Zunzgen
Wenn das Gnu am Büchel grast

Der Wurlitzer Plausch in Zunzgen bietet einen stimmungsvollen Fasnachtsauftakt.

Thomas Immoos (Text und Fotos)
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Einen liebevollen Seitenhieb auf die Nachbargemeinde Sissach können sich die Kaffi-Chrüter nicht verkneifen.

Einen liebevollen Seitenhieb auf die Nachbargemeinde Sissach können sich die Kaffi-Chrüter nicht verkneifen.

Thomas Immoos

Proppenvoll war die Mehrzweckhalle in Zunzgen. Es scheint, dass man die Fasnacht kaum erwarten konnte. Und das Publikum wurde nicht enttäuscht. Die Darbietungen folgten Schlag auf Schlag. Das Thema «Usem Näihchäschtli blauderet» bildete den roten Faden, den die Schauspielerin Barbara Frey als Moderatorin (und Schneiderin) immer wieder aufnahm.

In ihrem Atelier «Zum Roten Faden» nimmt sie letzte Korrekturen an den Kostümen vor, zieht die Kostüme in Form. Zur Melodie des Baselbieter Lieds schildert sie singend die Folgen der Trockenheit im vergangenen Sommer: «Das Ländli isch verdorret – wo alles blüie sott», sieht aber auch Chancen für Safari-Tours durch die Region: «Dört obe weide Zebras, dört unte wachse Kaktee» – und «am Büchel grast dr Gnu», womit der lokale Bezug auch hergestellt ist.

Selbst die Kleinsten machen mit

Die Pfeifer und Trommler der Wurlitzer Clique begeistern mit fulminanten Darbietungen. So erklatscht sich das Publikum einige zusätzliche Stücke. Um den Nachwuchs braucht man sich in Zunzgen keine Sorgen zu machen: Die kleinsten Musikantinnen und Musikanten setzen sich ebenso engagiert wie gekonnt in Szene.

Es fehlen auch die Schnitzelbänggler nicht. Aufmerksam haben D Motte das lokale Geschehen beobachtet. So werde überall Strom gespart, man mache Licht mit Kerzen, in den Zimmern sei es dunkel. Die Folge: «Im Summer hei sie denn die gröschte Geburteraate.» Und sie führen eine Neuerung ein: eine bauchredende Schnitzelbängglerin.

Zweifel, ob sie nächstes Jahr noch auftreten dürfen, überkommt die Schnitzelbänggler Kaffi-Chrüter, die aus vier Männern bestehen: Wegen der Frauenquote fürchten sie ein Auftrittsverbot. Die vielfältigen Aktivitäten der Nachbargemeinde verbinden sie mit dem obligaten Seitenhieb auf Sissach. Dank des Hauchs von Hollywood, der dank Fernsehauftritten durch die Metropole ziehe, könnten zahlungskräftige Zuzüger angelockt werden: «A place to be – so chönnti sich das Kunschtidach doch no lohne», vermuten diese Bänggler.

Von überbetreuten Kindern

Man sorgt sich auch um überbetreute Kinder. Die Pfeifer Piccolo bilden einen Kreis um ein Kind auf einem Thron und umkreisen diesen pfeifend. Auf dem Rücken tragen die Pfeifer Schilder: «Wart Schätzeli», «Wo ane gosch?» oder «I hol di am Vieri». Besonders eindrücklich ist die Hommage an den Berner Troubadour Mani Matter. Piccolo pfeift einige seiner bekanntesten Songs, während sich diverse Figuren an den Bühnenrand setzen. Beim «Zündhölzli» ist es ein Feuerwehrmann in voller Ausrüstung.

Der Wurlitzer Plausch war ein vollauf gelungener Fasnachtsauftakt. Die Akteure waren mit so viel Engagement dabei, dass sogar das Trommelfell eines Tambours kaputtging. Das Publikum belohnte die Auftritte mit kräftigem Applaus, und wo es dazu aufgefordert wurde, klatschte es bei den Darbietungen auch im Takt mit.

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