Beide Basel

Die wichtigsten Antworten: So bleibt das Corona-Virus den Schulzimmern fern

Am Donnerstagnachmittag informierte der Kanton Basel-Stadt über den bevorstehenden Schulstart.

Am Donnerstagnachmittag informierte der Kanton Basel-Stadt über den bevorstehenden Schulstart.

Die Fasnachtsferien stehen kurz vor ihrem Ende. Beide Basel haben nun Massnahmen ergriffen, um den Schulbetrieb zu gewährleisten. Dazu gehören Händewasch-Lektionen, gestaffelte Pausen, ein Kinoverbot - und Turnen ohne Körperkontakt.

Am Donnerstagnachmittag informierten sowohl Basel-Stadt als auch Baselland über den Schulbeginn vom kommenden Montag. Beide Basel lassen ihre Schülerinnen und Schüler wie geplant nach den Ferien starten – mit einigen wenigen Ausnahmen. Die bz klärt die wichtigsten Fragen:

1. Was haben die beiden Basel bezüglich des Schulstarts am Montag entschieden?

In beiden Halbkantonen beginnt die Schule wie geplant. Eine generelle Schliessung aller Schulen sei zwar geprüft worden, sagt Fabienne Romanens, Sprecherin der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) zur bz: «Wir haben aber entschieden, dass der Schulbetrieb zu verantworten ist.» Dabei habe man sich stark auf die Einschätzung und Expertise des Bundesamts für Gesundheit gestützt. «Es gab keinen Grund, weshalb der Kanton Baselland davon abweichen sollte», so Romanens. Schliesslich hätte noch kein Kanton eine generelle Schulschliessung verhängt. Auf dieselben Argumente setzt auch Basel-Stadt.

2. Dürfen alle Kinder in die Schule gehen?

Grundsätzlich ja. «Einzig Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen, die sich in einem betroffenen Risikogebiet aufgehalten haben, müssen 14 Tage lang zu Hause bleiben», erklärt der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer an der Medienkonferenz. Zu den betroffenen Gebieten gehörten China, Südkorea, Singapur, Japan, Iran und die Regionen Piemont, Venetien, Lombardei und Emilia-Romagna in Italien. Betroffene Schüler würden «stufengerecht mit Arbeitsaufträgen bedient», heisst es beim Kanton Baselland. Selbstverständlich müssen auch kranke Kinder und Jugendliche «zwingend zuhause behalten werden», schreibt die BKSD weiter.

3. Wurden konkrete Massnahmen geplant, um dem Ansteckungsrisiko vorzubeugen?

Der Kanton Baselland hat zwei Merkblätter erarbeitet, eines für alle Eltern und Schüler sowie eines für die Schulen und Lehrer, die sich aber zu grossen Teilen decken. Darauf finden sich auch konkrete Handlungsanweisungen. So finden Pausen zwar regulär statt, dies aber wenn möglich im Freien. Aufgabe der Schulleitung sei es, grössere Personenansammlungen zu vermeiden. Mögliche Aktionen seien die Staffelung der Mittagspause oder, dass auch im Klassenzimmer gegessen werden darf. Grundsätzlich dürften schulergänzende Angebote wie Mittagstische oder Horte durchgeführt werden. Auch der Sport- und Schwimmunterricht findet statt. Baselland folgt jedoch der Empfehlung des Bundesamts für Gesundheit: «Es soll auf direkten Körperkontakt verzichtet werden.» Kein Verbot, aber doch deutlich wird das Merkblatt bei einem anderen Thema: «Es wird dringend empfohlen, bis auf Weiteres auf die Teilnahme an externen Veranstaltungen wie Kino oder Theater zu verzichten», heisst es da. Fabienne Romanens erklärt: «Im Gegensatz zu schulinternen Anlässen können wir dort die Ansteckung nicht zurückverfolgen, auch wenn im Kino vielleicht weniger als 200 Personen sitzen.»

In Basel lanciert das Erziehungsdepartement gemeinsam mit dem Gesundheitsdepartement eine eigene Kampagne. Sie läuft unter dem Hashtag «#SeifenBoss» und soll Kinder sowie Jugendliche zum Händewaschen animieren. Innert weniger Tage habe der Kanton diese Informationskampagne erarbeitet, sagt Regierungssprecher Marco Greiner an der gestrigen Medienkonferenz. Der Slogan «Seife gegen Corona» prangt auf den vorwiegend in pink gehaltenen Plakaten und Flyern. «Die Kampagne wird zu einem Grossteil in den sozialen Medien stattfinden», sagt Greiner. So plane man etwa Videos auf Facebook, Instagram oder Snapchat, um die Jungen ansprechen zu können.

4. Wie sollen diese Massnahmen konkret im Schulalltag umgesetzt werden?

Fabienne Romanens ist sich bewusst, dass nicht für alle Schulen aller Stufen in allen 86 Baselbieter Gemeinden die genau gleichen Massnahmen nötig sind: «Die Schulleitungen sind gefordert, zu prüfen, was konkret für ihre Situation Sinn macht.» Das Wichtigste sei, dass Lehrer wie Schüler und Eltern sensibilisiert würden.

