Vor dem Start zur Kunstmesse
Die Art Basel als Weckruf für die Post-Corona-Ära

Vor dem Start der Kunstmesse sind Anspannung und Vorfreude in Basel gross: Die Art ist 2021 ist ein wichtiger Testlauf für international ausstrahlende Grossanlässe am Rheinknie. In Gastronomie und Hotellerie herrscht Optimismus: Einige Hotels sind gar ausverkauft.

Julian Förnbacher
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Die Art 2021 wird kleiner als die Kunstmessen vor Corona. Dennoch werden wieder internationale Kunst-Touristen nach Basel strömen.

Die Art 2021 wird kleiner als die Kunstmessen vor Corona. Dennoch werden wieder internationale Kunst-Touristen nach Basel strömen.

Roland Schmid (13. Juni 2017)

Beinahe hätte es ein unschönes Déjà-vu gegeben. Wie im Vorjahr musste die weltweit wichtigste Messe für zeitgenössische Kunst vom Juni in den Herbst verschoben werden. Anders als im Krisenjahr 2020 kann die Art aber dieses Jahr zum Ausweichdatum stattfinden. Vom kommenden Montag, 20. September, wenn erste Einladungsveranstaltungen über die Bühne gehen, bis zum 26. September strömen wieder zehntausende Kunstfans aus dem In- und Ausland in die Messehallen – und in die ganze Stadt.

Nur 12'000 statt 16'000 Besucher zugelassen

Rund 100'000 Besucher und 40'000 Logiernächte brachte die Art in den vergangenen Jahren, wie Christoph Bosshardt, Marketing-Chef von Basel Tourismus bestätigt: «Für die Stadt ist der Event sowohl wirtschaftlich als auch vom Image her enorm wichtig. Die ganze Welt schaut während der Art auf Basel.» Auch wenn die Art dieses Jahr coronabedingt etwas kleiner und europäischer als sonst daherkomme, sei ihre Wichtigkeit enorm:

«Auch wenn wir nicht an die Zahlen der Vorjahre herankommen, ist die Art ein Zeichen dafür, dass wieder Events stattfinden können, dass man wieder nach Basel reisen kann»,

sagt Basel-Tourismus-Mann Bosshardt.

Insbesondere für die Hotellerie, die rund ein Drittel ihrer Übernachtungen durch Messen und Kongresse verbucht, ist dies essenziell. Nutzniesser eines solchen Grossevents finden sich weit über die Hotellerie hinaus: Von Geschäften über Taxiunternehmen bis hin zur Gastronomie und selbstredend in der lokalen Kunstszene profitiert man vom Besucheransturm. Dieser dürfte 2021 geringer ausfallen, obwohl die Art mit stolzen 272 Galeristen – darunter Namen wie Gagosian, Hauser & Wirth, Pace und Zwirner – aufwartet.

So will man am Besucherwochenende nur 12'000 statt wie bisher 16'000 Personen einlassen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Zudem gilt auf dem gesamten Gelände Maskenpflicht. Eines der Tickets, die es für 65 Franken zu kaufen gibt, erhält zudem nur, wer die 3-G-Regel erfüllen kann. Wer mit einem zugelassenen Stoff geimpft ist, kann im Voraus ein Zertifikat beim Gesundheitsdepartement (GD) beantragen, was bereits über 1900 Personen taten, wie das GD bestätigt.

Boutique-Hotel Volkshaus ist ausverkauft

Haben die Gäste dieses Prozedere einmal hinter sich, steht die Frage der Übernachtung und der Verpflegung an. Eine beliebte Adresse ist das nahe am Art-Epizentrum gelegene Volkshaus, das im Frühjahr ein eigenes Boutique-Hotel eröffnet hat. Dieses ist ausgebucht, wie man auf Anfrage schreibt: «Wir spüren sogar eine höhere Nachfrage als in den Vorjahren, verzichten aber bewusst auf eine Max-it-Out Strategie. Wir möchten unseren Gästen genügend Raum und Aufmerksamkeit schenken, die sie nach dieser schwierigen Zeit verdienen, was sich sowohl in den Platzverhältnissen als auch in der Anzahl angenommener Reservationen äussert.»

Auch in der Gastro-Abteilung sei man gut ausgelastet. Wichtig sei jedoch, so das Volkshaus stellvertretend für die ganze Branche, dass man die Art als Weckruf für die Post-Covid-Ära verstehe: «Als einen, der nicht nur Gäste und Veranstalter, sondern auch Mitarbeitende, Aushilfen und Lieferanten wachrütteln muss. Die Art ist ein erster, wichtiger Schritt in Richtung Normalität – und die Gastronomen dieser Stadt haben es in der Hand, das notwendige Vertrauen für wiederkehrende Besuche zu schaffen.» Christoph Bosshardt stösst ins selbe Horn. Zwar lägen ihm noch keine stadtweiten Auslastungszahlen vor, gleichwohl spüre er in der Branche grosse Vorfreude.

«Basel ohne Kunstmesse ist unvorstellbar»

Ein anderer grosser Nutzniesser der Art ist seit jeher die Basler Kunstszene: Weit über den Messeplatz hinaus strömen Interessenten in die Galerien und sorgen für wichtigen Umsatz. So auch an der Elisabethenstrasse bei Gisèle Linder. Die Galeristin wird selbst an der Art ausstellen und sagt: «Basel ohne die Kunstmesse ist unvorstellbar, das ist wie ein Hund mit drei Beinen!» Auch sie hat die Laufkundschaft der Art vermisst – war jedoch positiv überrascht, wie viele Kunden sich gleichwohl bei ihr gemeldet hätten.

An der Art hofft Linder nun auf viele spannende Begegnungen und Normalität. Sie weiss aber, dass für die Kunstmessen auch abseits von Corona ein Wandel bevorsteht. Immer mehr Online-Formate zieren das Programm der Art Basel, der Trend wird weiter in diese Richtung gehen. Basel-Tourismus-Mann Bosshardt rechnet zwar nicht mit einem Aussterben der Messen, «wir erwarten jedoch in den nächsten vier bis fünf Jahren einen Rückgang um rund 20 Prozent.» Auch Linder weiss, dass dieser Wandel kommen wird: «Für eine Galerie wie meine, die es schon seit fast 40 Jahren gibt, ist es eine grosse Herausforderung. Ich muss die Werke sehen und spüren können.»

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