Unispital Basel

In 15 Minuten durch die Kirche: Potenzielle Corona-Virus-Infizierte werden hier getestet

Seit Montagmorgen ist die Predigerkirche als Aussenstation des Universitätsspital Basel in Betrieb. Bereits über 170 Menschen liessen sich testen. Ein Augenschein.

Die junge Frau zieht hastig an ihrer Zigarette. Sie trägt Winterjacke, Arbeitshosen, Sneakers. Ihr Begleiter scherzt: «Hoffentlich behalten sie dich nicht gleich drin.» Sie grinst, wirft die Zigarette weg. Jetzt muss sie rein, der Freund bleibt draussen. Rund eine Viertelstunde soll es dauern. Ein Sicherheitsbeamter mit Mundschutz und blauen Gummihandschuhen öffnet ihr die Tür der Predigerkirche neben dem Universitätsspital Basel.

Das Gebäude ist seit gestern Montag die Aussenstation des Spitals für potenziell mit dem Corona-Virus Infizierte. «Am Morgen erlebten wir einen Ansturm. Aber noch klagen wir nicht», sagt Spitalsprecher Nicolas Drechsler.

360 Tests wären pro Tag möglich

Im Empfangsbereich wird die junge Frau gleich von einer Pflegefachperson abgefangen. «Maske?», fragt diese. Es ist mehr Befehl als Frage. Erste Station: Die potenzielle Patientin meldet sich an, mit mehreren Dokumenten auf einem Klemmbrett wird sie zur nächsten Station geschickt.

«Altmodisch, ich weiss», sagt Drechsler, der am Montagnachmittag durch die externe Aufnahmestation führt. Aber so könnten die Abläufe einfach gehalten werden. Pro Tag können 360 Tests durchgeführt werden. Rund 15 Minuten lang sind die Patienten in der Kirche.

Unpersönlich, dafür diskret

Auf der Brust der jungen Frau prangt jetzt ein weisser Aufkleber, darauf eine handschriftliche Nummer: 168. Es wirkt unpersönlich, soll aber höchste Diskretion bewirken. Zudem zeigt die Zahl jeweils den aktuellsten Stand an – bis zum späteren Nachmittag liessen sich also fast 170 Personen testen.

Zweite Station: erste medizinische Untersuchung durch das Pflegepersonal. Die Patientin desinfiziert sich nochmals die Hände. Dann verschwindet sie hinter einer weissen Trennwand. Die Atemschutzmaske kratzt, sie schränkt das Atmen ein. Die Stimmung in der umfunktionierten Kirche ist ruhig. Von Aufregung, Panik oder Krankheit ist nichts zu spüren. Der graue Plastikboden federt die zügigen Schritte des Spitalpersonals ab.

Unispital braucht helfende Hände

Dritte Station: Arztgespräch. Guy Morin, ehemaliger Regierungspräsident und Arzt, wartet auf den nächsten Patienten. Er habe sich für drei Nachmittage gemeldet. «Ich arbeite ja nur 60 Prozent als Hausarzt», so Morin. Darum wolle er hier helfen. «Morgens überweise ich Patienten hierher, nachmittags untersuche ich sie, das passt doch.»

Das Unispital ist laut Sprecher Drechsler auf helfende Hände angewiesen. Es hätten sich bereits «Ärzte mit allen möglichen Titeln» gemeldet. Derzeit werde internes und externes Personal geschult. Denn auch die Ärztinnen und Ärzte sowie das Pflegepersonal des Unispitals sind sich solche Ausnahmesituationen nicht gewohnt. Eine Pflegefachfrau sagt: «Ich habe das früher schon mal gelernt, aber seither musste ich nie so arbeiten.» Sie meint die strikten Hygienevorsichtsmassnahmen, die Tests, das Arbeiten unter besonderen Umständen.

«Zehn Prozent der Resultate kommen positiv zurück»

Vierte Station: Abstrich von Nase und Rachen. Die junge Frau gibt die Teströhrchen und das Klemmbrett an der letzten Station ab. Eine Maske und ein Informationsblatt werden ihr in die Hand gedrückt. Darauf steht: Sie soll nach Hause und dort bleiben. Verschlechtert sich ihr Zustand, soll sie auf der Notfallstation des Spitals vorstellig werden. Das Testresultat liege innert 24 bis 72 Stunden vor. Drechsler sagt: «Nur etwa zehn Prozent der Resultate kommen positiv zurück.»

Etwas mehr als 15 Minuten dauerte der Spuk. Als die junge Frau die Kirche verlässt, wartet ihr Freund vor dem Ausgang. Sie zündet sich eine Zigarette an und beginnt zu erzählen.

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