Südpazifik als zweite Heimat
Ein Sissacher soll die Yap-Inseln in Europa bekanntmachen

Der 69-jährige Hanspeter Gsell ist als erster Schweizer in eine Behörde Mikronesiens gewählt worden – ins siebenköpfige Direktorium der staatlichen Tourismusbehörde von Yap. Wie ist das möglich?

Simon Tschopp
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Hanspeter Gsell (Mitte) mit dem Gouverneur von Yap, Sir Henry Falan (rechts), und Bill Acker, The Manta Man.
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Einheimische während eines Tanzes.
Ein Männerhaus in Yap.
Hanspeter Gsell und seine Frau Monika.
Colonia, die Hauptstadt von Yap.
Die grosse Attraktion: Mantaroche.

Hanspeter Gsell (Mitte) mit dem Gouverneur von Yap, Sir Henry Falan (rechts), und Bill Acker, The Manta Man.

Bilder: zvg

Hanspeter Gsell hat etwas geschafft, was vor ihm kein Schweizer erreicht hat: die Wahl in eine Behörde Mikronesiens. Die Legislative der Yap-Inseln wählte den Sissacher ins Direktorium der staatlichen Tourismusbehörde von Yap. Dieser Archipel liegt im Pazifik – 1300 Kilometer nördlich von Neuguinea –, hat eine Fläche von 100 Quadratkilometern und zählt etwa 12'000 Einwohner. Die Inseln gehören zu den Föderierten Staaten von Mikronesien.

Freundschaften aufgebaut und geknüpft

Gsell und seine Frau sind in dieser Gegend keine Neulinge. Seit 1998 weilen sie regelmässig auf Yap und Chuuk, ein- bis zweimal jährlich.

«Zusammengezählt gibt das schon ein bisschen Lebenszeit, die wir dort verbracht haben»

meint der 69-Jährige. Vor allem dessen Frau hat Freundschaften zu Landsleuten aufgebaut und geknüpft, was unabdingbar ist, um von Einheimischen akzeptiert zu werden. Das Paar pflegt immer noch enge Kontakte zu den Personen, obwohl diese heute auf der ganzen Welt verteilt sind. Auch Mikronesier sind ausgewandert.

Die Gsells kennen den Gouverneur von Yap, Sir Henry Falan, ebenfalls schon seit längerer Zeit gut. Er hat ein Vorschlagsrecht für die Wahlen in die staatliche Tourismusbehörde. Die gesetzgebende Versammlung hat Hanspeter Gsell für ideal befunden und ihn in dieses Amt gewählt. Er ist der einzige Europäer in dem siebenköpfigen Gremium.

Keine 08/15-Feriendestination

Der Baselbieter hat nun die Aufgabe, die Yap-Inseln auf unserem Kontinent bekanntzumachen. Wie er das anpacken will, weiss er noch nicht so genau. Gsell wird jedoch Reiseanbieter und Behörden anschreiben. Die Inseln seien kein 08/15-Ferienziel; es sei ziemlich mühsam, dorthin zu gelangen. Auch alles andere als einfach wird sein Engagement.

«In Mikronesien sind sie noch nicht so digital unterwegs wie wir, dafür coronafrei», erklärt Hanspeter Gsell, der aber immerhin schon 20 Jahre im weitesten Sinn im Tourismus tätig gewesen ist.

Der Sissacher hat bisher sechs Bücher verfasst, davon drei über seine Erlebnisse im Pazifik. «Immer wieder Südsee» heisst sein neustes Werk. Wenn Gsell über Yap erzählt, kommt er ins Schwärmen. Es seien keine typischen Südseeinseln bloss mit Sandstränden, berichtet er. Tauchen und Kultur zögen Touristen an.

«Dort ist der weltweit beste Platz, um Mantarochen zu sehen. Und die wunderbare Farbenpracht von Leuten und Inseln, einfach unbeschreiblich.»

Das Tauchen und ein kleines, unscheinbares Inserat in einem Heft waren vor 23 Jahren der Auslöser, dass Mikronesien, Polynesien und Melanesien zur zweiten Heimat der Gsells wurden. Der 69-jährige Oberbaselbieter, der früher mit einem Kollegen zusammen eine Weinhandlung in Basel betrieben hatte, verschrieb sich dem Wracktauchen. «In diesen Meeren liegen Millionen Tonnen von altem Kriegsmaterial – perfekt für Taucher.»

«Stolz, offen und gastfreundlich»

Die vorwiegend von Urvölkern stammenden Einheimischen präsentieren eine gemischt-pazifische, eigenständige Gesellschaft mit diversen Einflüssen aus anderen Ländern. Hanspeter Gsell charakterisiert sie als «stolz, offen und gastfreundlich». Die Leute seien «liebevoll und sanft, allerdings mit kämpferischer Seele». Aber alles gehe «sehr langsam» vor sich, keine Spur von Hektik. Landessprache ist Englisch. Es gibt zudem Sprachen wie Yapesisch und zig Dialekte, welche nicht einmal die Eingeborenen untereinander verstehen.