Ortsunkunde
Rauch und Persil

Simon Morgenthaler besucht für die «Schweiz am Wochenende» frei assoziierend und fabulierend Basler Orte mit prägnanten Namen. Dabei macht er sich viele falsche Freunde und begibt sich zielstrebig auf Irrwege.

Simon Morgenthaler
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Bermenweg, Höhe Birsfelden

Bermenweg, Höhe Birsfelden

Simon Morgenthaler / bz Zeitung für die Region

Dass es nicht zeitgemäss ist zu rauchen und nur eine rauchfreie Welt – wie man in einer Zigarettenwerbung las – nachhaltig sei, ist mir klar. Auch scheinen mir die Argumente gegen das Rauchen fast ebenso dringlich wie das Verlangen, das mich plötzlich überkommt. Nur eines hemmt mich: ein Rauch- und Feuerverbot, auch Velofahren ist untersagt, Absturz-, Sturz- und Rutschgefahr drohen, zudem schwebende Last, so ein Warnschild. Der Reiz ist gross. Ich lasse die Zigaretten stecken, gehe um den Zaun, ‹auf eigene Gefahr›, wie ich lese.

Das Kraftwerk Birsfelden im Rücken schreite ich nicht ungesund dem Rhein entlang den dampfenden Kaminen der Schweizerhalle entgegen. Dass rechterhand auf dem Sternenfeld, wo jetzt teilnahmslos klobige Gebäude stehen, einst Oskar Bider zu einem seiner Heldenflüge abhob, stimmt mich nicht zuversichtlich, stürzte er doch kurze Zeit später in letaler Kapriole aus den Himmeln. Aber schon bin ich abgelenkt von der Maschinerie des Hafens, ein Paradiesgarten der Lebensbedrohung: Auch die Quetsch- und Stolpergefahr müsste benannt werden, zudem Ertrinkungsgefahr, eventuell eine generelle Todesgefahr. Am überzeugendsten ist für einmal das Rauchverbot. ‹Achtung Mineralölumschlag›, heisst es, keine langen Gesundheitsgebete, kurze Lunte: Raucht man, explodieren man potenziell.

Höhe Schweizerhalle wird der Weg idyllischer, schlängelt sich durch Baum und Unterholz, auch die chemische Industrie, die sich hinter Zäunen auftürmt, verklärt sich auf nebulöse Weise in ein weltangebunden-wohliges Gefühl. Das Rauchen lasse ich sein, ein eigenartiger Geruch liegt in der Luft: hochentzündlich, vielleicht. Ich trete an die Uferböschung, ein Rohr unter mir, Sprudeln. Ob sich hier das belastete Löschwasser des Grossbrands von November ’86 über das nationale Sicherheits- und Sauberkeitsempfinden ergoss? Ich finde nirgends eine aufklärende Tafel, auch keinen Gedenkteich für die toten Äschen und Aale.

An den eigenen Dreck will sich niemand erinnern, denke ich und gehe auf dem Persilwegli Richtung Bahnhof Pratteln. Eigenartig, dass auf dem Gelände der sicher auch nicht ganz sauberen, längst vergessenen Persilfabrik mit dem Erlebnisbad Aquabasilea wieder eine Waschmaschine steht. Ein Spielplatz am Wegrand, ich setze mich auf das Ende der Rutschbahn, zünde mir eine Zigarette an. Ein Transparent am Zaun: ‹Bitte Abfall mitnehmen und nicht rauchen›. Erschreckt drücke ich den Stängel aus, schleiche davon, mitgenommen.

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