Corona-Studie

So viel Stress wegen Corona – jetzt will die Uni der eingesperrten Basler Bevölkerung helfen

Die Universität Basel untersucht die Auswirkungen des Corona-Stress. Alle anderen Studien mussten auf Eis gelegt werden.

Die Universität Basel untersucht die Auswirkungen des Corona-Stress. Alle anderen Studien mussten auf Eis gelegt werden.

Ein Team um Neurowissenschafter Dominique de Quervain untersucht die Auswirkungen des Coronastresses. Über 10'000 Menschen haben bereits an der Online-Befragung teilgenommen.

Eingesperrt in den eigenen vier Wänden, nur wenige soziale Kontakte, finanzielle Sorgen wegen Kurzarbeit im Job. Die durch das Coronavirus ausgelöste Krise beschäftigt jede und jeden in der Gesellschaft. Und sie hat Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden. Bei einigen löst sie Angstzustände aus, bei anderen äussert sich der erlebte Stress in Gereiztheit oder Niedergeschlagenheit. Die dafür verantwortlichen Stressfaktoren untersucht nun eine Studie der Universität Basel.

Die «Swiss Corona Stress Study» ist einzigartig in der Schweiz und richtet sich an alle hier lebenden Personen, die älter als 14 Jahre sind. Geleitet wird sie von Dominique de Quervain. Der Neurowissenschafter ist Direktor der Abteilung für kognitive Neurowissenschaften der Uni Basel. «Üblicherweise machen wir experimentelle Studien, etwa mit Virtual Reality oder zu neuartigen Medikamenten. Doch alle laufenden Untersuchungen mussten wir wegen des Coronavirus einstellen», sagt de Quervain.

Über 10'000 Teilnehmende innert einer Woche

Aus diesem Grund habe sein interdisziplinäres Team – bestehend aus Psychologen, Mathematikern und Ärzten – diese Studie aufgegriffen. Alle arbeiten aus dem Homeoffice daran. «Schliesslich behandelt die Untersuchung ein Thema, das momentan alle betrifft und damit auch interessiert.»

Seit vergangener Woche nahmen über 10'000 Personen an der anonymen Online-Umfrage teil. Darin werden Fragen nach der Lebens- und Arbeitssituation, nach dem eigenen Umgang mit Stress und nach dem psychischen Befinden gestellt. So fragt die Studie die Teilnehmenden, ob man die Massnahmen des Bundes für angemessen erachtet, ob es einen belastet, dass das soziale Leben etwa im Verein stillgelegt ist, oder ob man vermehrt zu Alkohol oder Drogen greift.

«Wir möchten etwa Risikofaktoren identifizieren»

Damit die aus der Studie gewonnenen Erkenntnisse auch einen Nutzen für die Menschen in der Schweiz haben, plant das Team rund um de Quervain, eine erste Auswertung der bisher eingegangenen Befragungen in den nächsten Wochen zu veröffentlichen. Währenddessen läuft die Datenerhebung weiter. «Das wird interessante Resultate ergeben, gerade da sich die Situation von Tag zu Tag verändert und wir die ausgefüllten Umfragen je nach Datum einer Veränderung zuordnen können», so de Quervain. Repräsentativ sei die Studie allerdings nicht, da nicht alle Alters- oder Gesellschaftsschichten durch eine Online-Umfrage erreicht werden könnten.

De Quervain erklärt das Ziel der Studie: «Wir möchten etwa Risikofaktoren und schützende Faktoren identifizieren, um den Betroffenen bessere Empfehlungen zur Stressreduktion geben zu können.» Solche erhalten die Umfrageteilnehmende bereits am Ende der Befragung. Diese sind jedoch noch sehr allgemein gehalten. Laut de Quervain stützen sie sich einerseits auf die zuvor gegebenen Antworten der jeweiligen Person. Andererseits beruhen sie auf Tipps, die bisher in ähnlichen Situationen gegeben wurden. «Aber es handelt sich vor allem um Denkanstösse», relativiert er.

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