Bericht von 2020
Trotz Bemühungen steht Basel-Stadt bei der Lehrstellensituation nicht gut da

Der Basler Grosse Rat will die Berufslehre stärken. Auch wenn die Coronapandemie kaum Auswirkungen hatte, die aktuellen Massnahmen des Kantons scheinen kaum zu wirken.

Silvana Schreier
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Während weiterführende Schulen ein hohes Ansehen geniessen, treten in Basel-Stadt zu wenige Schülerinnen und Schüler den Berufsbildungsweg an.

Während weiterführende Schulen ein hohes Ansehen geniessen, treten in Basel-Stadt zu wenige Schülerinnen und Schüler den Berufsbildungsweg an.

Symbolbild: Gaëtan Bally/KEYSTONE

Seit mehreren Jahren stagniert die Anzahl Lernende im Kanton Basel-Stadt zwischen 5400 und 6000. Nach wie vor – das zeigt der neuste Bericht der grossrätlichen Bildungs- und Kulturkommission zum Jahr 2020 – geniessen weiterführende Schulen ein grösseres Ansehen. Erziehungsdirektor Conradin Cramer (LDP) sagt: «Ich bin nicht zufrieden mit dem Lehrstellenbericht und wir dürfen es auch nicht sein.»

Conradin Cramer

Conradin Cramer

Kenneth Nars

Damit bringt der Regierungsrat seinen Unmut zum Ausdruck: Der Kanton engagiert sich mit unterschiedlichen Massnahmen für die Stärkung der Berufsbildung. In den Statistiken ist jedoch keine Veränderung sichtbar. Bei den Übertritten in die Berufsbildung im Jahr 2020 liegt Basel weiterhin deutlich hinter den Schweizer Städten Winterthur, Biel, St.Gallen, Zürich, Luzern und Bern.

Übertritte in die Berufsbildung im Jahr 2020

020406080WinterthurBielSt. GallenZürichLuzernBernBaselLausanneLuganoGenfSchweiz

SVP fordert Aufnahmeprüfung für Gymnasien

Cramer ist überzeugt: «Die Berufslehre ist der Erfolgsweg für die Mehrheit der Basler Schülerinnen und Schüler.» Daran müsse der Kanton in Zukunft anknüpfen.

Joël Thüring

Joël Thüring

zvg

Dem stimmen die Mitglieder des Grossen Rats zu. Von links bis rechts wünschen sich die Politikerinnen und Politiker mehr Lernende. Joël Thüring (SVP) sagt: «Viele Eltern sehen es noch immer als ‹Niederlage›, wenn ihre Kinder sich für eine Berufslehre entscheiden. Dabei ist das duale Bildungssystem Grund für den Erfolg der Schweiz.» Der Grossrat fordert deshalb im Namen seiner Fraktion, dass die Hürden für weiterführende Schulen erhöht werden. So brauche es etwa Eintrittsprüfungen für Gymnasien, wie dies bereits in Zürich der Fall ist.

Gleichwertigkeit der Bildungswege betonen

Claudio Miozzari

Claudio Miozzari

zvg

Claudio Miozzari (SP) ist zwar für die Stärkung der Berufslehre, mahnt jedoch, man dürfe den ohnehin schon hohen Druck auf die Schülerinnen und Schüler nicht weiter erhöhen. «Wir dürfen keine Wunder erwarten, sondern müssen mit kleinen Schritten vorwärtsgehen», sagt der Grossrat.

Brigitte Gysin

Brigitte Gysin

zvg

Für Brigitte Gysin von der Mitte/EVP-Fraktion liegt das Problem woanders: «Die Knacknuss bleibt die unterschiedliche Wertung der Bildungswege», sagt sie. Bei der Berufslehre werde stets erwähnt, dass man später ja dann doch noch studieren könne. Dies sei aber nicht zielführend, wenn die Gleichwertigkeit der Bildungswege betont werden wolle.

Der Grosse Rat nahm den Lehrstellenbericht stillschweigend zur Kenntnis.