Unwetter
Trotz Jahrzehnte-Hagel: Baselbieter Kirschenernte bleibt intakt

So stark wie in der Nacht auf Montag hagelt es in der Region nur alle zehn Jahre. Aber Netze schützen die Obstplantagen. Deshalb waren die Schäden relativ gering.

Michel Ecklin
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Davon blieben die Baselbieter Bauern verschont: Hagelschäden an Kirschen.

Davon blieben die Baselbieter Bauern verschont: Hagelschäden an Kirschen.

Symbolbild: Nana do Carmo

Vor allem im Laufental und im Schwarzbubenland holten sie in der Nacht auf Montag manche aus dem Bett: die Hagelkörner, die vom Himmel niederprasselten. Laut Meteo Schweiz waren die Körner im Gebiet Kleinlützel sowie Blauen, Metzerlen und Dittingen zwischen 4,5 und 5 Zentimeter gross. Der Wetterdienst des Bundes schreibt:

«In diesen Regionen sind die gefallenen Hagelkorngrössen etwa alle zehn Jahre zu erwarten, lokal auch häufiger.»

Über dem Baselbiet wurden über 1000 Blitze verzeichnet. Bei der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung (BLGV) gingen bis gestern Nachmittag 220 Schadensmeldungen ein, insbesondere aus Laufen, Brislach, Röschenz und Zwingen, mit einer geschätzten Schadenssumme von rund einer Million Franken. Die BLGV rechnet mit weiteren Schadensmeldungen.

Glimpflich davongekommen sind dagegen die Landwirte. Zwar sind die Kirschen reif, auch anderes Obst wächst heran. Doch Ernst Lüthi, Präsident des Baselbieter Obstverbands, weiss kaum von Schäden. Er weiss nur von einem Obstproduzenten in Oberwil, dessen Plantagen in Mitleidenschaft gezogen worden sind. «Das Laufental ist hauptsächlich Ackerbaugebiet», ruft er in Erinnerung. Von Schäden im Oberbaselbiet hat er gar nichts gehört.

Niedrige Plantagen sind geschützt

Allerdings war der Hagel sehr lokal. Der in Büren beheimatete Landwirt Andreas Vögtli, Präsident des Solothurner Bauernverbands, hat in seiner Gemeinde nicht mal das üblicherweise von Hagel verursachte Laub auf dem Boden festgestellt. Auch aus dem übrigen Schwarzbubenland weiss er nichts von Landwirten, die Schäden erleiden mussten.

Ein einziges Hagelereignis kann eine ganze Obsternte von wertvollem Tafelobst in Brenn- oder Dörrobst verwandeln. Die niedrigen Kirschplantagen in der Region sind aber gut gegen Hagel geschützt. Sie werden generell mit Hagelnetzen bedeckt. Anders sieht es mit den Hochstamm-Kirschbäumen aus, die allerdings selten industriell betrieben werden. Die hohen Bäume kann man kaum abdecken. «Sie wird es wohl wieder stärker betroffen haben», sagt Ernst Lüthi.

Frühlingszwiebeln ebenfalls geschädigt

Erwischt haben dürfte es in der Nacht auf Montag einige Zwetschgenplantagen, bei denen sich ein Schutz mit Planen wirtschaftlich nicht lohnt. Mühe haben die Landwirte nicht nur wegen des Hagels. In den vergangenen Tagen regnete und windete es viel. Das bereitet Urs Wüthrich Sorgen, der in Thürnen Frühlingszwiebeln anbaut. Er sagt:

«Der Wind machte die Regentropfen regelrecht zu Geschossen.»

Das schaffe kleine Verletzungen an den Stielen, was der Konsument nicht schätze. Wie gross der Schaden ist, werde sich in einigen Tagen zeigen.

Ein eher unterdurchschnittlicher Kirschen-Jahrgang

Im Baselbiet und Schwarzbubenland hat bei den Kirschen gerade die Haupternte begonnen. Erwartet wird eine leicht unterdurchschnittliche bis mittlere Ernte, sagt Ernst Lüthi, Präsident des Baselbieter Obstverbands. Schweizweit sieht es etwas besser aus. Das Baselbiet sei in der Kältewelle Anfang April stärker tangiert gewesen als andere Regionen, erklärt Lüthi. Schon damals rechneten die Obstbauern mit Ausfällen. Lokal führte im Mai und nun auch in der Nacht auf Montag Hagel zu Schäden. Ob die Prognose tatsächlich stimmt, zeigt sich in rund drei Wochen; dann werden die Erntezahlen veröffentlicht. Die Qualität des Kirschenjahrgangs 2022 sei im geschützten Bereich gut, betont Lüthi. Im Streuobstanbau macht hingegen die Kirschessigfliege den Bauern das Leben schwer. (haj)