Sonderbare Fischart
Der soziale Schlammspringer lebt neu im Basler Zolli – was macht diese Tiere so besonders?

Im Vivarium werden seit kurzem 43 Indische Zwergschlammspringer gehalten. Die nur sieben Zentimeter grossen Fische leben in grösseren Gruppen und gelten als besonders friedliche und gesellige Tiere.

Aimee Baumgartner
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Ihre verstärkten Brustflossen können sie wie Arme zum Robben und Klettern verwenden.

Ihre verstärkten Brustflossen können sie wie Arme zum Robben und Klettern verwenden.

Zoo Basel / Torben Weber

Im Vivarium des Zolli Basel ist eine neue Art Schlammspringer zu sehen. Dabei handelt es sich um 43 Indische Zwergschlammspringer, welche am Mittwoch im Zolli vorgestellt wurden. Schlammspringer sind sonderbare Fische, denn sie verbringen – im Gegensatz zu den meisten Fischarten – viel Zeit auf dem Land. Sie sitzen 80–90 Prozent ihrer Zeit an der Luft und halten Ausschau nach Insekten. Die Eier legen sie in meterlange, selbstgegrabene Tunnelgänge im Boden.

Sie atmen über die Haut, die Mund- und Rachenschleimhaut und über die Kiemen. Die Atmung an der Luft funktioniert allerdings nur mit genügend Feuchtigkeit, weshalb sich Schlammspringer immer wieder mit einem kurzen Sprung ins Wasser benetzen. Die eigentliche Sauerstoffaufnahme erfolgt über die gefaltete, gut durchblutete Membran in den Kiemen. In den sackartigen Kammern in den Kiemen können die Fische das Wasser für bis zu 60 Stunden speichern.

Eine Unterart ersetzt die andere

Indische Zwergschlammspringer gelten als friedliche und gesellige Fische. Sie ersetzen die Afrikanischen Schlammspringer, welche zuletzt im Schaubecken 38 weilten. Von diesen Schlammspringern konnten jedoch nur sehr wenige Exemplare gezeigt werden, da insbesondere die Männchen äusserst territorial und aggressiv gegenüber Artgenossen sind.

Das Aussergewöhnliche ist, dass diese Brackwasser-Fische sowohl unter, als auch über Wasser anzutreffen sind.
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Ihre verstärkten Brustflossen können sie wie Arme zum Robben verwenden, oder sogar zum Beklettern von Mangrovenwurzeln.
Bis zu 60 Stunden könnten sie an Land überleben - vorausgesetzt, sie trocknen nicht aus.
Die Zwergschlammspringer sind sehr gesellige Tierchen.
Der Indische Zwergschlammspringer bei der Fütterung im Zolli.

Das Aussergewöhnliche ist, dass diese Brackwasser-Fische sowohl unter, als auch über Wasser anzutreffen sind.

Bilder: Zoo Basel / Torben Weber

Im Freiland sind die Indischen Zwergschlammspringer an zwei Regionen zu finden: im indischen Westbengalen und in Ranong an der Westküste Thailands. Die genaue Verbreitung ist aber nicht bekannt. Es ist denkbar, dass sich die Tiere auch zwischen diesen beiden Gebieten, an den wenig erforschten Mangrovenküsten Bangladeshs und Myanmars, angesiedelt haben. Generell fühlen sich die Zwergschlammspringer in Mangrovenwäldern und -sümpfen sowie im Bereich von grossen Flussmündungen wohl. Dort leben sie im sogenannten Brackwasser –einem Gemisch aus Salz- und Süsswasser mit einem schwankenden Salzgehalt von 10 bis 25 Gramm pro Liter.

Sie ernähren sich hauptsächlich von kleinen Krebstieren, Würmern, Schnecken und Insekten, aber auch Kieselalgen werden gefressen. Da ihr Lebensraum stark von Ebbe und Flut beeinflusst wird, müssen die Zwergschlammspringer nicht nur mit einem schwankenden Salzgehalt zurechtkommen, sondern auch mit einem wechselnden Wasserstand.

Flügel, die nicht zum Fliegen da sind

Die Indischen Zwergschlammspringer besitzen verstärkte Brustflossen, die sie wie Flügel aufstellen können. Diese verwenden sie wie Arme zum Robben und Beklettern von Mangrovenwurzeln. Ihr kräftiger Schwanz hilft ihnen ausserdem beim Hüpfen. Auffällig ist auch die flaggenartig vergrösserte und orange gefärbte Rückenflosse der Männchen. Mit dieser wollen die Männchen den Weibchen während der Balzzeit imponieren.

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