Herzog & de Meuron
Das Schaulager erhält einen Anbau für fragile zeitgenössische Kunstwerke

Die Mäzenin Maja Oeri will ihr Kunstlager im Dreispitz erweitern. Das Areal dafür ist längst vorbereitet, die Architekten stehen bereit. Schon im Herbst sollen erste Visualisierungen präsentiert werden.

Christian Mensch
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Die Rückseite des Schaulagers in Münchenstein wird erweitert. Gesucht ist eine neue und doch ergänzende architektonische Form.

Die Rückseite des Schaulagers in Münchenstein wird erweitert. Gesucht ist eine neue und doch ergänzende architektonische Form.

Bild: Kenneth Nars

Vor bald zwanzig Jahren war es eine Sensation. Die Basler Emanuel Hoffmann-Stiftung baute für ihre Kunstsammlung in Münchenstein ein neuartiges Depot: das Schaulager. Darin erhalten ausgewählte Werke zwar auch in traditionell musealer Form Ausstellungsfläche, die Sammlung sollte aber vor allem für die Kunstfachwelt permanent zugänglich gemacht sein. Mit einem Auditorium, einer Bibliothek und Arbeitsräumen dient das Schaulager auch als Forschungseinrichtung.

Die Bauherrin Maja Oeri hatte die Emanuel-Hoffmann-Stiftung von ihrer Grossmutter Maja Sacher-Stehlin übernommen. Finanziert hat sie den Bau jedoch über ihre eigene Laurenz-Stiftung. Bereits bei der Planung hatte sie einen Ausbau mitgedacht. So steht der wuchtige Baukörper am Rand einer Parzelle, die zur Hälfte aus einer Brache besteht. Die Rückseite des Schaulagers ist nicht nur abweisend, um als Gegensicht zur offenen Frontansicht den Depotcharakter zu unterstreichen. Sie ist architektonisch auch so konzipiert, dass sich direkt dahinter Gebäudeinfrastruktur wie die Treppenhäuser verbirgt – und der Baukörper für eine Erweiterung daran gespiegelt werden könnte.

Der Basler Kunstkonzern der Maja Oeri

Maja Oeri ist eine der einflussreichsten Personen der internationalen Kunstwelt und dazu die dominierende in Basel. Der von ihr präsidierten Emanuel Hoffmann-Stiftung gehört eine der bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst – und die Kollektion wird durch jährliche Ankäufe erweitert.

Vor vierzig Jahren finanzierte die Stiftung massgeblich das Museum für Gegenwartskunst, das regelmässig Werke der Stiftung ausstellt. Es war dies eine mehrfache Novität als Museum, das sich ausschliesslich der zeitgenössischen Kunst widmet, sowie als eines, das in einer Public-Private-Partnerschaft entstand. Derzeit werden dort in wechselnden Ausstellungen die Neuerwerbungen präsentiert.

Maja Oeri finanzierte über ihre Laurenz-Stiftung auch massgeblich den Ausbau des Kunstmuseums. Zunächst mit dem Erwerb des benachbarten Laurenz-Baus, in dem etwa die Bibliothek untergebracht ist. Mit Druck und Geld hat sie zudem entscheidend zum Erweiterungsbau beigetragen. Zunächst erwarb sie für 20 Millionen Franken die Parzelle, dann trug sie mit weiteren 50 Millionen Franken die Hälfte der Baukosten. 

Auch für die Kunsthistoriker der Universität Basel ist Maja Oeri mittlerweile unverzichtbar, da sie zwei Stiftungsprofessuren finanziert. (cm)

Dies wird jedoch nicht geschehen. «Es gibt kein Copy-and-paste», sagt die Kommunikationsverantwortliche Isabel Friedli. Sie argumentiert, dass sich die Kunst in den vergangenen zwanzig Jahren derart verändert habe, dass neue Formen der Aufbewahrung erforscht und umgesetzt werden sollen. «Time-based-media» oder «zeitbasierte Medienwerke» nennen sich die Herausforderungen, die häufig instabilen und technologievergänglichen Werke der zeitgenössischen Kunst werterhaltend aufzubewahren.

Die Architekten erweitern ihren eignen Bau

Für den Ausbau greift die Roche-Erbin Oeri erneut auf die Hausarchitekten Herzog & de Meuron zurück, die nun einen auf die speziellen Bedürfnisse der Werke ausgerichteten Bau konzipieren sollen. Dies in Zusammenarbeit mit internationalen Fachleuten und Künstlern. Theoretisch liessen sich die neuen funktionalen Anforderungen wohl auch in der Form der bestehenden Architektur realisieren. Doch die Basler Architekten werden sich nicht damit begnügen wollen, sich selbst zu duplizieren. Vielmehr soll der Anbau «deutlich zur Diversität» des Dreispitzareals beitragen, wie es in einer Medienmitteilung heisst.

Die Ankündigung des Schaulagers liest sich zwar als blosse Ankündigung eines ergebnisoffenen Prozesses. Doch die Arbeiten werden wohl schon gehörig vorangekommen sein. Bereits im Herbst sollen Visualisierungen vorliegen, wie das Schaulager 2.0. daherkommen wird.