Lockerungen
Öffnung der Restaurantterrassen: «Den meisten Basler Wirten hilft das nicht wirklich»

Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger spricht sich für die Öffnung der Restaurantterrassen aus. Doch in Basel nützt dies vielen Gastronomen wenig bis nichts.

Jonas Hoskyn
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Gibt es bald wieder Bier in Gartenbeizen?

Gibt es bald wieder Bier in Gartenbeizen?

Juri Junkov

Schon ab kommender Woche könnte man wieder in der Gartenbeiz ein Bier trinken. Bedingung dafür ist allerdings, dass der Bundesrat in seiner Sitzung am Mittwoch die Aussenbewirtung wieder zulässt. Die Restaurantterrassen hatten bereits mehrfach für politischen Zündstoff gesorgt, vor allem als sich Anfang Jahr die Bergkantone teilweise einfach über die Vorschriften aus Bundesbern hinweggesetzt haben.

Mittlerweile scheint der Weg frei. Dies zeigen nicht zuletzt die Aussagen des Basler Gesundheitsdirektors Lukas Engelberger gestern Sonntag im Westschweizer Fernsehen RTS. Engelberger, der als Präsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz auch für seine 25 Kolleginnen und Kollegen spricht, meinte, dass die Öffnung der Restaurantterrassen kaum ein Risiko darstelle, wenn man sie mit entsprechenden Schutzkonzepten verbindet – also etwa maximal vier Personen pro Tisch. Im Frühling würden sich ohnehin viele Menschen würden sich an der frischen Luft aufhalten, so Engelberger. Tatsächlich zeigten die vergangenen Wochen ein deutliches Bild: Sobald die Temperaturen stiegen, hielten sich etwa am Rheinufer wieder deutlich mehr Menschen auf.

«Wird noch lange dauern, bis für Gastronomen der Normalzustand zurückkehrt»

Doch wirklich etwas bringen würde die in Aussicht gestellte Öffnung in Basel nur wenigen Gastronomen. Das sagt Maurus Ebneter, Präsident des Wirteverbands Basel-Stadt: «Den meisten Stadtbetrieben hilft das nicht wirklich. Viele haben wenig bis gar keine Aussenplätze.» Positiv wäre die Aufhebung vor allem auch für Take-away-Betriebe, die jetzt ihre Kunden zum Verzehr wegschicken müssten, so Ebneter.

Dennoch erwartet er die Öffnung der Restaurantterrassen als «ein erstes Signal». Das wirtschaftliche und soziale Leben sei mit gebotener Vorsicht wieder zuzulassen. «Es ist an der Zeit, besser abzuwägen, was die Folgen der Massnahmen sind. Da hängt ein gewaltiges Preisschild dran», sagt Ebneter. In seinen Augen könnte man auch die Innenräume der Restaurants wieder öffnen: «Die Gastronomie hat ein funktionierendes Schutzkonzept mit Sitzpflicht und Vier-Personen-Regel. Es wäre an der Zeit, auch den Innenbetrieb zuzulassen», sagt Ebneter.

Für die nötigen Freiflächen sollen die Betriebe auch Teile des Trottoirs oder Parkplätze in Beschlag nehmen dürfen. Die Vorstösse sind von Grossräten aus allen Fraktionen unterschrieben und bei beiden ist dringliche Behandlung beantragt.

Für die nötigen Freiflächen sollen die Betriebe auch Teile des Trottoirs oder Parkplätze in Beschlag nehmen dürfen. Die Vorstösse sind von Grossräten aus allen Fraktionen unterschrieben und bei beiden ist dringliche Behandlung beantragt.

Juri Junkov

Der Präsident des Wirteverbands erwartet, dass die Situation in der Gastronomie noch länger angespannt sein wird, und viele Betriebe auch in der zweiten Jahreshälfte noch auf Kurzarbeitsentschädigungen angewiesen sein werden. «Ich gehe davon aus, dass es noch länger dauern wird, bis sich viele Nachfragesegmente wie etwa Messen, Kongresse oder der Geschäftstourismus wieder erholen werden. Für die Gastronomen wird nicht einfach der Normalzustand zurückkehren, selbst wenn der akute Teil der Pandemie schon bald vorbei sein dürfte.»

Café-Sitzplätze statt Parkplätze

Und noch ein zweiter Entscheid, der für die Basler Beizer nicht ganz unwichtig ist, fällt am Mittwoch: Im Basler Parlament stehen zwei Motionen auf der Traktandenliste, die vorschlagen, dass die Gastronomen dieses Jahr ihre Aussenbereiche unbürokratisch und schnell erweitern können. Für die nötigen Freiflächen sollen die Betriebe auch Teile des Trottoirs oder Parkplätze in Beschlag nehmen dürfen. Die Vorstösse sind von Grossräten aus allen Fraktionen unterschrieben und bei beiden ist dringliche Behandlung beantragt. Auch beim zuständigen Bau- und Verkehrsdepartement hat man sich dem Thema offenbar bereits angenommen. Schon vergangenes Jahr schuf die Regierung eine Ausnahmeregelung für einfachere Aussenbestuhlung.

Allerdings könnten auch von diesen zusätzlichen Möglichkeiten nicht alle Restaurants profitieren. Viele werden sich weiter auf bessere Zeiten gedulden können. Immerhin: «Die Härtefall-Unterstützung des Staats ist sehr hilfreich», sagt Ebneter. Doch für die Gastronomen sei es wichtig, dass sie möglichst bald zumindest einen Anteil der Kosten wieder selber erwirtschaften können.