Albumtaufe
Die Wahlbaslerin Jasmin Albash hat ihre Wurzelsuche vertont

Jasmin Albash veröffentlicht ihr erstes Album unter eigenem Namen. Die acht Songs auf «Gold» sind das Produkt einer Identitätssuche.

Stefan Strittmatter
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Jasmin Albash lebt und musiziert seit 14 Jahren in Basel.

Jasmin Albash lebt und musiziert seit 14 Jahren in Basel.

bz

Sie habe viel dazugelernt, was Songwriting und Producing angeht, sagt Jasmin Albash, wenn man sie nach ihrem vergangenen Jahr fragt. Im Oktober 2019 stand die Wahlbaslerin noch unter dem Pseudonym The RK (zuvor: The Richard Kingston Project) in Schaffhausen auf der Bühne. Der Konzertabend ist noch immer unter «upcoming shows» aufgeführt. Auch sonst wirkt die Homepage von The RK etwas verwaist.

Das hat einen einfachen Grund: Albash musiziert neu unter ihrem eigenen Namen, ergo auch mit neuer Homepage. Das Album, das am Samstag in der Kaserne getauft wird, sei das Resultat einer «musikalischen und inneren Auseinandersetzung» mit ihren palästinensischen Wurzeln, sagt Albash, die im deutschen Gütersloh geboren wurde und im Alter von zwei ­Jahren mit ihren Eltern in die Schweiz gezogen ist.

Dieser Entstehungsprozess habe sie geerdet: «Ich bin bei mir selber angekommen. The RK fühlte sich ­daher nicht mehr richtig an für mich.»

Arrangements mit viel mehr Luft und Pausen

Mit dem Namen hat sich auch die musikalische Ausrichtung der 37-Jährigen gewandelt. Liebäugelte The RK noch mit tanzbaren Beats und eingängigen Hooks und streckenweise mit radiotauglichem Hip-Hop, so sind die Tempi auf «Gold», so der Name des acht Stücke umfassenden Kurzalbums, ausnahmslos gedrosselt. Zudem hat Albash ihre Melodiediebögen weiter gespannt und die Arrangements zusätzlich ausgedünnt und mit viel mehr Luft und Pausen versehen.

Eines ist jedoch geblieben: Die Stimme ist weiterhin Albashs Hauptinstrument, von dem sie sich beim Schreiben neuer Lieder leiten lässt – «intuitiv», wie sie sagt. Der Kompositionsprozess ist den Liedern anzuhören: Vier der acht Stücke beginnen a-Capella – mit einem Chor («Moving On» und «I Raise My Voice For You») oder mit via ­Vocoder-Software geschichteten und verfremdeten Stimmen («Gold» und «No Me Salen Las Palabras»).

Auffällige Instrumentalparts oder Soli findet man auf «Gold» keine. Die Synthesizer und Perkussion halten sich im Hintergrund und dienen lediglich dazu, den Stimmen eine klingende Kulisse zu geben. So fallen selbst kleinste Variationen im Klangbild auf, so etwa das wabernde Pad in «Unit» oder der rhythmisch pulsierende Bass-Sequenzer in «Sink».

Mehr Gesamtkunstwerk denn Songsammlung

Mit Ausnahme des Titelstücks hat Albash ihre Kompositionen in gedeckten Moll-Tönen gehalten, und selbst «Gold» – eine Liebeserklärung an Palästina – klingt mit seiner orientalisch gefärbten Tonalität im west­lichen Ohr eher düster. Die Ähnlichkeit der Stücke wird weiter verstärkt durch Albashs offenkundige Vorliebe für I-VI-Stufen-Verbindungen, die sich in den Akkorden von fast jedem Lied finden.

Das führt dazu, dass man das Album mehr als Gesamtkunstwerk denn als Songsammlung wahrnimmt. Was beileibe nichts Schlechtes sein muss. Jasmin Albash widersetzt sich damit – willentlich oder nicht – den Trends in der Popmusik, in der auf einzelne Singles gesetzt wird.

Vielmehr funktionieren die acht Songs wie Kapitel ein und derselben Geschichte. ­Diese sind auch inhaltlich verknüpft: So handelt «Gold» von Albashs Wurzeln in Palästina, während sie in «I Raise My ­Voice For You» ihren Grosseltern widmet, die 1948 nach Jordanien geflüchtet sind. Und wie in einem guten Buch hat die seit 14 Jahren in Basel beheimatete Albash das Ende nicht künstlich hinausgezögert: «Inhaltlich waren diese acht Lieder grad alles was ich zu dem Thema zu sagen habe.»

Stellt sich die Frage, wie ­sie damit ein abendfüllendes Programm bestreiten will. Auf welche weiteren Stücke sie am Samstag zurückgreifen wird, mag Albash nicht verraten, das sei eine Überraschung, wie sie sagt. Bekannt ist jedoch die Besetzung: Ursprünglich wäre ein Trio angedacht gewesen, sagt Albash, doch nach dem Ausfall der Bassistin/Keyboarderin steht, respektive sitzt nun neben Albash (Gesang, Loops und Keyboards) nur noch der Basler Schlagzeuger Benjamin Brodbeck (Prekmurski Kavbojci und Cubal­kanics) auf der Bühne.

Nach dem CD-Taufe sind bis Ende November noch zwei weitere Gigs in Basel angekündigt. Im Rahmen des KlangBasel-­Festivals wird sie zudem am 21. November mit zehn Gästinnen einen Abend bestreiten – «sofern Corona uns lässt.» Was danach kommt, stehe aktuell noch in den Sternen, sagt Albash:«Es ist gerade eine super schwierige Zeit für uns Künstlerinnen.»

Jasmin Albash:
«Gold», Irascible.
www.jasminalbash.com
Live: Kaserne Basel,
Samstag, 24.Oktober
www.kaserne-basel.ch