Naturschützer
Wiesel und Co. – Sie müssten die Lieblinge der Bauern sein

Naturschützer bauten in Maisprach Unterschlüpfe für Wiesel. Für Tier und Mensch sind sie ein Segen, nur haben es noch nicht alle gemerkt.

Andreas Hirsbrunner
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Das Bild zeigt ein Hermelin im Sommerkleid.

Das Bild zeigt ein Hermelin im Sommerkleid.

Susanne Heusser

Es war ein besonderer Naturschutzeinsatz, den ein Dutzend Personen am Samstag hoch über Maisprach leistete: Die eine Hälfte sägte und schnipselte alte, hochstämmige Kirschbäume unter Anleitung zweier Profis wieder in Form, die andere Hälfte baute mit dem abgeschnittenen Astmaterial zwei Wieselburgen.

Auch hier leitete eine Fachperson, oder besser gesagt DIE Schweizer Fachperson, an: Zoologin Cristina Boschi, Geschäftsführerin der Stiftung WIN Wieselnetz. Dass sie, die landesweit schon um die 100 Wieselburgen gebaut hat, etwas vom Metier versteht, zeigte sich schon daran, dass die teils sehr erfahrenen Naturschützer ihre Ratschläge ohne Diskussionen umsetzten.

Übrigens

Auch Hermeline zu sehen zu bekommen, ist ein Glücksfall. Jetzt aber ist dafür die günstigste Zeit, weil sie ihr weisses Winterkleid tragen.

Hermelin und vor allem Mauswiesel werden selten

Doch zuerst führte Boschi in einem theoretischen Teil ins Reich der Wiesel ein. Wobei Wiesel der Oberbegriff für zwei Raubtiere aus der Familie der Marderartigen ist. Denn man unterscheidet zwischen dem grösseren, aber immer noch relativ kleinen Hermelin und seinem winzigen Bruder, der schon fast wie eine gestreckte Maus daherkommt, dem Mauswiesel.

Der Kleinere stellt dafür die Fachwelt vor grössere Fragen: Sie rätselt über die effektive Bedrohungslage des ohnehin schon als gefährdet geltenden Mauswiesels, weil es praktisch von der Bildfläche verschwunden ist. Aber auch die Beobachtungen des Hermelins seien zurückgegangen, sagt Boschi. Und sie fügt an: «Im Jura sieht es noch etwas besser aus als im Mittelland.» Bestandeszahlen gibt es keine. Das hängt damit zusammen, dass eine Erhebung zu aufwendig wäre. Dazu Boschi: «Die einzige aussagekräftige Methode wären Haarfallen, bei denen man die gewonnenen Haare genetisch analysiert. Aber das ist viel zu teuer, das zahlt niemand.»

Zudem würden die Resultate durch die kurze Lebenserwartung von Hermelin und Mauswiesel von nur ein bis drei Jahren relativiert. Man behilft sich deshalb mit sogenannten Spurentunnels, um zumindest einen Bestandestrend auszumachen. Diese beinhalten in der Mitte ein Tintenkissen und vorne und hinten speziell imprägnierte Papiere. Geht ein Hermelin oder ein Mauswiesel in so einen Tunnel – sie ähneln einem Mäusegang und riechen auch entsprechend – hinterlassen sie Tintenspuren auf dem Papier.
Solche Spurentunnels stellten «Wieselnetz» und der Verein Erlebnisraum Tafeljura auch im Rahmen ihres gemeinsamen Wieselförderprojekts in einem Perimeter von Buus über Anwil bis Häfelfingen auf. Das Resultat: Im 2018 konnten in vier, im 2019 in fünf von 20 Spurentunnels Hermeline nachgewiesen werden.

Wiesel leben im Kulturland und sind dort, obwohl wieselflink, eine einfache Beute von Greifvögeln, Füchsen und Co., wenn sie nicht in regelmässigen Abständen Verstecke zur Verfügung haben. Solche sind Ast- und Steinhaufen, Hecken, Trockenmauern, Buntbrachen oder Säume. Die Krönung sind aber spezielle Wieselburgen aus Ästen oder Steinen, in denen Hermelin und Mauswiesel auch ihre Jungen aufziehen können. Womit wir wieder beim Wieselburgen-Bau in Maisprach sind.

Sie kümmerten sich schon fast rührend um Wiesel

Zuerst lockerten die Helfer den Boden, dann bauten sie aus dicken Ästen blockhausartig die Aufzuchtkammer und legten Holzschnitzel und Laub hinein. Dabei kam es fast schon zu rührenden Szenen: Der Präsident des örtlichen Naturschutzvereins hatte ein Blech zurechtgeschnitten, um es als wasserdichtes Dach über das Holz zu legen. Und der Landbesitzer kümmerte sich um die optimale Lage, damit ja kein Tropfen Wasser in die Kammer gelangt. Boschi redete von einer Luxusvariante, riet aber ansonsten von unnatürlichen Materialien ab, da die Tiere diese schlechter akzeptierten. Nach einer Stunde war das ein Meter hohe und im Durchmesser etwa drei Meter grosse Ast-Bauwerk fertig.

Das grosse Problem war nicht, das Geld für das Wieselförderprojekt zu bekommen, sondern die Bauern dafür zu gewinnen.

(Quelle: Jessica Baumgartner, Verein Erlebnisraum Tafeljura)

Ein Hermelin frisst täglich zwei Wühlmäuse und ist von daher ein enger Verbündeter der Bauern. Trotzdem sagt Jessica Baumgartner, Geschäftsführerin des Vereins Erlebnisraum Tafeljura, der den Natureinsatz organisierte: «Das grosse Problem war nicht, die 100'000 Franken für das fünfjährige Wieselförderprojekt zusammen zu bringen, sondern Bauern zu gewinnen, die ihr Land für die nötigen Strukturen zur Verfügung stellen.»