Nachruf
«Die Würdigung seiner politischen Leistung allein würde der vielseitigen Persönlichkeit von Eugen Keller nicht gerecht»

Lukas Engelberger, Regierungsrat (CVP)
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Eugen Keller, CVP, Ex-Regierungsrat Basel-Stadt.

Eugen Keller, CVP, Ex-Regierungsrat Basel-Stadt.

Roland Schmid

Eugen Keller war unser Doyen. Beim jährlichen Treffen der ehemaligen und amtierenden Mitglieder des Regierungsrats hielt er als ältester ehemaliger Regierungsrat traditionsgemäss eine kurze Tischrede. Immer bewies er darin Nähe zur Aktualität, ungebrochenes Engagement für das Gemeinwesen und gutmütigen Humor. Auch im Alltag stand er den Nachfolgern in Regierung und Partei stets als kompetenter Gesprächspartner und Ratgeber zur Seite.

So war er bis in den Herbst des vergangenen Jahres regelmässiger und aktiver Teilnehmer an Parteiversammlungen, sowohl auf kantonaler wie auch auf nationaler Ebene. Mit grosser Selbstverständlichkeit und Bescheidenheit schöpfte Eugen aus seinem reichen Fundus an Wissen und Erfahrung. Wohl kaum ein anderer hatte derart profunde Kenntnis der Basler Politik seit dem Zweiten Weltkrieg, und kaum einer hat in dieser vergleichbar tiefe und lange Spuren hinterlassen.

Nach seinem Studium an der ETH arbeitete Eugen Keller über zwanzig Jahre lang im Ingenieurbüro Gruner, zuletzt als Direktor und Verwaltungsrat. Oft war er im Ausland tätig, vor allem in den arabischen Staaten. Seine Berufserfahrung sollte ihm später reichlich zu Gute kommen.

Sein politisches Interesse führte Eugen Keller in die CVP. Mehrere Jahre lang war er ihr Präsident. 1960 erfolgte seine Wahl in den Grossen Rat, dessen Präsidium er 1970 innehatte. 1971 wurde er in den Regierungsrat gewählt, dem er fünf Legislaturperioden lang - von 1972 bis 1992 - angehörte, zunächst als Sanitäts- und später als Baudirektor. Als solcher prägte er das Gesicht von Basel nachhaltig. Der Bau der Stadtautobahn und der neuen Wettsteinbrücke fielen ebenso in seine Amtszeit wie der Masterplan Bahnhof und die Planungsentscheide zum Bau der Nordtangente mit den damit verbundenen neuen Perspektiven für Basel-Nord.

Durch die Fusion des Elektrizitätswerks mit den Gas- und Wasserwerken zu den heute erfolgreich tätigen Industriellen Werken Basel (IWB) wurden in seiner Amtszeit die Grundlagen für die nachhaltige Basler Energiepolitik gelegt. Eugen Keller wusste auch bei seinen repräsentativen Auftritten zu glänzen. So bleibt der Empfang der britischen Königin Elizabeth II. anlässlich der Eröffnung der Grün 80 in unvergesslicher Erinnerung.

Die Würdigung seiner politischen Leistung allein würde der vielseitigen Persönlichkeit von Eugen Keller nicht gerecht. Ebenso prägten ihn sein Familiensinn und eine warmherzige Geselligkeit. Er genoss die Aufgehobenheit in seiner grossen Familie mit den vier Kindern. Leider verstarb seine Gattin Therese schon kurz nach seiner Pensionierung. Auch als Witwer legte er Wert auf ein offenes Haus, zu dem er selber Sorge trug. Als zuvorkommender Gastgeber lud er Familie und Freunde zu sich ein und entwickelte Meisterschaft im Kochen.

Fest in Familie und Heimat verankert, wusste Eugen seinen Blick weit und seinen Horizont offen zu halten, was ihn eine beeindruckende Weltläufigkeit ausstrahlen liess. Neben den lokalen Traditionen pflegte er bis ins hohe Alter die angenehmen Seiten des Lebens. Er war begeisterter Schwimmer und passionierter Tänzer. Über Silvester war er regelmässig in einem eleganten Tessiner Hotel zu Gast, und dem trüben Basler Januar entfloh er jeweils für ein paar Wochen ins sonnige Goa.

Jetzt hat unser langjähriger Freund und Förderer seine letzte Reise angetreten. Kurz nach den Weihnachtsfeierlichkeiten im Kreis seiner geliebten Familie ist Eugen Keller im Alter von 95 Jahren seinem Krebsleiden erlegen. Seine Leistungen und die Erinnerung an seine zutiefst menschenfreundliche Ausstrahlung bleiben uns erhalten. Möge dies seiner Familie und seinen Freunden ein Trost sein.