Corona-Massnahmen
Netzwerk Kulturpolitik Basel fürchtet ein «Erlöschen des Feuers»

Basel-Stadt hat bei Veranstaltungen strengere Massnahmen als die restliche Deutschschweiz. Das Netzwerk Kulturpolitik Basel fordert eine Rückkehr zur Besucherlimite von 50 Personen.

Stefan Strittmatter
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Eine Reduktion der Besucherzahlen von 50 auf 15 vermindere das Ansteckungsrisiko nicht, meinen die Kulturschaffenden.

Eine Reduktion der Besucherzahlen von 50 auf 15 vermindere das Ansteckungsrisiko nicht, meinen die Kulturschaffenden.

Janine Illgen

Vier Wochen ist es her, dass der Bundesrat eine Oberlimite von 50 Personen für Kulturveranstaltungen festgesetzt hat. Vergangene Woche hat der Kanton Basel-Stadt diese Limite auf 15 Personen gesenkt. Vergleich­bare Grenzwerte gelten in Teilen des Welschlands, striktere Mass­nahmen für die Kultur finden sich lediglich im Tessin.

Entsprechend regt sich Widerstand gegen den Deutschschweizer Alleingang von Basel-­Stadt. Das Netzwerk Kultur­politik, in dem 17 Basler Institutionen aus den Bereichen Musik, Theater und Kino zusammen­geschlossen sind, bezeichnet in einer Medienmitteilung die Reduktion der Personenzahl als «falsches Signal».

Keine Ansteckungen bei Kultur-Veranstaltungen

Thomas Keller, Geschäftsführer der Kaserne, die dem Netzwerk Kulturpolitik angegliedert ist, betont, dass sich die Kulturinstitutionen der 50-Personen-Limite angepasst und vielfältige Schutzkonzepte erarbeitet hätten. Dass es nun zu einer wei­teren Publikumsreduktion gekommen ist, sei für ihn «absolut nicht nachvollziehbar.»

Seit dem Sommer seien «unseres Wissens», so Keller, bei Kultur-Veranstaltungen ­keine Ansteckungen nachge­wiesen worden. Das Netzwerk Kulturpolitik erachte die getroffenen Mass­nahmen – Mindestabstände, Maskenpflicht und contact tracing – als ausreichend.

Kulturstadt Jetzt teilt Anliegen der Kultur

Auch angesichts der «zum Teil sehr grossen Räumen» verändere eine Reduktion von 50 auf 15 Besucher die «Situation im ­Hinblick auf die Möglichkeit einer Ansteckung nicht», heisst es im Schreiben, die an das Gesundheits- und das Präsidialdepartement geschickt wurde.

Man befinde sich «im Austausch mit politischen Kreisen wie Kulturstadt Jetzt, welche unsere Anliegen teilen», sagt Keller. Druckmittel habe die Szene jedoch keine – Ziel sei es, «öffentlich auf unser Anliegen einer differenzierten Betrachtungsweise aufmerksam machen».

Wichtig für Gesellschaft und Kulturschaffende

Im Schreiben danken die unterzeichnenden Institutionen dem Bund und dem Kanton für die «verschiedenen finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten». So sei der Fortbestand der Branche auf wirtschaftlicher Seite gesichert. «Mindestens ebenso wichtig» sei es jedoch für Kulturschaffende und Gesellschaft, dass Veranstaltungen mit Publikum möglich bleiben.

Für Thomas Keller ist dies ein entscheidender Punkt: Mit Veranstaltungen vor 50 Besuchern bleibe immerhin «ein kleiner Funke Kultur» erhalten. Dieser könne wieder zu einem Feuer entflammt werden, sobald sich die Situation beruhigt habe. «Ein komplettes Erlöschen des Feuers hat aber einen nachhaltigen Schaden, und dieses Feuer zu zünden, wäre extrem schwierig.»

Deutlich formuliert wird das Anliegen des Netzwerk Kulturpolitik auch im Newsletter der Kaserne: «Der Schaden für Gesellschaft und Kulturschaffende ist riesig. Emotionale und intellektuelle Berührung durch Kultur wird jetzt mehr denn je gebraucht.»

Nun hoffe man, so Keller, dass Basel-Stadt spätestens nach der Frist vom 13. Dezember «zumindest wieder auf die Bundesverordnung» (also auf 50 Besucher) zurückkehre. Andernfalls käme es zu weiteren Schliessungen und zu zusätzlichen finanziellen Forderungen.