Naturschutz

Wanderschaft auf riskanten Pfaden

Besonders vom Verkehr gefährdet: Erdkröten, die auf den warmen Strassen sitzenbleiben.

Besonders vom Verkehr gefährdet: Erdkröten, die auf den warmen Strassen sitzenbleiben.

Verkehr und Klimawandel – Amphibienschützer haben derzeit besonders viel zu tun.

«Vorletzte Nacht wurden in Muttenz mindestens 30 Grasfrösche gezählt», freut sich Bethli Stöckli, Leiterin der Amphibiengruppe von Pro Natura Baselland. «Und in den nächsten Tagen erwarten wir viele weitere.» Die alljährliche Amphibienwanderung ist in vollem Gange. Im Frühjahr verlassen die Tiere ihre Winterverstecke im Wald, in Hecken oder unter dem Laub und machen sich auf den Weg zu ihrem Geburtsort. An den Weihern angekommen, laichen sie. Dabei ist der Weg nicht ungefährlich: Ständig kommt es auf Strassen zu regelrechten Massakern, denen viele Tiere zum Opfer fallen. «Vor allem die Erdkröte ist vom Verkehr bedroht», erklärt Stöckli. «Sie ist eine langsame Wanderin und bleibt oft auf der Strasse sitzen, weil der Teer Wärme abgibt.»

Für Verkehrsteilnehmer ist besondere Vorsicht geboten

Damit den Fröschen, Kröten und Molchen eine sichere Überquerung gelingt, arbeiten der Kanton, Gemeinden und freiwillige Helfer zusammen. An manchen Orten, wie beispielsweise in Titterten, wurden fixe Tunnels installiert. «Temporäre Strassensperren während der Nacht wären die einfachste Massnahme zum Schutz der Amphibien», sagt Benedikt Schmidt, der als Amphibienexperte bei der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz arbeitet. Auf Helfer, die an kritischen Zugstellen Plastikzäune errichten, sei man ebenfalls angewiesen. Die Zäune leiten die Tiere in Kessel, damit sie von den Helfern über die Strasse transportiert werden können.

«Amphibien wandern in der Morgen- oder Abenddämmerung und sind somit zeitgleich wie der Pendlerverkehr unterwegs», erklärt Schmidt. «Autofahrer müssen unbedingt Rücksicht nehmen; auch auf die Helfer, welche die Amphibien am Strassenrand einsammeln.»

Amphibien leiden unter Temperaturschwankungen

In Muttenz wurde der Veloweg beim Fröscheneckweg via Schafacker- und Stettbrunnenweg umgeleitet. «Sehr begrüssenswert» beurteilen Stöckli und Schmidt die Umleitung, «denn auch von Velos werden viele Amphibien überfahren.» Einer weiteren Herausforderung, der die Amphibien gegenüberstehen, ist der Wandel des Klimas. «Wenn Weiher dauerhaft austrocknen, verlieren die Tiere ihre Lebensgrundlage», sagt Stöckli. Obwohl eine Prognose schwierig sei, fürchten die beiden Experten die starken Temperaturschwankungen, die der Klimawandel mit sich bringt. «Die Grasfrösche sind dieses Jahr bereits seit Anfang Februar unterwegs, einige haben sogar schon gelaicht. Wenn es nochmals gefriert, stirbt der Laich», sagt Schmidt. Betreffend Anpassungsfähigkeit der Tiere ist er optimistischer: «Amphibien können mit Wärme umgehen, wie Tiere im Mittelmeerraum zeigen. Auch wenn sie robust sind, werden sie ihren Jahreszyklus anpassen müssen.»

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