Jubiläumsausstellung in Basel
Bank für Internationalen Zahlungsausgleich: Die grosse Unbekannte öffnet ihre Türen

Anlässlich ihres 90-jährigen Jubiläums lädt die BIZ während zehn Tagen zu einer multimedialen Ausstellung. Highlight ist die Aussicht vom 18. Stock auf Basel und die Region.

Andreas Möckli
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Das Modell des BIZ-Turms inklusive des interaktiven Tischs, der die Geschichte der Bank mit zahlreichen Fotos erzählt.

Das Modell des BIZ-Turms inklusive des interaktiven Tischs, der die Geschichte der Bank mit zahlreichen Fotos erzählt.

Kenneth Nars

Auch nach 91 Jahren ist die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) eine grosse Unbekannte in Basel. Zwar kennen die meisten den prägnanten Turm, der neben dem Bahnhof SBB steht. Doch was die Menschen, die im Gebäude arbeiten, genau machen, wissen die wenigsten.

Selbst die Umschreibungen der Tätigkeit der BIZ bringen viele nicht weiter. «Zentralbank der Zentralbanken» ist so ein Titel, der häufig herangezogen wird. Wikipedia etwa bezeichnet die Bank als eine internationale Organisation des Finanzwesens. Selbst BIZ-Generaldirektor Agustín Carstens holt zuerst etwas aus, bevor er die Aufgabe der Bank auf den Punkt zu bringen versucht.

Der Hauptfokus der Bank sei die Koordination zwischen den Ländern in einem sehr spezifischen Bereich, nämlich der Geldpolitik und Finanzflüsse, sagte der 63-jährige Mexikaner an einer Medienkonferenz. «Soll die Welt funktionieren, ist der Geld- und Zahlungsfluss sehr wichtig. Die BIZ koordiniert das.»

«Wollten nicht noch weitere zehn Jahre warten»

Um die Bank der Bevölkerung etwas näherzubringen, öffnet die BIZ kommenden Dienstag für zehn Tage ihre Türen. Als Anlass dient das 90-Jahr-Jubiläum, das die Organisation vergangenes Jahr feierte. Wegen der Pandemie wurde der Anlass verschoben. Das erste und bislang einzige Mal lud die Bank die Öffentlichkeit im Jahr 2005 ein. «Wir wollten nicht weitere zehn Jahre warten», sagte Carstens zum Umstand, die Türen bereits jetzt und nicht erst zum 100-Jahr-Jubiläum zu öffnen.

52 Uhren zeigen, wie lange jemand im jeweiligen Land arbeiten muss, um sich ein Smartphone leisten zu können.

52 Uhren zeigen, wie lange jemand im jeweiligen Land arbeiten muss, um sich ein Smartphone leisten zu können.

Kenneth Nars

Die Ausstellungsmacher versuchten die Herausforderung, die BIZ einem Laienpublikum näherzubringen, mit möglichst niederschwelligen Mitteln zu lösen. Im Erdgeschoss wird etwa anschaulich die Kaufkraft von Geld erklärt. So zeigen 52 Uhren, wie lange jemand im jeweiligen Land arbeiten muss, um sich ein Smartphone leisten zu können.

Auf einer animierten Weltkarte werden zudem die internationalen Geldströme gezeigt, dies während normaler Zeiten und während Finanzkrisen. Die Karte basiert auf öffentlich zugänglichen Statistiken der BIZ und soll die Bedeutung eines stabilen Finanzsystems zeigen, zu dem die Bank beiträgt.

Banknote zum Selbermachen: Mit einem Touchscreen können die Besucherinnen und Besucher ihren eigenen Schein gestalten und ausdrucken.

Banknote zum Selbermachen: Mit einem Touchscreen können die Besucherinnen und Besucher ihren eigenen Schein gestalten und ausdrucken.

Kenneth Nars

Die Besucherinnen und Besucher können auch selbst aktiv werden. Mittels Touchscreen kann eine eigene Banknote gestaltet und ausgedruckt werden. Dank Fotoaufnahme ist es gar möglich, das eigene Konterfei auf dem Schein zu verewigen.

Im ersten Stock stellt die BIZ die Direktorinnen und Direktoren der Zentralbanken vor, die bei der Bank Mitglied sind. Anhand eines 3D-Films wird zudem ein typischer Tag im Rahmen der Sitzungen der Notenbanker nachgezeichnet. Dominiert nicht gerade eine globale Pandemie, treffen sich die obersten Zentralbankverantwortlichen sechs Mal pro Jahr in Basel. Dass immer gleich die Chefs kämen, sei sehr aussergewöhnlich und vermutlich auf diesem Level ziemlich einzigartig, sagte Carstens sichtlich stolz dazu.

Im obersten Stock bietet sich eine besondere Aussicht auf Basel. Unten an den Fenstern sehen die Besucherinnen und Besucher, welches Mitgliedland der BIZ wo liegt und wie weit es entfernt ist.

Im obersten Stock bietet sich eine besondere Aussicht auf Basel. Unten an den Fenstern sehen die Besucherinnen und Besucher, welches Mitgliedland der BIZ wo liegt und wie weit es entfernt ist.

Kenneth Nars

Das Highlight für viele Besucherinnen und Besucher dürfte der Blick vom obersten Stockwerk auf die Stadt sein. Dies war bei der letzten Ausstellung noch nicht möglich. Aus knapp 70 Meter Höhe bietet sich eine eindrückliche Weitsicht.

Wie sehr die aufwendig gestaltete Ausstellung den Besucherinnen und Besuchern hilft, die Tätigkeit der Bank zu verstehen, ist fraglich. Wer sich vertieft mit der BIZ auseinandersetzen will, dem sei die in Englisch und Deutsch verfasste Ausstellungsbroschüre empfohlen.

Die Ausstellung dauert vom 26. Oktober bis am 4. November. Freier Eintritt gegen Vorlage eines amtlichen Ausweises mit Foto sowie eines gültigen Covid-Zertifikats (ab 16 Jahren). Gruppen und Schulklassen zwischen 10 und 25 Personen sollten sich im Voraus für einen Besuch anmelden. www.bis90.org

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