Gleichstellung
Neue Studie soll belegen: Mehr als die Hälfte der Basler Männer erlebte Diskriminierung

In Basel-Stadt läuft die Ausarbeitung des neuen Gleichstellungsgesetzes. Dies hat ein Verein zum Anlass genommen, eine Befragung unter Männern zu machen. Die Ergebnisse zeigen, wie verbreitet Diskriminierung und Homophobie sind.

Silvana Schreier
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Während des Frauenstreiks 2021 machten Aktivistinnen in Luzern auf ihre Anliegen aufmerksam. Sie schreiben: «Was kotzt uns so richtig an? Die Einteilung in Frau und Mann.»

Während des Frauenstreiks 2021 machten Aktivistinnen in Luzern auf ihre Anliegen aufmerksam. Sie schreiben: «Was kotzt uns so richtig an? Die Einteilung in Frau und Mann.»

Symbolbild: Urs Flueeler / KEYSTONE

59 Prozent der befragten Männer haben an ihrem Arbeitsplatz Diskriminierung erlebt, weil sie nicht den traditionellen Vorstellungen entsprechen. Weiter berichtet jeder Fünfte von Mobbing, etwa aufgrund der sexuellen Orientierung. Das Resultat: Mehr als die Hälfte der Befragten ist am Arbeitsplatz nicht geoutet.

Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die vom Verein «Network – gay leadership» in Auftrag gegeben wurde. Studienautor ist Étienne Rembold: Der Basler gehört dem Transgender Network Switzerland an und ist Präsident der Basler Gleichstellungskommission. In der Untersuchung wurden 127 Männer befragt.

Nicht nur ein Gefühl, sondern Fakten

Für den Verein «Network – gay leadership» ist klar: Die Studie zeige auf, wie stereotype Vorstellungen der klassischen Männlichkeit eine Abwertungslogik konstruieren würde. Das sei sowohl frauenfeindlich als auch homophob, heisst es in der Mitteilung.

Daniel Stolz, Vorstandsmitglied im Verein «Network – gay leadership» und ehemaliger FDP-Grossrat, sagt auf Anfrage: «Wir sehen grossen Handlungsbedarf. Dass dies nicht nur ein Gefühl ist, wollen wir mit der Studie belegen.» Gerade in der aktuellen Debatte rund um das neue Gleichstellungsgesetz für den Kanton Basel-Stadt brauche es diese Anstösse.

Basler Gesetz soll alle Geschlechter umfassen

Basel-Stadt schickte im August die Revision des kantonalen Gleichstellungsgesetzes in die Vernehmlassung. Mit Ausnahme der SVP waren sich die Basler Parteien einig: Es braucht eine Überarbeitung. Das neue Gesetz soll die Gleichstellung in allen Lebensbereichen – sowohl rechtlich als auch tatsächlich – beinhalten und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung verbieten. Dabei geht der Gesetzestext nicht mehr nur von Mann und Frau aus, sondern will die Vielfalt der Geschlechter umfassen.

Dies ist klar im Sinne des Vereins «Network – gay leadership». Er hofft denn auch, dass die Studienerkenntnisse in die Ausarbeitung des neuen Gesetzes einfliessen. Stolz sagt jedoch: «Die Studie will auch über Basel hinaus gelten. Denn auch in anderen Kantonen laufen Diskussionen rund um die Gleichstellung.»

«Die Studie untermauert den Handlungsbedarf»

Leila Straumann, Leiterin der Basler Abteilung für Gleichstellung von Frauen und Männern, sagt: «Gleichstellungsfachstellen sind sich bewusst, dass heteronormative und hegemoniale Männlichkeit eben eine Abwertungslogik konstruieren und dass dies frauenfeindlich und homophob ist. Die Studie bestätigt dies und untermauert den Handlungsbedarf.» Diese Anregungen würden begrüsst.

Weiter sei es allgemein wichtig, sagt Straumann, dass Arbeitgebende auf ihre Schutzpflichten aufmerksam gemacht würden. Und Arbeitnehmende müssten darüber aufgeklärt werden, wohin sie sich wenden können und was ihre Rechte sind. «Darüber hinaus braucht es breite Sensibilisierungsmassnahmen», so Straumann. Das neue, totalüberholte Gleichstellungsgesetz soll der kantonalen Verwaltung die Grundlage geben, in den Themenfeldern aktiv zu werden.

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