Olten

Der Theologe Eugen Drewermann im Josefsaal der Martinskirche zu Gast

megaphoneLeserbeitrag aus OltenOlten
Eugen Drewermann referierte ohne Manuskript, aber druckreif.

Eugen Drewermann referierte ohne Manuskript, aber druckreif.

Der katholischen Kirche Olten ist es gelungen, den berühmten Theologen, Psychotherapeuten und Schriftsteller Eugen Drewermann, Paderborn, nach Olten zu holen. Im vollbesetzten Josefsaal stellte der 79-Jährige während anderthalb inspirierenden Stunden die Person Jesu und seine Botschaft ins Zentrum, ohne Manuskript, aber druckreif.
Nicht Schuld und Sühne, nicht der strafende Gott, sondern der gütige Gott steht im Focus: "Wer von Euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Die Botschaft Jesu hängt an der Frage, wie hilft man dem Menschen in Not? Nicht durch Verurteilung sondern durch Annahme der Person! Sonst gibt es keine Heilung. „Deine Sünden sind Dir vergeben“ sprach er. Durch seine umfassende Humanität schafft Jesus Vertrauen.
Drewermann kritisiert auch das ungezügelte Wirtschaftswachstum und den Kapitalismus. Diesem sei mit Konsumverzicht zu begegnen: Wozu braucht es beispielsweise einen Kühlschrank?  

In der Fragerunde ging er auch auf die Vergangenheit der Nazizeit ein: Indem man Adolf Hitler heute einfach als Teufel bezeichne, verharmlose man die Gefahr von künftigen vergleichbaren Diktaturen auch in andern Ländern.

Mehrere Werke hat Drewermann im Walter Verlag Olten publiziert, so beispielsweise zwei Bände „Tiefenpsychologie und Exegese“ 1985, „Kleriker, Psychogramm eines Ideals“ 1989, oder „Dass auch der Allerniedrigste mein Bruder sei. Dostojewski – Dichter der Menschlichkeit“ 1998.

Die römisch-katholische Kirche hat Eugen Drewermann die kirchliche Lehrerlaubnis schon früh, 1991, entzogen, wie anderen brillanten Theologen. In öffentlichen Räumen der katholischen Kirchen in ganz Deutschland und Österreich habe er Redeverbot. Umso mehr schätzte der Referent, dass er in Olten frei reden konnte. Seine brillanten Ausführungen quittierte das Publikum mit lang anhaltendem Applaus. 

Thomas Laube

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