Baurecht
Die Holdenweid-Utopie taumelt: Wie gute Absichten von Basel-Stadt in einem Irrgarten enden

Basel-Stadt will das Landgut im Seitental von Hölstein im Baurecht abgeben, doch nun droht der Initiantin das Geld auszugehen.

Christian Mensch
Drucken
Teilen
Cornelia Huber im Impulszentrum. (Bild: August 2017) Holdenweid Der Holdenweid ob Hölstein wird wieder Leben eingehaucht. Es entsteht ein Impulszentrum als Ort der Verbindung zwischen Kunst, Lebenswelt und Wissenschaft.
10 Bilder
Der Holdenweid ob Hölstein wurde wieder Leben eingehaucht. Es entstand ein Impulszentrum als Ort der Verbindung zwischen Kunst, Lebenswelt und Wissenschaft. (Bild: August 2017) Holdenweid Der Holdenweid ob Hölstein wird wieder Leben eingehaucht. Es entsteht ein Impulszentrum als Ort der Verbindung zwischen Kunst, Lebenswelt und Wissenschaft.
Holdenweid Idyllisch gelegen
Der Holdenweid ob Hölstein wurde wieder Leben eingehaucht. Es entstand ein Impulszentrum als Ort der Verbindung zwischen Kunst, Lebenswelt und Wissenschaft. (Bild: August 2017) Holdenweid Der Holdenweid ob Hölstein wird wieder Leben eingehaucht. Es entsteht ein Impulszentrum als Ort der Verbindung zwischen Kunst, Lebenswelt und Wissenschaft.
Der Holdenweid ob Hölstein wurde wieder Leben eingehaucht. Es entstand ein Impulszentrum als Ort der Verbindung zwischen Kunst, Lebenswelt und Wissenschaft. (Bild: August 2017) Holdenweid Der Holdenweid ob Hölstein wird wieder Leben eingehaucht. Es entsteht ein Impulszentrum als Ort der Verbindung zwischen Kunst, Lebenswelt und Wissenschaft.
Holdenweid
Der Holdenweid ob Hölstein wurde wieder Leben eingehaucht. Es entstand ein Impulszentrum als Ort der Verbindung zwischen Kunst, Lebenswelt und Wissenschaft. (Bild: August 2017) Der Holdenweid ob Hölstein wird wieder Leben eingehaucht. Es entsteht ein Impulszentrum als Ort der Verbindung zwischen Kunst, Lebenswelt und Wissenschaft.
Der Holdenweid ob Hölstein wurde wieder Leben eingehaucht. Es entstand ein Impulszentrum als Ort der Verbindung zwischen Kunst, Lebenswelt und Wissenschaft. (Bild: August 2017) Holdenweid Der Holdenweid ob Hölstein wird wieder Leben eingehaucht. Es entsteht ein Impulszentrum als Ort der Verbindung zwischen Kunst, Lebenswelt und Wissenschaft.
Auf dem Leuenberg im damaligen Tagungszentrum der reformierten Kirche Baselland sollte ein Asylzentrum eingerichtet werden. Hier die Holdenweid unterhalb vom Leuenberg. Auf dem Leuenberg im Tagungszentrum der reformierten Kirche Baselland soll ein Asylzentrum eingerichtet werden. Hier die Holdenweid unterhalb vom Leuenberg.
Der Holdenweid ob Hölstein wurde wieder Leben eingehaucht. Es entstand ein Impulszentrum als Ort der Verbindung zwischen Kunst, Lebenswelt und Wissenschaft. (Bild: August 2017) Holdenweid Der Holdenweid ob Hölstein wird wieder Leben eingehaucht. Es entsteht ein Impulszentrum als Ort der Verbindung zwischen Kunst, Lebenswelt und Wissenschaft.

Cornelia Huber im Impulszentrum. (Bild: August 2017) Holdenweid Der Holdenweid ob Hölstein wird wieder Leben eingehaucht. Es entsteht ein Impulszentrum als Ort der Verbindung zwischen Kunst, Lebenswelt und Wissenschaft.

Nicole Nars-Zimmer

Die Holdenweid ist ein Idyll. Aber ein vertracktes. Seit sechs Jahren versucht Basel-Stadt das einstige Gut samt Villa und spätere Aussenstelle der Psychiatrischen Klinik loszuwerden. Als Teil des städtischen Finanzvermögens modert das Ensemble bei Hölstein vor sich hin. Einzelne Ökonomiegebäude sind eingestürzt, andere notdürftig abgestützt. Auch Hunderttausende von investierten Franken halten den Verfall nicht auf.

Hin und wieder flackert die Hoffnung auf, es lasse sich eine Lösung finden. Etwa als der Bund dort ein Asylzentrum prüfte. Oder seit die Künstlerin Cornelia Huber mit ihrem Verein Frequenzwechsel die Welt neu zu erfinden sucht.

