Persönlich
Homeoffice, mein liebster Feind

Kelly Spielmann
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Homeoffice. Das Wort klang schön. Im März. Eine Viertelstunde vor Sitzungsbeginn aus dem Bett rollen? Mich ungeschminkt vor den Computer setzen? Niemand wird es merken. Und was ich während den Mittagspausen anstellen könnte – Einkäufe erledigen, spazieren gehen, vielleicht liegt mal eine Yogastunde drin. Und zwischen den Telefonaten kurz die Wäsche in die Maschine werfen. Homeoffice: Das wird toll. Das war es – für rund zwei Wochen. Es dauerte nicht lange, bis aus der Viertelstunde fünf Minuten wurden und ich die Mittagspause auf dem Sofa verbrachte. Zu müde, um etwas zu unternehmen oder nach draussen zu gehen. Zu müde vom Anstarren derselben Wand den ganzen Tag. Nein, Homeoffice tut mir nicht gut. Dass es auch meinen Kopf beeinflusst, durfte ich heute feststellen, als ich eine Ladung Wäsche aus dem Keller holte. Schon beim Öffnen der Maschine merkte ich, dass etwas nicht stimmt. Mir kam nicht der übliche Waschmittelduft entgegen, sondern etwas Minzig-Scharfes. Der Übeltäter war schnell gefunden: In der Homeoffice-Trance habe ich die Hosensäcke einer Jeans nicht überprüft – eine Packung Fisherman’s Friends lag aufgeweicht in der Wäsche verteilt. Meine Kleider riechen jetzt nach einer Mischung aus Eukalyptus-Menthol und Amethyst Blütentraum. Nie hätte ich geglaubt, dass ich mich so aufs Büro freuen könnte, wie ich es jetzt tue. Dem Kopf wird’s guttun.