Persönlich
Die Gefahren des Homeoffice

Zara Zatti
Merken
Drucken
Teilen
Der private und intimste Raum wird plötzlich zum Arbeitsort und damit öffentlich. (Symbolbild)

Der private und intimste Raum wird plötzlich zum Arbeitsort und damit öffentlich. (Symbolbild)

Getty

Der «New Yorker»-Journalist Jeffrey Toobin hat während eines Zoom-Meetings masturbiert. Er dachte, die Kamera sei ausgeschaltet. Das sollte wirklich nicht passieren, und ich stelle es mir für alle Beteiligten äusserst unangenehm vor. Von all den Video-Call-Pannen, die mir zu Ohren gekommen sind – in der Nase gepopelt, ohne Hose aufgestanden, nackter Freund im Hintergrund – ist das die schlimmste. Doch alle Peinlichkeiten haben einen gemeinsamen Ursprung: das Homeoffice.

Der private und intimste Raum wird plötzlich zum Arbeitsort und damit öffentlich. Plötzlich hat man die Arbeitskollegen und den Chef im eigenen Wohnzimmer. Je nach Wohnsituation sogar im Schlafzimmer.

Man sitzt dann da, in seiner Trainerhose. Man weiss, dass man arbeitet, für die Kollegen sichtbar ist. Doch es ist eben auch das Zuhause, der Ort, an dem man sonst machen kann, was für niemandes Augen bestimmt ist. Dauert ein Meeting länger, kann es vorkommen, dass das Bewusstsein für die eigentliche Arbeitssituation in den Hintergrund rückt. Nach einer Stunde setzt man sich auf die Couch, nach zwei ist man in einer halbliegenden Stellung, und irgendwann nimmt das heimelige Gefühl überhand.

So gesehen macht die Trennung von Arbeit und Heim durchaus Sinn. Sonst läuft man Gefahr, dass die Arbeit immer auch ein bisschen Zuhause ist und dieses immer auch ein bisschen Arbeit.