FHNW nimmt Diebe ins Visier

Die Hochschule für Gestaltung und Kunst lässt ihr Areal auf dem Dreispitz videoüberwachen. Jetzt wird Kritik laut.

Benjamin Wieland
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Rund um den Freilagerplatz im Dreispitz-Areal in Münchenstein wird man neuerdings gefilmt. Die Leitung der Hochschule für Gestaltung und Kunst der Fachhochschule Nordwestschweiz (HGK FHNW) liess Überwachungskameras anbringen, insgesamt 57 Stück.

Mit den Geräten werden seit Mitte September die Eingangsbereiche der vier Gebäude der Hochschule im Dreispitz überwacht, aber auch Korridore, Treppen und Schleusen. Die FHNW bestätigt auf Anfrage der bz einen Bericht von «Bajour» von Montag.

Laut der Onlinezeitung hat sich unter der Studierendenschaft bereits Widerstand gebildet. «Bajour» zitiert eine Studentin, die sagt, sie empfinde die Überwachung als «unangenehm». Ein Kommilitone sagt: «Die Grundstimmung ist schlecht, niemand findet das cool.» Die Gegner der Kameras haben laut «Bajour» auch Plakate aufgehängt. Auf ihnen stehe unter anderem: «Heute Kameras, morgen Fingerabdrücke?», sowie «Wo ziehst du die Grenze?»

Schulleitung suchte das Gespräch mit Skeptikern

Rhea Kyvelos, Leiterin Kommunikation und Marketing bei der HGK FHNW, schreibt, man habe «aufgrund von Schadens- und Versicherungsfällen durch Diebstähle und Sachbeschädigungen der letzten Jahre entschieden, die öffentlichen Gebäude mit Kameras auszustatten». Am 19. August seien die Studierenden von der Direktorin über die Massnahme informiert worden, ebenso über die Beweggründe und die Positionierung der Kameras. «Nachdem ein Teil der Studierenden ihr Unbehagen geäussert hatten», fährt Kyvelos fort, «wurde am 18. September mit einer Gruppe Studierender ein konstruktives Gespräch zum Thema Datenschutz und zum Umgang mit Videokameras an der HGK geführt.»

Die Studierenden seien danach ein zweites Mal über die Massnahme informiert worden. Ebenso habe man sie darauf aufmerksam gemacht, dass die Kameras lediglich von 17.30 bis 7.30 Uhr sowie an Wochenenden in Betrieb seien.

Gesetz sagt: Massnahme muss verhältnismässig sein

Der Baselbieter Datenschutzbeauftragte Markus Brönnimann wird von «Bajour» zitiert, wie bei jeder Videoüberwachung müsse sich die FHNW die Frage stellen, ob sie mit der Massnahme tatsächlich das erreiche, was sie wolle: Diebstähle und Vandalismus verhindern. Das kantonale Polizeigesetz schreibe vor, Videoüberwachung habe verhältnismässig zu sein.

Der FHNW-Campus Dreispitz wurde per Herbstsemester 2014 eingeweiht. Er ist auf rund 1000 Studierende und Dozierende ausgelegt. HGK-Sprecherin Kyvelos weist darauf hin, aus Sicherheitsgründen gebe es auch an anderen Standorten der FHNW Videoüberwachung. Die Aufnahmen würden nach sieben Tagen gelöscht. Und: «An den anderen Standorten gab es bisher weder von den Mitarbeitenden noch von den Studierenden Einwände dazu.»