Regierungsratswahlen
Warum haben Sie bei der SVP so leichtes Spiel, Monica Gschwind?

Monica Gschwind ist die vierte bürgerliche Regierungsratskandidatin. Im Interview erklärt die FDP-Frau, warum sie den SVP-Kurs mitträgt und welche Direktion sie am liebsten übernehmen würde.

Leif Simonsen
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Monica Gschwind, am Donnerstag bei der FDP-Versammlung in Pratteln, bei der ungefährdeten Nominierung zur Regierungskandidatin.

Monica Gschwind, am Donnerstag bei der FDP-Versammlung in Pratteln, bei der ungefährdeten Nominierung zur Regierungskandidatin.

Martin Töngi

Die Hölsteiner FDPlerin Monica Gschwind geht als vierte bürgerliche Regierungskandidatin ins Rennen. Zwar steht der Parteitag der Baselbieter CVP noch aus. Von den Christdemokraten ist allerdings kein Widerstand gegen Gschwind zu erwarten. Dies, nachdem sie am Donnerstag selbst am SVP-Parteitag ohne Nebengeräusche nominiert worden ist – der Partei, die gemäss Wähleranteil Anspruch auf den vierten bürgerlichen Sitz neben den bisherigen Thomas Weber (SVP), Sabine Pegoraro (FDP) und Anton Lauber (CVP) hätte.

Frau Gschwind, hätten Sie damit gerechnet, dass Sie als Freisinnige bei der SVP ein leichtes Spiel haben?

Monica Gschwind: Ich war auf alles gefasst, insbesondere auf kritische Fragen zu meiner politischen Haltung. Insofern war ich überrascht, wie gross die Unterstützung bei der SVP war.

Die SVPler haben ja nicht gerade die Katze im Sack gekauft. Sie haben nochmals ihre ablehnende Haltung gegen die Fusion zum Ausdruck gebracht, was bei der SVP-Basis sehr gut angekommen ist. Haben Sie ansonsten auch Berührungspunkte mit den Rechtsbürgerlichen?

Ich sehe mich selber irgendwo in der FDP-Mitte, vielleicht auch eher leicht rechts. Ich bin ein sehr liberal denkender Mensch, für mich sind schlanke staatliche Strukturen und die Eigenverantwortung der Bürger wichtig. Ansonsten gibt es auch viele Schnittstellen mit der Baselbieter SVP – etwa bei der Einbürgerungspolitik. Als unlängst im Landrat darüber abgestimmt wurde, ob Sozialhilfebezüger eingebürgert werden dürfen, trug ich den Kurs der SVP mit.

Die Schweizer SVP gibt in letzter Zeit zu reden, unter anderem mit ihrer Asylpolitik und der Initiative, die das Völkerrecht aushebeln soll.

Ich unterscheide zwischen der Baselbieter Kantonalpartei und der Schweizer SVP. Mit der Schweizer SVP bin ich nicht immer auf der gleichen Wellenlänge – den Kurs, den der Baselbieter SVP-Präsident Oskar Kämpfer fährt, kann ich jedoch oft unterstützen.

Sie werden Wählerstimmen von SVP-Stammwählern, aber auch von CVPlern brauchen. Keine andere Regierungskandidatin engagiert sich aber derart stark im Kampf gegen die Fusion wie Sie. Könnte Ihnen das nicht entscheidende Stimmen kosten?

Obwohl die CVP ein paar prominente Fusionsbefürworter hat, gibt es auch bei den Christdemokraten Kritiker. Was meine künftigen Auftritte etwa an der Podiumsdiskussion in Hölstein angeht: Diese wurden schon lange aufgegleist, bevor ich zur Regierungskandidatin gekürt wurde. Ich sehe nun nicht, warum ich einen Rückzieher machen sollte. Schliesslich ist meine Haltung zur Fusion schon seit zwei Jahren bekannt. Ich habe bisher, ganz abgesehen davon, noch kein überzeugendes Argument für die Fusion gehört.

Die Bürgerlichen sind überzeugt, dass sie bei den Regierungswahlen im Februar einen vierten Sitz holen können. Wer muss um den Sitz zittern? Die Grünen oder die SP?

Zu diesem Thema will ich mich nicht äussern. Wichtig ist einzig, dass die bürgerliche Dominanz wieder hergestellt wird.

Ihre Kandidatur könnte aber auch die bisherige FDPlerin, Sabine Pegoraro, gefährden.

Es war von Anfang an klar, dass ich als vierte Kandidatin antreten werde und nicht, um die Bisherigen zu konkurrenzieren. Ich habe aber keinen Einfluss darauf, welche Namen die Wähler tatsächlich auf den Wahlzettel schreiben.

Welche Direktion würde Sie reizen?

Ich sehe mich als Generalistin und könnte mich daher für alle Dossiers begeistern. Ich möchte aber auch betonen, dass es in meinen Augen wichtig ist, dass die Bildungsdirektion in die bürgerliche Hand übergeht. Die war jetzt lange genug eine SP-Domäne. Und wie man unschwer feststellen kann, liegt vieles im Argen – es wird, so hat man den Eindruck, zwischen den Lehrern, der Bildungsdirektion und der Bildungskommission nur gestritten. Es sind keine Änderungen in Sicht. Ein Richtungswechsel ist unbedingt notwendig. Ja, auch die Bildungsdirektion würde mich reizen.