Jugendarbeit
Drei Länder und ein Musikwettbewerb

Das «Centre Socio Culturel» in Saint-Louis hat einen Musikwettbewerb für 15- bis 25-Jährige aus dem Dreiländereck auf die Beine gestellt. Diesen Samstag ist Premiere.

Michael Gasser
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Auf dem Programm stehen unter anderem Breakdance-Battles

Auf dem Programm stehen unter anderem Breakdance-Battles

zVg

Vor zwei Jahren entwickelte Anne-Sophie Chesne in Saint-Louis gemeinsam mit Jugendlichen des Centre Socio Culturel (CSC) das Projekt «Jump’in». In dessen Rahmen können sich junge Menschen künstlerisch betätigen – etwa mit Video, Fotografie oder Musik. «Das funktioniert so gut, dass bei den rund sechzig teilnehmenden Jugendlichen rasch einmal der Wunsch aufkam, sich nicht nur mit Gleichaltrigen aus Saint-Louis und dem umliegenden Elsass auszutauschen und zu messen, sondern auch mit solchen aus den Nachbarländern Deutschland und der Schweiz», erinnert sich Chesne, die am CSC für die Jugendarbeit zuständig ist.

Dieser Input war auch die Initialzündung für das «Open Mic 3 Land», das diesen Samstagabend als Teil des «6. Forum Street Art» in Saint-Louis stattfinden wird. Während es auf dem Place du Forum nachmittags zu Breakdance-Battles, Einführungen in die Graffiti-Kunst oder BMX- und Skateboarding-Events kommt, steht der Abend ganz im Zeichen des Musikwettbewerbs: Im «Forum Jean-Marie Zoellé» werden 14 Nachwuchstalente im Alter von 15 bis 25 Jahren – fünf davon aus Deutschland und der Schweiz – mit jeweils zwei Songs um die Gunst der dreiköpfigen und auch trinationalen Jury sowie des Publikums wetteifern.

Hauptpreis: Studiotage in Paris

Um einen Platz auf der Bühne zu bekommen, mussten die Interessierten ein Musikstück einreichen. «Aufgrund von diesem wurde entschieden, ob die jungen Musikerinnen und Musiker zu einem Auftritt am ‹Open Mic 3 Land› eingeladen werden – oder nicht», erklärt Cécilia De Koninck, Direktorin des CSC. Ihre Kollegin Anne-Sophie Chesne ergänzt: «Beeindruckt hat mich insbesondere die Qualität der Einsendung – viele der Tracks klangen geradezu professionell.» Als ausgesprochen spannend empfand sie auch die Bandbreite der Genres und die Mehrsprachigkeit der Lieder.

Für die Premiere von «Open Mic 3 Land» habe man Gelder von der Stadt Saint-Louis, aber auch von weiteren Institutionen aus Frankreich akquirieren können. «Rotary Club Saint-Louis Huningue etwa hat den Preis für den Wettbewerb gestiftet – einen zweitägigen Aufenthalt in einem namhaften Musikstudio in Paris inklusive Aufnahme eines Instrumentalstückes sowie eines Werbeclips», weiss De Koninck. «Das ist wunderbar. Uns ist aber zugleich bewusst, dass wir bei einer nächsten Veranstaltung unseres trinationalen Events im 2022 auch auf Sponsoren aus Deutschland und der Schweiz angewiesen sein werden.» Eine herausfordernde Aufgabe, wie Anne-Sophie Chesne einräumt. «Bei der Medienarbeit für unseren Event musste ich etwa erkennen, dass es keinerlei Anlaufstelle für trinationale Vorhaben gibt.»

Trinationale Jugendarbeit mit Hürden

Dass sich die unterschiedlichen Landessprachen als zusätzliche Hürde für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit erweisen, glaubt sie hingegen nicht:

«Zumal die Mobilität im Dreiländereck deutlich zugenommen hat. Nicht zuletzt, weil das Tram bis nach Saint-Louis verlängert und der Veloweg entlang dem Rhein ausgebaut worden ist.»

Diese Entwicklung habe dazu geführt, dass sich die Kontakte in die Schweiz, aber auch nach Deutschland laufend verbessern und verstärken. Dass im Elsass vermehrt zweisprachig unterrichtet werde, trage ebenfalls zu diesem positiven Trend bei. Folgerichtig zeigen sich Chesne und De Koninck überzeugt, dass sich niemand aus sprachlichen Gründen von der Teilnahme am «Open Mic 3 Land» abhalten liess. «Die unterschiedlichen Covid-Bestimmungen der drei Länder dürften weitaus abschreckender gewirkt haben», hält Chesne fest.

Apropos Covid-Bestimmungen: Auf dem Place du Forum hat man während dem «Forum Street Art» die Möglichkeit, sich auf das Virus testen zu lassen – denn zum «Forum Jean-Marie Zoellé» und zum «Open Mic 3 Land» wird nur zugelassen, wer eine Impfung nach- respektive ein negatives Testresultat vorweisen kann. Die beiden Vertreterinnen des CSC freuen sich enorm auf den Wettbewerb. Wichtig ist ihnen aber auch, dass das Zentrum grundsätzlich allen Jugendlichen aus dem Dreiländereck offensteht: «Bei uns kann man nicht nur Musik oder Theater machen, sondern auch sein Selbstvertrauen trainieren. Und wenn alles klappt, dann werden wir noch diesen Herbst sogar ein eigenes kleines Tonstudio haben», sagt Cécilia De Koninck. Vorzügliche Voraussetzungen also für all diejenigen, die sich für eine Teilnahme beim nächsten «Open Mic 3 Land» interessieren – aber sich noch nicht darüber im Klaren sind, wie sie ihr Vorhaben realisieren können.

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