Basler Medien
Roland Vögtlis Erbschaft: Seine «Kleinbasler Zeitung» steht vor einer ungewissen Zukunft

Die Christoph-Merian-Stiftung spricht für die «Kleinbasler Zeitung» eine Überbrückungsfinanzierung von 50'000 Franken.

Christian Mensch
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Roland Vögtli, Modehändler und Kleinbasler Zeitungsverleger.

Roland Vögtli, Modehändler und Kleinbasler Zeitungsverleger.

Archivbild: Kenneth Nars

Roland Vögtli war nicht nur Modehändler, FDP-Politiker und Stadtoriginal, er war auch Verleger – und in dieser Funktion Sponsor seiner eigenen Publikation, der monatlich erscheinenden Gratispostille «Kleinbasler Zeitung». Vögtli gründete sie 2017, nachdem er zuvor unsanft beim «Vogel Gryff», der traditionsreicheren der Kleinbasler Publikationen, aus den Gremien verstossen worden war.

Im vergangenen Jahr hauchte der «Vogel Gryff» sein Leben aus, im Dezember verstarb Vögtli an einer Corona-Erkrankung. Für die «Kleinbasler Zeitung» sollte dies keine Änderung bringen, da Vögtli seinem Team stets versicherte, die Finanzierung werde gesichert sein. Doch dem ist nicht so.

Eine Hinterlassenschaft mit «rechtlichen Unzulänglichkeiten»

Zwar habe Vögtli der Zeitung eine Hinterlassenschaft gemacht, wie es sein Wille gewesen sei, sagt Armin Faes, der Sprecher der Redaktion. Doch leider gebe es dabei «rechtliche Unzulänglichkeiten». Die Zeitung geht leer aus – vorbei der Traum des erbfinanzierten Lokaljournalismus.

Der Schock war ein doppelter. Denn Vögtli hat zwar stets die Löcher bei der «Kleinbasler Zeitung» gestopft, allerdings in Form von Darlehen, wie es heisst. Bei einer Rückforderung wären alle aufgelaufenen Verluste fällig geworden. Nun scheint mit seinen Töchtern eine Einigung gefunden. Die Rückzahlung des aufgelaufenen Darlehens ist vom Tisch und die ersten drei Ausgaben des Jahres waren noch finanziert. Mehr aber auch nicht.

Im Editorial der letzten Ausgabe legt Faes offen, dass die Zeitung am Abgrund hangle. Zumindest für das laufende Jahr. Denn ab 2023 – so die etwas seltsam anmutende Ankündigung – stehe ein Verlag bereit, der die «Kleinbasler Zeitung» übernehmen und «mit der bestehenden Redaktionsmannschaft» weiterführen werde. Bis dann brauche die Zeitung jedoch Geld, da eine «schwarze Null kaum realisierbar» sei.

Die CMS praktiziert Medienförderung

Im Gespräch sagt Faes, es brauche 110'000 Franken, was bedeutet, dass jede Ausgabe ein Loch von etwa 15'000 Franken reisst. Die ersten Monate sind jedoch bereits gesichert. Die Christoph-Merian-Stiftung hat über die bei ihr angesiedelten Kantonalbanken-Stiftung 50'000 Franken gesprochen, wie Kommunikationsleiterin Elisabeth Pestalozzi bestätigt.

Die Anfrage hatte ein gutes Timing. Schliesslich sucht die CMS seit einiger Zeit nach Möglichkeiten, in welcher Form sie sich in der lokalen Medienförderung einbringen kann. Die Begründung, die sie nun für die Vergabe gefunden hat, lautet: Die «Kleinbasler Zeitung» leiste «mit bescheidenen finanziellen Mitteln einen wesentlichen Beitrag zur Information und zur Identifikation der Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrem Stadtteil». Vögtli hätte die Würdigung seines Erbes zu schätzen gewusst.