Basel
SP-Regierungsräte ernten Applaus in der Flaggen-Posse

Eine nicht-stadtbildkonforme Flagge hätte Basel rund 100 Arbeitsplätze kosten können. Die Lösung des Konflikts bringt der Stadt nun voraussichtlich sogar einen kleinen Stellenausbau. Eine Posse in drei Akten.

Andreas Maurer
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Hauptsitz der MSC-Reederei an der Basler Steinentorstrasse: Die an der Fassade unerwünschte Flagge kommt nun aufs Dach.Juri Junkov

Hauptsitz der MSC-Reederei an der Basler Steinentorstrasse: Die an der Fassade unerwünschte Flagge kommt nun aufs Dach.Juri Junkov

Erster Akt: Die Mediterranean Shipping Company (MSC) hat ein kleines Problem. Die weltweit zweitgrösste Reederei darf ihre Flagge an ihrem Hauptsitz an der Basler Steinentorstrasse nicht hissen. Die Stadtbildkommission hat eine entsprechende Anfrage negativ beantwortet. Der impulsive Reederei-Chef René Mägli sieht rot: Er droht, den Firmensitz ins Baselbiet zu verlegen und schaltet ein entsprechendes Immobilieninserat.

Zweiter Akt: Medien machen den Fall publik. Politiker heulen auf. LDP-Grossrat André Auderset reicht eine Interpellation ein.

Dritter Akt: Zwei SP-Regierungsräte werden aktiv. Baudirektor Hans-Peter Wessels und Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin statten dem zornigen Reederei-Chef einen Besuch ab. Mit dem Deal sind alle zufrieden: Die Fahne kommt jetzt aufs Dach statt an die Fassade.

Mit dem Kopf durch die Wand

Dennoch hinterlässt die Flaggen-Affäre einen fahlen Nachgeschmack. Mägli hat erst eine Anfrage, kein Gesuch gestellt. Anstatt den üblichen Behördenweg einzuschlagen und ein Gesuch einzureichen, schreit er laut auf und erhält eine Sonderbehandlung. Wessels verteidigt sein Vorgehen: «Manchmal lohnt es sich, ein Problem informell zu klären und erst danach den korrekten rechtlichen Weg einzuschlagen.»

Das bedeutet: Das Reklamereglement wird an den ausgehandelten Kompromiss angepasst. Als fixe Fassadenwerbung sind Fahnen heute nicht erlaubt. Mit dieser Regelung soll verhindert werden, dass jede Basler Firma eine Flagge hisst. Doch längst nicht alle halten sich daran. Deshalb lässt Wessels eine Überarbeitung vorbereiten: «Für Organisationen, die sich über ihre Flagge definieren, möchten wir Ausnahmen bewilligen.»

Für eine Reederei ist eine Flagge offenbar sogar überlebenswichtig: «Wir sind ein konservatives Gewerbe. Mit der Flagge will eine Reederei keine Werbung machen, sondern die Stadt grüssen», erklärt Reederei-Chef Mägli. Weil er das jetzt endlich darf, kündet er an, den fünften Stock beim Hauptsitz dazu zu mieten und in Basel zusätzliches Personal einzustellen, anstatt wegzuziehen. Und bei Wessels bedankt er sich mit netten Worten: «Fair und verständnisvoll.»

Der Zeitpunkt ist nicht ganz zufällig: Es ist Wahljahr. Passend dazu wurde der Kompromiss an der SP-Versammlung verkündet, an der die Regierungsräte nominiert wurden. Und unter der danach verschickten Medienmitteilung sind Brutschin und Wessels als Ansprechpartner angegeben, um sich persönlich über den Erfolg zu äussern. Erstaunlicherweise erhalten sie auch von der Konkurrenz Applaus. «Wessels ist mit gesundem Menschenverstand eingeschritten», lobt CVP-Präsident Markus Lehmann. Und FDP-Chef Daniel Stolz: «Es geht um weit mehr als diese Reederei. Wessels und Brutschin setzen ein Zeichen, dass man mit dem Kanton reden kann.»

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