Das sieht auch Jürg Lauener, Leiter der Sekundarschule Therwil, so. Er begrüsst auf Anfrage die erstellten Merkblätter für Eltern, Schüler und Lehrer. Er weiss aber auch: «Die neuen Vorschriften und Empfehlungen werden sich auf den Schulalltag auswirken.» Konkret will Lauener beispielsweise die Schüler, die sonst bei Pausen in der Eingangshalle bleiben dürfen, hinaus ins Freie schicken. Auch werde es im Rahmen des Unterrichts keine Besuche von Theater oder Kino geben. Eine Handhabe, den Schülern und Lehrern einen derartigen Besuch auch in ihrer Freizeit zu verbieten, sieht Lauener allerdings nicht. Beim Sportunterricht ohne Körperkontakt ist der Schulleiter selbst gespannt, wie seine Sportlehrer die Weisung umsetzen werden: «Ich glaube, sie werden eine grosse Kreativität an den Tag legen.» Fest steht: Fussball gespielt wird – wohl zum Leidwesen vieler Kinder – im Turnunterricht vorerst nicht mehr. «Aber es müssen stattdessen ja auch nicht nur Konditionsläufe sein», scherzt Lauener.

Weniger Auswirkungen auf die Sek Therwil werden andere Vorgaben haben. So verfüge man weder über eine Mensa noch einen Mittagstisch, weswegen es über Mittag auch zu keinen Menschenansammlungen komme, so Lauener. Die Skilager seien bereits vorbei und Exkursionen würden sowieso nur von einzelnen Klassen und nicht von mehreren gemeinsam unternommen. Ganz grundsätzlich sagt Lauener, ganz entspannt: «Wir fangen jetzt mal am Montag ganz normal an und schauen dann, wie es läuft.»

5. Warum hat Basel-Stadt alleine eine eigene Kampagne lanciert?

Diese Frage konnten weder Regierungssprecher Greiner noch Erziehungsdirektor Cramer befriedigend beantworten. «Wir haben uns auf die bereits vorhandenen Informationen vom Bundesamt für Gesundheit gestützt. Aber wir standen unter Zeitdruck und wollten die Kampagne darum so lancieren», sagt Greiner. Cramer ergänzt: «Uns war wichtig, jetzt auf den Schulstart hin etwas zu machen. Und wir haben eine tolle Kampagne für Basel-Stadt.» Basel-Stadt wäre denn auch bereit, das Material anderen Kantonen zu Verfügung zu stellen. Mit dem Baselbiet sei man bereits in Kontakt.

6. Können Lager, Schulreisen und Elternabende durchgeführt werden?

Dieter Baur, der Leiter der Basler Volksschulen, sagt deutlich, dass alle Lager und schulinternen Veranstaltungen wie geplant stattfinden könnten. Für die älteren Schülerinnen und Schüler in der Sekundarstufe II sieht es ähnlich aus: «Einige Schulklassen haben in den nächsten Wochen Auslandreisen geplant. Diese können durchgeführt werden. Ausser die Klasse will in ein Risikogebiet, dann muss die Reise angepasst werden», sagt Ulrich Maier, Leiter der Mittelschulen und Berufsbildung in Basel-Stadt.

In Baselland setzt das Merkblatt klare Grenzen: Bei schulinternen Anlässen mit weniger als 200 Teilnehmenden entscheidet die Schulleitung über die Durchführung. Auf alle Fälle müsse eine Präsenzliste geführt werden. Weiter heisst es: «Anlässe mit mehr als 200 Personen dürfen ab sofort nicht mehr durchgeführt werden.» Exkursionen, Reisen und Lager von mehr als sechs Klassen zusammen müssten bewilligt werden.

7. Was passiert, wenn ein Schüler am Corona-Virus erkrankt?

Für diesen Fall sei der Ablauf klar, sagt Markus Ledergerber vom Basler Gesundheitsdepartement. Er leitet den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst. «Erkrankt ein Schüler am Virus, führen wir ein sogenanntes ‹contact tracing› durch. Wir müssen also herausfinden, welche Personen in engem Kontakt mit dem Betroffenen standen. Anschliessend entscheiden wir, welche Massnahmen getroffen werden müssen. Naheliegend ist natürlich, die ganze Schulklasse in Quarantäne zu schicken.»

8. Wo erhalten besorgte Eltern weitere Informationen?

Der Kanton Basel-Stadt hat für besorgte Eltern eine Informationsplattform hochgeschaltet. Unter www.coronavirus.bs.ch/schulen sind sämtliche Informationen ersichtlich. Dazu kommen Telefonnummern, unter denen die Eltern Rat erhalten. In Baselland rät der Kanton, dass sich Eltern und Schüler bei Fragen an die jeweilige Klassenlehrperson wenden sollen. Sollten Familien ihre Kinder nicht in die Schule schicken wollen, sucht das Basler Erziehungsdepartement das Gespräch: «Wir probieren die Eltern davon zu überzeugen, dass die Situation von arrivierten Pandemie-Spezialisten eingeschätzt und für unbedenklich gehalten wurde», sagt Sprecher Simon Thiriet zur bz. Es sei aber klar, in solchen Fällen brauche es viel Fingerspitzengefühl. «Aber das schauen wir dann Fall für Fall an.»

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