Interview

Sanitätsleiter Altermatt: «Einzelne Mitarbeiter sind ausgebrannt»

«Die Leute verlieren teilweise die Objektivität, um die Verhältnisse einzuschätzen.»

Hans Peter Altermatt:

«Die Leute verlieren teilweise die Objektivität, um die Verhältnisse einzuschätzen.»

Basler SVP-Grossrat Eduard Rutschmann griff mit einer Interpellation Sanitätsleiter, Hans Peter Altermatt, an. Mobbingvorwürfe und interne Missstände wurden ihm zu Lasten gelegt. Im Interview bezieht der Chef der Basler Sanität Stellung.

Herr Altermatt, Ihnen wird vorgeworfen, Sie würden Ihre Mitarbeiter schikanieren.

Hans Peter Altermatt:Das sind happige Vorwürfe. Da keine klaren Fakten auf dem Tisch liegen, kann ich nicht gross dazu Stellung nehmen. In den letzten zehn Jahren hatten wir nur eine einzige Kündigung. In den letzten Jahren sind aber mehrere Mitarbeiter nach einem Abgang – etwa für eine Weiterbildung – wieder zu uns zurückgekehrt. Diese Indizien liegen in einem völligen Widerspruch zu diesen eklatanten Vorwürfen. Diese will ich jetzt untersucht haben – auch zu meiner Entlastung.

Offenbar herrscht in der Basler Sanität eine grosse Unzufriedenheit. Wie erklären Sie sich diese?

Es handelt sich um einzelne unzufriedene Mitarbeiter. Einige haben vor 15 Jahren eine Reorganisation mitgemacht: Sie wurden teilweise von einer Kaderfunktion zu einem «normalen» Mitarbeiter herabgestuft. Einige Leute tragen heute noch schwer damit. Ich vermute, dass ich manchmal als Buhmann dafür herhalten muss, obwohl ich als Person mit dieser Reorganisation nichts zu tun habe.

Sie haben rund 70 Mitarbeiter. Was schätzen Sie: Wie viele davon sind unzufrieden?

Das ist schwierig zu sagen. Wir haben einen hohen Anteil an sehr wohlverdienten, langjährigen Mitarbeitern. Wenn jemand 20 bis 35 Jahre auf diesem Beruf arbeitet, hat er gewisse Abnützungserscheinungen. Diese Leute verlieren teilweise die Objektivität, um die Verhältnisse einzuschätzen, die im Vergleich zur Privatwirtschaft herrschen. Diese Ausgebranntheit in Zahlen zu nennen, ist nicht möglich. Es sind einzelne Mitarbeiter, die aber in der Lage sind, Stimmung zu machen, besonders, wenn sie damit an die Medien gehen.

Sind mehrere Mitarbeiter ausgebrannt, ist das doch alarmierend.

Klar. Nur: Was sollen wir machen, ausser diese Mitarbeiter zu betreuen? Was machen Sie mit Mitarbeitern im Alter von 55 Jahren, die ausgebrannt sind? Auch die Mitarbeiter sind in der Pflicht: Sie müssen frühzeitig Gegensteuer geben. Das ist nicht einfach: In diesem hoch spezialisierten Bereich ist ein Stellenwechsel kaum möglich. Es gibt Leute, die auch körperlich an den Anschlag kommen. Diese kann man nicht einfach auf die Strasse stellen. Dann erst wäre der Vorwurf des Mobbings gerechtfertigt, das wäre unmenschlich und unfair.

Könnte man diese Leute nicht intern versetzen?

Kaum, wir haben uns in den letzten Jahren stärker auf unsere Kernkompetenzen beschränkt aufgrund von Sparmassnahmen und Ressourcenproblemen. Deshalb bestehen in der Sanität kaum Alternativen zum harten Job des Rettungssanitäters. Bei der Polizei gibt es allenfalls die Möglichkeit, zum Beispiel in einen Bürojob zu wechseln. Das geht bei uns nicht.

Leidet darunter der Arbeitsalltag?

Nein. Die Versorgung der Patienten ist in keiner Art und Weise beeinträchtigt. Das spricht für unsere Leute: Trotz hoher Belastung machen sie ihren Job gut bis sehr gut. Die Unzufriedenheiten sind eher in internen Detaildiskussionen spürbar.

Wenn Sanitäter so am Ende sind, dass sie während der Arbeit weinen, hat das doch Auswirkungen.

Ich habe noch keinen Mitarbeiter wegen der Arbeitsbelastung weinen sehen. Die Ausnahme war ein tragischer Zwischenfall im letzten Sommer: Eine Equipe musste ausrücken, weil ein Mann in einem Bus einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten hatte. Meine Leute wussten nicht, was sie antreffen. Es war einer ihrer Vorgesetzten. Die Reanimation war erfolglos. Das ist für jeden eine absolute Stress- und Horrorsituation. Abgesehen davon habe ich nie Mitarbeiter gesehen, die wegen der Arbeitsbelastung weinen.

Wie erleben Sie persönlich den Angriff auf Ihre Person?

Ich bin heftig erschrocken und enttäuscht. Heute Morgen bin ich gemeinsam mit meinem Vorgesetzten Dominik Walliser mit gutem Gewissen vor meine Mannschaft gestanden und habe gesagt, dass die Leute die Probleme auf den Tisch legen sollen, falls diese tatsächlich bestehen.

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