Strafgericht
Die Geschichte ging nicht auf: Paar aus Schönenbuch wegen inszenierten Überfalls verurteilt

Im März 2018 ging um halb zwei Uhr nachts ein Notruf bei der Polizei ein. An der damals geschilderten Geschichte hatte die Polizei aber gewisse Zweifel. Jetzt ist es zu einer Verurteilung gekommen.

Patrick Rudin
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Ein Paar aus Schönenbuch hegte einen Plan, der allerdings nicht aufging.

Ein Paar aus Schönenbuch hegte einen Plan, der allerdings nicht aufging.

Nicole Nars-Zimmer

«Ich habe schon viel Seich gemacht, aber das habe ich nicht gemacht», beteuerte der 60-jährige Mann sichtlich genervt. Auch seine Lebenspartnerin betonte, sie sei unschuldig. Die heute 49-jährige Frau wählte im März 2018 um halb zwei Uhr nachts den Polizeinotruf und behauptete, sie sei überfallen worden. Die Polizei hatte an der Geschichte allerdings bald gewisse Zweifel. «Die zwei Polizisten haben uns behandelt wie ein Stück Dreck», klagte die Frau am Freitag im Strafjustizzentrum in Muttenz.

In jener Nacht sei sie in ihrer Wohnung in Schönenbuch überfallen worden, der Räuber habe sie an Händen und Füssen mit Kabelbinder gefesselt. Die Ermittler staunten allerdings, als sich herausstellte, dass auf den Kabelbindern nebst der DNA der Frau auch die DNA ihres Freundes gefunden wurde. «Logisch. Ich wohne dort!», kommentierte der 60-Jährige und schüttelte verärgert den Kopf. Vom Überfall selber will er nichts mitbekommen haben: Er verliess die Wohnung wenige Minuten zuvor, um in seinem Auto Musik zu hören. Der oder die Täter hätten sich im Tresor bedient: Eine Woche nach der Tat meldete der 60-Jährige seiner Versicherung, in jener Nacht sei Bargeld von 4000 Franken sowie mehrere Goldvreneli gestohlen worden. Die Versicherung zahlte schliesslich 6000 Franken aus.

Variantenreiche Erzählungen

Doch die Staatsanwaltschaft ging aufgrund diverser Ungereimtheiten von einem erfundenen Überfall aus. Der 60-Jährige habe seine Freundin gefesselt, um von der Versicherung Geld zu erhalten. Die Erzählungen der 49-Jährigen waren variantenreich: Mal ist sie aus der Badewanne gezogen worden, später sagte sie hingegen, sie sei selber aufgestanden, weil sie Geräusche im Gang gehört habe. Unklar blieb auch, wann und wie sie sich den Bademantel angezogen oder zumindest übergestreift hatte.

Das Institut für Rechtsmedizin kam zum Schluss, dass bei der Frau nebst den Spuren der Kabelbinder keine sonst üblichen Begleitverletzungen festzustellen waren. Auch lag eine Halskette auf dem Boden, die Frau hatte behauptet, diese sei ihr vom Hals gerissen worden. Das IRM wies auch hier darauf hin, dass die Kette zweimal kräftig in exakt dieselbe Richtung gerissen worden sei, und bezeichnete dies als untypisch.

Einbrüche seien in Schönenbuch normal

«Die sagten auch, seine DNA war in meinen Haaren. Aber er hat mich halt umarmt, und ich habe vorher ja nicht mal die Haare gewaschen», meinte die 49-Jährige dazu. Bereits der Polizei war aufgefallen, dass es keinerlei Einbruchsspuren gab, und über den Inhalt des Tresors machten sie und er äusserst unterschiedliche Angaben.

Der 60-Jährige verwies auf die nahe gelegene Grenze, Einbrüche seien in Schönenbuch normal: «So ab September oder Oktober, wenn es dunkel wird, kommen die Roma wieder.» Die 49-Jährige konnte allerdings nicht so recht sagen, ob es nur ein oder doch zwei Täter waren. Fehlende Ermittlungsergebnisse seien die Schuld der Polizei: «Die Untersuchung war dilettantisch. Die haben nicht mal Handschuhe getragen, und die Frau mit dem Fotoapparat kam etwa vier Stunden später», kritisierte der Mann.

«Beachtliche schauspielerische Leistung»

Einzelrichter Beat Schmidli nahm den beiden die Geschichte nicht ab und ging von einem inszenierten Überfall aus. Der Frau bescheinigte er eine «beachtliche schauspielerische Leistung». Wer von den beiden die treibende Kraft war, sei nicht festzustellen. Er verurteilte beide wegen Betruges sowie Irreführung der Rechtspflege zu einer bedingten Freiheitsstrafe von fünf Monaten. Dazu kommen Verfahrenskosten von rund 3000 Franken. Beide sind gesundheitlich angeschlagen, der 60-Jährige lebt von einer IV-Rente. Den Schuldspruch können sie noch weiterziehen.

Den sichergestellten Bademantel erhält die Frau nun immerhin zurück.