Streit um Chemiemüll-Deponien
Allschwil übt harsche Kritik: Treffen mit Chemiefirmen «eine einzige Enttäuschung»

Die Gemeinde Allschwil hat im Sommer in einem Bach bei Neuwiller (F) giftige Soffe gefunden. Dies hat die Diskussion um die 2012 sanierte Chemiemülldeponie Roemisloch neu entfacht. Die Gemeinde fordert neue Massnahmen, die beteiligten Chemiefirmen lehnen dies ab. Die Nerven liegen blank.

Hans-Martin Jermann
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Bei den Messungen der Gemeinde Allschwil im Roemislochbach wurden Eisen- und Mangan-Ausfällungen gut sichtbar.

Bei den Messungen der Gemeinde Allschwil im Roemislochbach wurden Eisen- und Mangan-Ausfällungen gut sichtbar.

Gemeinde Allschwil (12. Juni 2021)

Die Gemeinde Allschwil sowie Vertreter der Firmen BASF, Novartis und Syngenta reden über die ehemalige Deponie Roemisloch in Neuwiller (F). Doch offensichtlich reden sie völlig aneinander vorbei. Ein Gespräch zwischen beiden Parteien am 29. Oktober darüber, in welchem Zustand sich die ehemalige Chemiemülldeponie befindet und ob allenfalls neue Massnahmen nötig sind, war aus Sicht der Gemeinde «eine einzige Enttäuschung». Anstelle der erwarteten Lösungsvorschläge, insbesondere zu den über den Grenzwerten liegenden Messungen des krebserregenden Benzidins, habe die IG der drei Chemiefirmen die üblichen Ausflüchte präsentiert, kritisiert die Gemeinde in ihrer Mitteilung vom Mittwoch.

Gemeinde, Kanton und IG mit eigenen Messresultaten

Neu entfacht wurde die Debatte um allfällige Lecks in der Deponie und giftige Stoffe im Roemislochbach im vergangenen Juli durch eigene Messungen der Gemeinde Allschwil. Der Roemislochbach fliesst in Neuwiller in den Mülibach, der in Allschwil auch Dorfbach genannt wird. Als Konsequenz der Messungen forderte die Gemeinde, dass die Schadstoffe sicher entfernt werden, wie dies im Rahmen der 2012 abgeschlossenen Sanierung versprochen worden sei. Als Reaktion stellte die IG der drei Firmen, deren Vorgängerunternehmen die Deponie vor Jahrzehnten gefüllt hatten, eine eigene, von ihr in Auftrag gegebene Analyse in Aussicht. Die IG nennt sich offiziell Groupement d’intérêts pour la sécurité des décharges de la Région bâloise (GI DRB).

Bei der IG kommentiert man das Vorgefallene ganz anders: «Wir sind erstaunt über das Vorpreschen der Gemeinde», sagt IG-Sprecher Ivan Jäggi auf Anfrage. Schliesslich seien weitere Gespräche angesetzt. Man habe der Gemeinde versichert, dass man mit ihr noch dieses Jahr den eigenen Expertenbericht besprechen werde. Dies werde man einhalten. Laut Jäggi soll der Bericht Ende November vorliegen. Dass man bei der Gemeinde von «Ausflüchten» der IG spricht, kommt gleichwohl nicht von ungefähr: Noch im Sommer hiess es seitens der IG, der eigene Bericht werde Mitte September vorliegen.

Auf den Warnruf aus Allschwil hat schliesslich auch das kantonale Amt für Umweltschutz und Energie (AUE), das dort regelmässig Wasserproben nimmt, neue Messungen veranlasst. Doch auch diese Resultate liegen noch nicht vor. Der Kanton will sich denn auch vorerst nicht in den Streit zwischen der Gemeinde Allschwil und der IG der Chemiefirmen einmischen: «Solange das AUE keine bedenklichen Konzentrationen von Stoffen feststellt, wird der Kanton nichts weiter unternehmen», sagt Catia Allemann, Sprecherin der Bau- und Umweltschutzdirektion. Die bisherigen Messresultate seien unbedenklich gewesen, fügt Allemann an.

Firmen: Für neue Sanierungs-Forderungen fehle die rechtliche Grundlage

Die Parteien scheinen mit völlig unterschiedlichen Vorstellungen in die Gespräche gegangen zu sein. So hält die Gemeinde aufgrund der eigenen Benzidin-Messungen im Bach den Handlungsbedarf für gegeben und fordert Sofortmassnahmen. «Für uns war klar, dass wir zum aktuellen Zeitpunkt keine Lösung auf den Tisch legen können», sagt IG-Sprecher Ivan Jäggi. Die Forderungen liessen sich weder durch die Messungen der zuständigen Behörden begründen, noch gebe es dazu eine rechtliche Grundlage. Schliesslich sei sowohl die auf freiwilliger Basis erfolgte Sanierung der Deponie als auch die Nachsorge abgeschlossen. Die beteiligten Unternehmen hätten sämtliche Auflagen erfüllt. Die weiteren Schritte will die IG auf Basis der Resultate ihres Analyseberichtes und ihrer Messungen mit der Gemeinde besprechen.

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