Händedruck-Debatte
Therwiler Schule informiert erstmals alle Eltern – Jugendanwaltschaft ermittelt

Der Rektor der Sekundarschule Therwil, an der die Händeschüttel-Dispens an zwei muslimische Schüler erteilt wurde, richtete sich heute Donnerstag mit einem Brief an die Eltern. Auch die Strafvollzugs-Behörden sind auf die Brüder aufmerksam geworden.

Benjamin Wieland
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«Schulbetrieb geht regulär weiter», schreibt Rektor Jürg Lauener.

«Schulbetrieb geht regulär weiter», schreibt Rektor Jürg Lauener.

bz

Die Tatsache, dass in zwei Fällen eine «Übergangslösung bezüglich Händedruck» gewählt worden sei, habe «viele Fragen und starke Reaktionen ausgelöst»: Das schreibt Rektor Jürg Lauener in einer Mitteilung an die die Eltern der Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule Therwil. Der Brief mit Datum 7. April hat den Betreff «Verweigerung Händedruck».

Der Rektor teilt mit, dass die Schulleitung, die Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion sowie die Kantonspolizei die Lage «laufend analysieren» würden und «in gegenseitigem Kontakt» stünden. Gemäss Lauener spricht «nichts dagegen», dass der Schulbetrieb regulär weiter gehe – dieser Entscheid fusse auf dem «aktuellen Kenntnisstand der Polizei».

Besorgte Eltern hätten die Möglichkeit, sich per Telefon oder E-Mail an die Schule richten. Falls Medienanfragen eingegangen seien, schreibt Lauener, könnten die Eltern diese an die Bildungsdirektion weiter leiten. Hierzu ist die Adresse der Kommunikations-Abteilung der Direktion angegeben.

Polizei und Jugendanwaltschaft ermitteln

Gegen die beiden Brüder im Alter von 14 und 15 Jahren ermitteln nun die Strafverfolgungsbehörden. Dies schreibt «20 Minuten». Grund ist, dass die Jugendlichen mit dem Teilen von Videos des «Islamischen Staats» gegen das Gesetz verstossen haben könnten.

Die Baselbieter Polizei bestätigt diese Informationen auf Anfrage der bz. Man prüfe von Amtes wegen, präzisiert ein Sprecher, «ob sich der minderjährige Schüler mit dem Teilen der Videos strafbar gemacht hat.»

So werde abgeklärt, ob gegen das Bundesgesetz über das Verbot der Gruppierungen «Al-Kaida» und «Islamischer Staat» verstossen wurde.

Wie der Sprecher schreibt, handle es sich um einen «ganz normalen, üblichen Prozess.» Es bestehe die Möglichkeit, dass der betreffende Schüler von der Polizei oder der Jugendanwaltschaft vorgeladen werde.

Auch Schulsozialarbeiter im Einsatz

Die beiden Schüler besuchen den Unterreicht weiterhin. Das teilt Rektor Jürg Lauener der bz mit. Einer der beiden habe das Angebot der Schule wahrgenommen, mit dem Schulsozialarbeiter in Kontakt zu treten.

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