Fasnachtsdienstag

Beizen sind voll: «Die Solidarität unserer Kunden ist uns sicher»

Auch wenn sämtliche Fasnachtsveranstaltungen abgesagt wurden: Die Basler geniessen die Tage in den typischen Fasnachtsbeizen.

Auch wenn sämtliche Fasnachtsveranstaltungen abgesagt wurden: Die Basler geniessen die Tage in den typischen Fasnachtsbeizen.

Trotz Absage der Fasnacht: Die Cliquen kehren in den Traditionsbeizen ein. Einzig die Käsewähen finden keine Abnehmer. Die Bäckerei Wacker musste darum ihre Tiefkühllager füllen.

Luftschlangen hängen von den Decken, Larven zieren die Fensterbänke, übergrosse, bunte Räppli kleben an den Fenstern. Eigentlich waren die Basler Beizen parat für die drey scheenschte Dääg. Und das sind sie noch immer – trotz der Fasnachtsabsage, die der Ausbreitung des Corona-Virus geschuldet ist. «Wir machen das Beste aus der Situation. Es geht ja der ganzen Stadt gleich», sagt Isabelle Segesser. Sie ist die Wirtin des Restaurants Schnabel – eines jener Lokale, die während der Fasnacht jeweils komplett ausgebucht sind.

Bereits auf der Website der Beiz steht: «An der Fasnacht liegt der ‹Schnabel› im Zentrum des Geschehens, dem sogenannten ‹Bermuda-Dreieck›. Von Sonntagabend, dem Ladärne-Ypfyffe, bis am Donnerstagmorgen, dem ‹Ändstraich›, herrscht hier rund um die Uhr Hochbetrieb.» Zudem ist das Lokal die Stammbeiz von gleich zwölf Basler Cliquen.

«Die Cliquen geniessen die Zeit trotzdem»

«Ein paar Reservationen wurden storniert. Dafür haben wir nun neue Gruppen, die zu uns kommen. Denn sonst sind wir immer ausgebucht», erzählt Segesser der bz. Sie steht während des Telefongesprächs vor dem Restaurant, drinnen ist es zu lärmig. Natürlich sei er ein trauriger Anblick, der menschenleere Rümelinsplatz. Zudem findet sie es schwierig, die Nachtruhe einzuhalten. Am Montagabend rückte die Polizei an, so Segesser, da sich einige Restaurantgäste nach 22 Uhr lautstark vor dem Lokal unterhalten hätten. «Aber die Cliquen geniessen die Zeit trotzdem und sitzen bei uns gemütlich zusammen.»

Auch das Restaurant zur Harmonie ist bisher ausgebucht. Nachdem die Wirtin Anna Götenstedt die Stimmung am Montag eher bedrückt wahrgenommen hatte, sei der fasnachtslose Dienstag bereits ausgelassener. «Fast alle, die reserviert hatten, sind auch gekommen.» Einbussen habe der Betrieb nur wegen des ausgefallenen Morgestraichs gehabt: Die Frühstücksgäste blieben aus, «aber das war natürlich zu erwarten», fügt Götenstedt an.

Die Wirtin möchte den Cliquen und Fasnächtlern denn auch ein Lob aussprechen: «Es ist toll, dass sie sich alle solidarisch zeigen und ihre Reservationen trotzdem wahrnehmen.» Ein ähnliches Bild zeichneten bereits Anwar und Karim Frick. Die Wirte des Löwenzorn erlebten eine Solidaritätswelle der Fasnächtler.

Wacker bleibt auf Käse- und Zwiebelwähen sitzen

Für die Wacker und Schwob AG, die während den Fasnachtstagen die traditionellen Käse- und Zwiebelwähen verkauft und liefert, hat der Ausfall der drey scheenschte Dääg grössere Auswirkungen. Während die Beizen scheinbar florieren, stornieren die Kunden der Bäckerei die Lieferungen. Das Tiefkühllager der Bäckerei ist nun gefüllt mit Wähen. Geschäftsführer Sven Schwob sagt: «Wir alle stecken momentan in einer Ausnahmesituation und haben alle einen finanziellen Schaden erlitten.» Wie hoch dieser wegen der Fasnachtsabsage für die Wacker-Bäckerei ausgefallen ist, will Schwob nicht näher beziffern. «Wir haben aber sicher ein paar tausend Wähen vorproduziert. Und der Winter ist mitsamt der Fasnacht natürlich unsere Hauptsaison», so Schwob. Zudem hätte er die Zutaten für die Wacker-Produkte bereits bezahlen müssen.

Wacker beliefert in Basel mehrere Restaurants, Organisationen und Institutionen mit Backwaren. Seit Freitag seien nun ständig Bestellungen storniert worden. «Wir holen die bereits ausgelieferte Ware bei den Kunden ab und lagern sie bei uns im Tiefkühllager.» Schwob hofft darauf, die Wähen zu einem späteren Zeitpunkt verkaufen zu können. «Die Solidarität unserer Kunden ist uns sicher.»

Zu viele Wacker-Käsewähen hat auch das Basler Marionetten-Theater in seinen Gefrierschränken. Darum veranstaltet der Verein heute Mittwoch von 10 bis 12 Uhr einen Rampenverkauf beim Münsterplatz. Was nicht verkauft wird, will das Theater anschliessend spenden – trotz finanzieller Einbussen.

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