Tour de Baselbiet
Salz aus den Rheinsalinen - der einzige Baselbieter Bodenschatz

Seit 175 Jahren wird bei Schweizerhalle in bis 300 Metern unter Tag das Grundnahrungsmittel Salz abgebaut. Unsere Herbstserie führt Sie heute in den Salzladen der Rheinsalinen.

Thomas Immoos
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Im Saldome lagern die Streusalz-Vorräte für den kommenden Winter.
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Bis das Speisesalz in der Verpackung ist, legt es einen langen Weg zurück.
Salzladen
Gewürzsalze in schlichter Verpackung oder in gediegener Verpackung als Geschenk – auch dies gibt es im Salzladen.
Badesalze gibt es in unterschiedlichen Farben und Verpackungen.
Auf einem Tisch werden allerlei Leckereien aus Salz präsentiert: etwa gesalzene Schokolade oder gesalzene Caramel-Crème.
Geneviève Thomet berät im Salzladen Kundinnen und Kunden in allen Fragen rund um das Salz.
Auf einem Tisch werden allerlei Leckereien aus Salz präsentiert: etwa gesalzene Schokolade oder gesalzene Caramel-Crème.

Im Saldome lagern die Streusalz-Vorräte für den kommenden Winter.

Rheinsalinen

Die Schweiz ist ein Land ohne Bodenschätze - dass lernt jedes Kind bereits in der Schule. Dabei wird in Bex (Kanton Waadt) seit gut 450 Jahren Salz abgebaut. Als in den 1830er-Jahren in Muttenz und Umgebung Salz gefunden wurde, begann der Salzabbau auch in der Nordwestschweiz. Im Jahre 1837 wurde die erste moderne Saline der Schweiz eröffnet. Sie erhielt den Namen Schweizerhalle, wobei der zweite Wortteil für das griechische Wort für Salz «hal» steht.

Von allen Bodenschätzen dieser Erde dürfte Salz der wichtigste sein, denn Salz ist - wie Wasser - mit seinen Mineralstoffen für den Menschen überlebenswichtig. Um Salz wurden früher Kriege geführt. Und bis in die Neuzeit hinein war es ein teures Gut. Heute dagegen ist das Grundnahrungsmittel Salz für alle erschwinglich: Ein Kilo Speisesalz kostet etwa Fr. 1.10.

Seit nunmehr 175 Jahren wird in und um Schweizerhalle Salz abgebaut. Aus vormals zwei Salinen im Aargau und jener in Schweizerhalle wurde im Jahre 1909 die Vereinigten Schweizerischen Rheinsalinen AG, deren Aktionäre alle Schweizer Kantone (ausser Waadt) sind. Weitere Aktionäre sind das Fürstentum Liechtenstein sowie die Süddeutsche Salzwerke AG (Heilbronn). Über das Salzregal erhalten die Kantone alljährlich Erträge zurück.

Zeugnis eines alten Meeres

Wo Salz gewonnen wird, waren früher seichte Lagunen, die vom Meer abgetrennt wurden. Nachdem das Wasser verdunstet ist, blieb Salz zurück, über das sich im Laufe der Jahrmillionen diverse Erdschichten, Gesteine und Staub legten. In Schweizerhalle liegen die Salzschichten 150 Meter unter der Rheinebene. An Meeresstränden weltweit wird heute noch Salz gewonnen, indem Meerwasser verdunstet wird.

Das Schweizer Salz wird aus Tiefen von 150 bis 300 Metern gefördert, in dem Wasser zugeführt wird, welches das Salz langsam auflöst. Die so gewonnene Salzlösung (Sole) wird über mehrere hundert Meter in Pipelines zum Sammeltank geführt.

Von dieser Sole werden in zwei Arbeitsschritten die Kalzium- und Magnesiumsalze ausgefällt und das Salz durch Sieden in der bekannt feinen Form auskristallisiert. Insgesamt beträgt der Salzbedarf in der Schweiz jährlich 400 000 bis 500000 Tonnen.

Salz ist nicht gleich Salz

Allerdings ist «Salz nicht gleich Salz», sagt René Cathrein, von den Schweizer Rheinsalinen. Zum einen gibt es das bekannte JuraSel-Speisesalz in den Varianten mit Jod und Fluor aber auch ohne diese Zusätze. Jod verhindert Kropfbildung und Fluor wirkt Zahnkaries entgegen. Des Weiteren wird den Speisesalzen ein Mittel zugesetzt, welches die Klumpenbildung verhindert und so das Salz leichter dosierbar macht. Damit wird die Beigabe von Reiskörnern in Salzstreuern, wie es in Privathaushalten und Restaurants seit Generationen üblich ist, überflüssig. Für die Käseproduzenten wird sogar eigenes spezielles Käser-Salz angeboten.

Salz sorgt für sichere Strassen

Von grosser Bedeutung ist das Auftausalz. In Ländern wie der Schweiz, in denen es kalte, verschneite Winter gibt, ist ein ausreichend grosses Salzlager von zentraler Bedeutung für eine gut funktionierende Wirtschaft. Dafür haben die Rheinsalinen in den letzten Jahren zwei riesige Auftausalz-Lagerhallen - die Saldome 1 und 2 - gebaut. Der dieses Jahr eröffnete Saldome 2 ist die grösste Holzkuppe Europas. In ihm lagert auch für den strengsten Winter ein ausreichender Vorrat.

Was passieren kann, wenn das Auftausalz ausgeht, zeigte sich vor einigen Jahren in Grossbritannien, als der gesamte Verkehr und damit fast die gesamte Wirtschaft zusammenbrach. «Nach Möglichkeit helfen wir in solchen Fällen den direkten Nachbarländern aus - selbstverständlich ohne die Versorgung unserer Schweiz zu gefährden. Allerdings waren die Winter der letzten Jahre so streng, dass eine Auslieferung ins Ausland nicht infrage kam», sagt
Cathrein.

Der dritte Verwendungszweck des weissen Golds ist das Industrie- und Gewerbesalz. Salz ist zum Beispiel für die Kunststoffchemie ein wichtiger Rohstoff. Es findet etwa in der Herstellung von Seifen, Farben oder Glas Verwendung. Industriesalz kommt in Soda vor, es wird zum Bleichen von Textilien oder zum Waschen von Kleidern benötigt sowie in der Lederverarbeitung verwendet. Regeneriersalz kommt beispielsweise in Geschirrspülmaschinen Haushaltungen zum Einsatz.