Holdenweid Idyllisch gelegen

Holdenweid Idyllisch gelegen

Juri Junkov

Huber hat vor fünf Jahren alles mitgebracht, was zu einem guten Ende hätte führen sollen: ein künstlerisch-kulturelles Konzept, eine Trägerschaft mit namhaften Exponenten, und für die Finanzierung eine Vernetzung in die reiche Basler Stiftungswelt. Seit 2015 werkelt Huber mit befristeten Verträgen im Bauernhaus und in der baufälligen Heimstätte, der asbestverseuchten ehemaligen Unterkunft der Psychiatriepatienten.

Als die Stadt 2018 die Holdenweid im Baurecht öffentlich ausschrieb, erhielt die Stiftung Holdenweid, die Huber zu gründen versprach, den Zuschlag. Sie ist bereit, der Stadt 760'000 Franken zu überweisen, zwei Basler Stiftungen haben das Geld zugesagt. Unterschrieben wird der Vertrag aber erst, wenn eine Baubewilligung vorliegt. Und das Verfahren stockt. Immer weitere Dokumente werden angefordert, immer neue Konflikte brechen auf. Die kantonale Natur- und Landschaftsschutzkommission hat Einsprache erhoben. Der Sprecher der Baudirektion sagt: «Erst wenn sämtliche Beanstandungen bereinigt sind und die vollständigen Unterlagen vorliegen, kann über die Bewilligungsfähigkeit und die Einsprache entschieden werden.»

Bis die Mühlen der Verwaltung die ausgesagten Umdrehungen gemacht haben, dürfte vom Projekt nicht mehr viel übrig sein. Cornelia Huber sagt: «Jetzt oder nie» müsse die Bewilligung erteilt werden. Denn der Initiantin geht das Geld aus: Die Stiftungen zahlen erst, wenn der Baurechtsvertrag unterschrieben ist, doch dafür muss die Baubewilligung vorliegen. Die selbstgesetzte Frist läuft Ende Juni aus.

Die Zeit hat allerdings auch an der Organisation genagt. Von der breiten Trägerschaft, von der sich auch die Gemeinde Hölstein begeistert gezeigt hatte, ist wenig mehr übrig geblieben. Neben Huber hätten gemäss Projekteingabe Martin Kreiliger von der Eingliederungsstätte Baselland, Raimund Rodewald von der Stiftung Landschaftsschutz, der Astrophysiker Bruno Binggeli und der Kulturunternehmer Christoph Meury Stiftungsräte werden sollen. Nun hat Huber mit Schwester und Schwager die Familie im Stiftungsrat versammelt. Ähnlich reduziert hat sich der weite Kreis der Engagierten auf einen engen Zirkel von Eingeweihten und ihren Verwandten. Huber sieht die personelle Entwicklung positiv. Eine «normale Organisation» sei für ein solches Projekt ohnehin nicht tauglich, nun seien sie «teammässig so gut aufgestellt wie nie».

Holdenweid überfordert die Zonenplaner

Huber sagt: «Neue Wege aus der Wirklichkeit heraus» müssten begangen werden. Die Realität bietet allerdings bloss einen sumpfigen Pfad mit vielen Stolperfallen.

Holdenweid Abgeschieden am Waldrand.

Holdenweid Abgeschieden am Waldrand.

google maps

Das Grundproblem ist seit Anbeginn die ungeklärte Zonenzuordnung. Der Kanton Baselland wollte die Holdenweid der Naturschutzzone zuschlagen, dagegen intervenierte Basel-Stadt. Gegen eine Zone «für öffentliche Nutzung» wehrten sich die Juristen, da weder Basel noch Hölstein eine solche wünschen. So ist das Seitental mit Gut-, Wald- und Wiesenflächen nun eine «Zone mit noch nicht bestimmter Nutzung». Damit gilt das bäuerliche Bodenrecht, das ausschliesslich Landwirtschaft zulässt.

Um die Gebäude dennoch bewirtschaften zu können, wurden sie unter Denkmalschutz gestellt. Selbst die Heimstätte, die nicht nur einen kaum sanierungsfähigen Fremdkörper darstellt, sondern auch verquer platziert ist. Eine Studie zum Hochwasserschutz zeigt, dass sie zu nahe beim eingedolten Gewässer steht. Bei der empfohlenen Öffnung des Bachlaufs läge sie direkt im Gewässerraum – und «könnte bei einer Zerstörung nicht an Ort und Stelle wiederaufgebaut werden». Es fehlt zudem an genügend Trinkwasser und einer stabilen Stromversorgung. Doch in dieser Heimstätte will Huber nun zwölf Gästezimmer einrichten. Das Gesuch ist bei der Gemeinde eingereicht.

An Ideen und Plänen mangelt es nicht, auch wenn die Aussichten düster sind. Die Basler Regierung hatte das geahnt. Mit der Baurechtsvergabe hat sie die Immobilien Basel-Stadt im Falle des Scheiterns beauftragt, ihr «einen Vorschlag für den weiteren Umgang mit der Liegenschaft zu unterbreiten».

Aktuelle Nachrichten