor immer getan hat: chrampfen. Zeit ihres Lebens hat sie Vollzeit gearbeitet, um als alleinerziehende Mutter ihre beiden Kinder durchzubringen. Sie hatte sich auf ihre Pensionierung gefreut – und just da verschlimmerte sich der Zustand ihres Partners, mit dem sie seit über 30 Jahren zusammen ist. «Es war für mich klar, dass ich ihn nicht im Stich lasse, schliesslich hatten wir viele schöne Momente zusammen. Und trifft es mich selber, bin ich ja auch froh, wenn jemand für mich da ist.»

Die Batterien aufladen

Nach ein paar Jahren stiess sie trotz der Kraft spendenden Erinnerungen und der Zuneigung für ihren Lebensgefährten an ihre Grenzen. «Ich war, entgegen meiner Art, plötzlich aufbrausend und unausgeglichen, leicht reizbar.» Sie hörte auf den Rat ihrer Kinder, sich helfen zu lassen. Mindestens zwei Mal pro Monat geht nun eine Pflegehelferin des SRK Kanton Solothurn mit Georg Gfeller spazieren, macht ein Gesellschaftsspiel mit ihm, betreut ihn. Und einmal pro Woche fährt ihn ein Rotkreuz-Fahrer in ein Aufenthaltszentrum für demenzkranke Menschen. So hat Silvia Baumann Zeit, um ihre Batterien aufzuladen. Sie besucht ihre Schwester und Kinder, macht einen Ausflug nach Solothurn oder Basel. «Diese Zeit, während der ich total abschalten kann, geniesse ich jeweils sehr. Komme ich wieder nach Hause, habe ich jeweils wieder neuen Schwung, der lange nachwirkt.» Am Anfang hatte sie etwas Mühe, ihren Freund jemand Fremdem zu überlassen. «Doch der Pflegehelferin des Roten Kreuzes kann ich voll und ganz vertrauen, und auch Georg fühlt sich wohl bei ihr.»

«Ich will es versuchen»

Vor Kurzem musste Georg Gfeller ins Spital: starke Lungenentzündung. Einige Tage lag er auf der Intensivstation. Als sie ihn im Spital besuchte, ballte er die Hand zur Faust und sagte: «Ins Altersheim gehe ich nicht!» Genau diesen Schritt jedoch hatten ihr der Sozialdienst des Spitals sowie ihre Kinder nahe gelegt. «Doch ich bringe es nicht übers Herz. Wenigstens versuchen will ich es. Wenn Georg bald wieder zu Kräften kommt, geht es hoffentlich.»

Neben dem Roten Kreuz ist da noch ihr Pudel Luna. «Mit ihr an der frischen Luft zu spazieren, gibt mir immer wieder neue Kraft.»

Am 12. Mai ist der internationale Tag der Pflege. Die Pflegehelferinnen des Roten Kreuzes sind mitgemeint, wenn daran erinnert wird, dass professionelle Pflege die Pfeiler eines tragfähigen Gesundheitswesens bildet – und Pflege zu Hause ermöglicht.

www.srk-solothurn.ch -> Dienstleistungen -> Entlastungsdienst für pflegende Angehörige

Telefon 062 207 02 44 oder info.olten@srk-solothurn.ch