St. Johann und Bläsi
Das Geld fehlt: Die Robi-Spiel-Aktionen müssen die Ludotheken aufgeben

Sie gehören seit der Trennung von der GGG zum Verein Robi-Spiel-Aktionen Basel: Die Ludotheken Bläsi und St. Johann. Nun läuft die Finanzierung aus.

Silvana Schreier
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Die Ludothek Bläsi befindet sich gleich neben den Räumlichkeiten der GGG-Bibliothek.

Die Ludothek Bläsi befindet sich gleich neben den Räumlichkeiten der GGG-Bibliothek.

Kenneth Nars

«Es ist ein letzter Hilferuf.» Daniel Jansen ist der Präsident des Vereins Robi-Spiel-Aktionen Basel. In einer Mitteilung richtet er sich an die Öffentlichkeit: Die beiden Ludotheken Bläsi und St.Johann stehen kurz vor der Schliessung. Die Gründe sind zahlreich, die Geschichte dahinter lang. Klar ist, wenn nicht innert weniger Wochen eine Finanzierung für die Quartierinstitutionen gefunden wird, ist Schluss mit den Ludotheken.

Das Coronajahr 2020, das die Teilnahme der Robi-Spiel-Aktionen etwa an der Herbstmesse verunmöglichte, habe den Verein «durchgeschüttelt», so Jansen. Besonders finanziell. Andererseits steht der Verein unter Druck vonseiten des Kantons: Das Erziehungsdepartement Basel-Stadt verlangt einen klaren Fokus auf die Kerngeschäfte der Robi-Spiel-Aktionen. Jansen: «Wir müssen uns auf die Kinder- und Jugendarbeit konzentrieren.» Dazu gehören etwa die Kindertankstellen, die Tagesstrukturangebote oder die Kinderferienstädte. Nicht aber Ludotheken oder Gastroangebote.

Die Ludothek im St.Johann hat rund 1000 Spiele für unterschiedliche Altersgruppen im Angebot.

Die Ludothek im St.Johann hat rund 1000 Spiele für unterschiedliche Altersgruppen im Angebot.

Kenneth Nars

Gerade für Familien mit wenig Einkommen

Jansen sagt, die Auflagen des Kantons seien hart, aber auch richtig. Mit dem Abstossen der Ludotheken wäre der Konzentrationsprozess denn auch abgeschlossen. Doch so einfach will Jansen die Türen der Ausleihstation nicht schliessen: «Das Angebot hat eine 40-jährige Tradition und die Nachfrage in den Quartieren ist in den vergangenen Jahren stets gestiegen.» Gerade für Familien mit geringen finanziellen Möglichkeiten würden die Institutionen Wertvolles anbieten. In der Medienmitteilung schreiben die Robi-Spiel-Aktionen von rund 1830 spielen, die jährlich etwa 2100 Mal ausgeliehen würden. Das heisst, jedes Spiel würde nur etwas mehr als ein Mal pro Jahr die Ludothek verlassen.

Die Mieten der Ludotheken am Bläsiring und im St.-Johann-Quartier wurden laut Jansen auf Ende 2021 gekündigt. Allerdings mit einer Klausel, falls die Weiterführung der Angebote doch noch möglich ist. Mit dem «letzten Hilferuf» versucht Jansen, die Institutionen doch noch abgeben zu können.

Finanzierung war bis Ende 2021 gesichert

Begonnen hat die Misere allerdings schon 2017: Die Robi-Spiel-Aktionen gehörten damals noch zur GGG, ebenso die Ludotheken Bläsi, St.Johann und Gundeli. Ein längerer Streit zwischen dem Verein und den GGG sorgte für die Trennung der Institutionen. Die drei Ludotheken wurden von den Robi-Spiel-Aktionen übernommen. Die Finanzierung der Betriebe war bis Ende 2021 gesichert.

Die Gründe für die Trennung lagen in finanziellen Schwierigkeiten der Robi-Spiel-Aktionen. Rund eine halbe Million Franken fehlte in der Buchhaltung des Vereins. Das rief auch den Geldgeber, das Erziehungsdepartement Basel-Stadt, auf den Plan. Der Vorwurf lautete, die Geschäftsführung handle untransparent und würde mit den Subventionen die Gastronomiebetriebe finanzieren.

In letzter Minute

Erst 2020 konnten die Finanzen bereinigt werden: Unter neuer Geschäftsführung und Vereinsleitung erkannten die Verantwortlichen, dass einige Bereiche der Robi-Spiel-Aktionen finanziell nicht mehr rentieren. Die Eventabteilung wurde geschlossen und man trennte sich von den Gastronomieangeboten. Zudem ging das Bistro Pulpo am Kleinbasler Rheinufer in neue Hände über.

Auch für die Ludothek Gundeli suchte der Verein im vergangenen Jahr eine neue Trägerschaft – und wurde fündig. Die Ludothek eröffnete im November 2020 unter neuer Trägerschaft im Zwinglihaus.

Für die Übernahme der Ludotheken Bläsi und St.Johann hätten mit etlichen Trägerschaften Gespräche stattgefunden, so auch mit der GGG-Stadtbibliothek, die an einigen Standorten ebenfalls ein Brettspiel- und Spielzeugangebot hat. Ohne Erfolg. Jansen:

«Aus diesem Grund sehen wir uns schweren Herzens gezwungen, die beiden Ludotheken auf Ende Jahr zu schliessen, sollte sich nicht quasi in letzter Minute noch eine Lösung finden.»

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