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Corona hin oder her: Die Region Basel trocknet gerade aus – und kaum jemand merkt es

Der Ebenrain muss seine Felder bewässern

Trockenheit

Der Ebenrain muss seine Felder bewässern

Zu trocken, starke Bise und milder Winter: Darunter leiden die Wälder, die Landwirtschaft und die Liegewiesen in der Stadt.

Zuletzt geregnet hat es laut Daten von Meteoblue Ende März, also vor zwei Wochen. Seither ist es so trocken, wie schon lange nicht mehr. Der Vergleich zu 2019 zeigt: Damals regnete es im gleichen Zeitraum an 7 von 14 Tagen.

Die Kantone mussten aufgrund der Trockenheit bereits Massnahmen ergreifen, zu gross ist die Waldbrandgefahr derzeit (siehe Box am Ende). Ueli Meier, Leiter des Amts für Wald beider Basel, sagt zur bz: «Besonders im Hinblick auf den Sommer stehen wir vor einer Herausforderung.» Der Boden sei

auch aufgrund der Bise ausgetrocknet. Dies sei für Jungpflanzen ein Problem, ihre Wurzeln reichen noch nicht in die tiefen Bodenschichten, wo mehr Feuchtigkeit vorhanden wäre. Und gerade solche wurden im vergangenen Herbst viele gepflanzt – um die Löcher zu füllen, die durch Abholzungen wegen Trockenheitsschäden verursacht wurden. Meier: «Ist der Wald vom trockenen Frühling schon geschwächt, erwarten uns in einem heissen Sommer umso mehr Schäden. Ein nasser Mai würde sehr helfen.»

Weiter sorgt sich Meier um die Fische in den kleinen Bächen im Baselbiet. Der Wasserpegel sei bereits tief, gleichzeitig würden die Bauern das Wasser für ihre Felder abzweigen. «Je nach Temperaturen in den nächsten Tagen denken wir über Abfischungen im Homburgerbach, Eibach und Diegterbach nach», so Meier. Die Fische würden in die Ergolz umgesiedelt und könnten dann zurückwandern.

Wie im Sommer: Anlagen werden bewässert

Auch die Basler Stadtgärtnerei kämpft gegen die Trockenheit an: «Wir haben schon jetzt die Bewässerungsanlagen angeschaltet. Das ist sehr aussergewöhnlich für diese Jahreszeit», sagt Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei Basel.

Üblicherweise würden sich seine Mitarbeitenden Mitte April um Pflanzungen kümmern oder Rasen mähen. Gestern hingegen sorgten sie dafür, dass die Wassersprenger im Margarethenpark die Bäume und das Gras mit genügend Wasser versorgen.

Noch könnten die Pflanzen die Trockenheit aushalten. Doch da gerade jetzt – aufgrund des Coronalockdowns – viele ihre Zeit in den Parks verbringen, leiden die Liegewiesen. Ohne Wasser seien sie empfindlicher und bräuchten mehr Zeit, um sich zu erholen. Werden die Wiesen jetzt stark genutzt, zeigten sich die Auswirkungen dann im Sommer, so Trueb.

Andere Gewächse genossen jedoch den warmen Frühlingsanfang: «Frühlingspflanzen wie Osterglocken oder Tulpen schossen regelrecht aus dem Boden», so Trueb. Die Blätter blieben jedoch klein. «Daran erkennt man, dass die Pflanzen reagieren, um einem trockenen Sommer zuvorzukommen.»

Ernteerträge werden kleiner ausfallen

Ebenfalls reagieren müssen die Baselbieter Landwirte. Vielen bleibt nichts anderes übrig, als etwa Obstanlagen zu bewässern. Das Bodenmessnetz Nordwestschweiz zeigt beunruhigende Zustände: An allen Messstationen – Zunzgen, Therwil, Wenslingen und Brislach – ist es in der obersten Bodenschicht zu trocken. Lukas Kilcher, Leiter des Ebenrain-Zentrums für Landwirtschaft, Natur und Ernährung, sagt:

«Wegen der Bise und den fehlenden Niederschlägen sind die Wasserreserven im Oberboden schon jetzt aufgebraucht.» Wenn es so weiter geht, würde in einigen Gebieten das Gras bald welken – ein Phänomen, das sonst nur im Sommer zu beobachten sei. Das stellt nun die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen, Erinnerungen an den Hitzesommer von 2018 werden wach, sagt Kilcher: «Die Bauern bewässern allerdings nur dort, wo es sich lohnt.» So würden etwa Gemüsefelder, Frühkartoffeln und Obstbäume mit Wasser versorgt. Im Getreide- oder Futterbau rechne sich dies nicht. «Der Ausgang der Ernte ist noch offen, es könnte in den nächsten Wochen ja wieder regnen. Aber ein solcher Start ist eine Hypothek für die gesamte Vegetationsperiode, der Ertrag könnte bei einzelnen Kulturen kleiner ausfallen», so Kilcher.

Um in Zukunft der Trockenheit besser begegnen zu können, investiert der Ebenrain in neue Techniken. Kilcher: «Mittelfristig brauchen wir mehr wassersparende Bewässerungstechniken. Und längerfristig müssen wir den Boden widerstandsfähiger gegenüber der Trockenheit machen.» In beiden Bereichen laufen verschiedene Projekte.

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