Neuauflage
Basler Grossratspräsident sucht nach den schrägsten Aussagen seiner Kolleginnen und Kollegen im Parlamentssaal

«Wer Affen, Elefanten und Kamele sehen will, geht in die Tierschau.» ‒ «Oder in den Grossen Rat.» So lautet ein Auszug aus dem Heftchen, das 1933 die schrägsten Szenen aus dem Basler Parlament sammelte. Nun setzt Grossratspräsident David Jenny zur Neuauflage an.

Oliver Spiess
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FDP-Grossratspräsident David Jenny ruft zur Suche nach Redeblüten, eine Bezeichnung für unglückliche Formulierungen, im Parlament auf.

FDP-Grossratspräsident David Jenny ruft zur Suche nach Redeblüten, eine Bezeichnung für unglückliche Formulierungen, im Parlament auf.

Kenneth Nars

Die Gesprächskultur während der Grossratssitzungen ist streng geregelt. Was die Parlamentarierinnen und Parlamentarier aber nicht davor bewahrt, sich ab und an in der Wortwahl zu vergreifen. Oder gar puren Nonsens vorzutragen. Was vor fast 90 Jahren ein anderer tat, will nun der Basler Grossratspräsident David Jenny wiederholen: die Sammlung der schrägsten sprachlichen Schnitzer aus dem Parlamentssaal. Im Hinterkopf hat er bereits einige unglückliche Aussagen.

Auf den Social-Media-Kanälen Instagram und Twitter rief FDP-Grossrat Jenny vergangenen Montag zur gemeinsamen Schnitzerjagd auf. Wer beim Zuhören des Livestreams der kommenden grossrätlichen Diskussionen Redeblüten, eine Bezeichnung für unglückliche Formulierungen, pflücke, dürfe sich gerne bei ihm melden. Zum Aufruf gesellt sich das Bild eines Heftchens aus dem Jahre 1933. Sein Titel: «Redeblüten aus dem Basler Grossen Rat».

Idee findet Anklang bei Grossratsmitgliedern von Links bis Rechts

Die Zitatsammlung stammt von Justin Gehrig, seines Zeichens ehemaliger Grossrat, verstorben 1960. Wer in dem 16-seitigen Heftchen blättert, merkt: Auch die geübten Rednerinnen und Redner im Parlament stellen ab und an ganz schön schräge Aussagen in den Raum. So wird ein Herr Grossrat zitiert:

«Es war nicht möglich, an einem Tage für alle Leute Maulkörbe zu beschaffen.»

Eine andere Situation zeigt einen durchaus humorvollen Umgang mit grossrätlicher Inkompetenz: «Wer Affen, Elefanten und Kamele sehen will, geht in die Tierschau», meint der Vortragende. – «Oder in den Grossen Rat», ruft ein anderer dazwischen.

Auf Hochtouren läuft die Blütenernte noch nicht, wie Jenny auf Anfrage sagt:

«Ich wollte einen Versuchsballon steigen lassen und werde abwarten, was alles an Reaktionen reinkommt.»

Zwar habe er bereits einige Zitate im Hinterkopf, verraten wolle er diese aber noch nicht. Anklang scheint das Projekt bei einigen Grossratskollegen von Links bis Rechts gefunden zu haben: Johannes Sieber (GLP), Jérôme Thiriet (Grüne) und Joël Thüring (SVP) bekundeten ihr Gefallen bereits per Likebutton.