Sissach
So streitet man friedlich

Die Sekundarschule Sissach absolviert derzeit das «Chili-Training» des Roten Kreuzes. Das Training soll helfen, dass Konflikte gar nicht erst entstehen.

Otto Graf
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Konflikttraining

Konflikttraining

Auf Initiative des Roten Kreuzes Baselland führen die sechsten Klassen der Sekundarschule Tannenbrunn in Sissach derzeit ein gezieltes Training durch mit dem Ziel, Konflikte möglichst schon gar nicht entstehen zu lassen, oder, falls es doch so weit kommt, auf eine Art und Weise beizulegen, in der beide Seiten ihr Gesicht wahren können. Es gehe darum, hebt der Klassenlehrer Louis Degen hervor, die Kinder zu überzeugen, dass es möglich ist, fair zu streiten und einen Zwist einvernehmlich beizulegen.

Wie das in der Praxis aussieht, führen die Schülerinnen und Schüler in bühnenreifen Rollenspielen gleich selbst vor. «Nichts war eingeübt, alle Dialoge erfolgten frisch von der Leber», staunt auch der Lehrer ob der theatralischen Fähigkeiten seiner Schützlinge. Vorgegeben ist einzig eine stichwortartige Angabe, worum es geht. So, um ein Beispiel herauszugreifen, beschuldigt die Trainerin Alexa Link ihren Bruder, gespielt vom Schüler Joel, ihr Geld entwendet zu haben. «Du hast mir 20 Franken gestohlen», schreit Alexa Joel an, was dieser energisch abstreitet und in gleicher Währung kontert.

Einen Gang zurückschalten

Der Streit eskaliert nicht, wie es vorher gelernt worden war. Beide schalten einen Gang zurück. Sie wollen die Streitknoten, die sie in Form eines Strickes in der Hand halten, lösen. Deshalb fragen sie sich im Tonfall entschieden leiser, wer was gemacht hat. Mit dem Nennen der eigenen Gefühle und Wünsche zeichnet sich eine weitere Entspannung ab. Vertrauen, Selbstvertrauen und Sozialkompetenz steigen.

Im CD-Laden, wo sich drei Kinder um eine Scheibe balgen, wiederholt sich die Geschichte; desgleichen beim Disput, wer nun den PC benutzen darf. Dass das Bewältigen von Konflikten in der sechsten Klasse trainiert werde, habe gute Gründe, gibt der Klassenlehrer zu verstehen.

Durch den Wechsel von der Primarschule an die Sekundarschule ändere die Zusammensetzung der Klassen völlig, da neu auch Schülerinnen und Schüler aus Aussengemeinden die Schule in Sissach besuchen. Das neue Umfeld könne zu angespannten Situationen führen.

Zudem, fuhr Degen fort, seien die Kinder in einem Alter, in dem sich, pubertätsbedingt, ebenfalls konfliktträchtige Situationen bilden können. Warum sich ausgerechnet das Rote Kreuz die Konfliktbewältigung unter dem Motto «Chili-Training» auf die Fahnen geschrieben hat, habe wohl mit dem guten Ruf der Organisation zu tun, meint der Klassenlehrer. Das Rote Kreuz helfe allen, die in Not sind, ungeachtet ihrer Nationalität, Hautfarbe oder Religion. «Und Chili heizt ein, brennt zumindest auf der Zunge und bringt die Augen zum Überlaufen.»

Begeistert dabei

Noch vor der Hälfte des Trainings zeichnet sich ein Erfolg ab. Die Kinder sind dank des auf spielerische Art vermittelten Stoffs begeistert dabei, wie eine Fragerunde am Schluss der eineinhalbstündigen Lektion zeigt. Nicht nur im Klassenzimmer wird Konfliktprävention trainiert. «Morgen gehen wir ins Freie. Zieht nicht gerade die neuesten Kleider und Schuhe an», kündigt die Trainerin Alexa Link verheissungsvoll an. Die Kinder nehmen das erwartungsvoll auf.

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