Reportage
Riesige Erdbewegungen auf A18-Baustelle: Der neue Vollanschluss Aesch nimmt langsam Formen an

Die Bauarbeiten am Vollanschluss Aesch der A18 befinden sich in einer wichtigen Phase und schreiten immer weiter voran. Die bz hat auf der Grossbaustelle bei Aesch einen Augenschein genommen.

Hans-Martin Jermann
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Für die neue Autostrassen-Brücke sind kürzlich die Pfeiler errichtet worden. Auch der unter der Brücke liegende Kreisel nimmt Formen an.

Für die neue Autostrassen-Brücke sind kürzlich die Pfeiler errichtet worden. Auch der unter der Brücke liegende Kreisel nimmt Formen an.

Kenneth Nars

Zwischen Aesch, Dornach und Reinach wird auf einer mehrere Fussballfelder grossen Fläche gegraben, geteert und betoniert. Die Bauarbeiten am Vollanschluss Aesch der A18 befinden sich in einer wichtigen Phase, die Veränderungen auf der Baustelle sind mittlerweile auch für Laien gut sichtbar.

In den vergangenen Wochen sind die Pfeiler der künftigen Autostrassenbrücke erstellt worden. Sie ragen nun von weitem sichtbar in den Himmel. Ebenfalls fortgeschritten ist der Bau des eine Ebene darunter liegenden neuen Kreisels. Dieser wird künftig sämtliche Ein- und Ausfahrten von und zur A18 aufnehmen.

Wegen Kreisel: Terrain bis zu sechs Meter abgesenkt

Willkommen auf der (neben der Verlegung der Rheinstrasse in Salina Raurica) grössten Tiefbaustelle des Kantons. An der A18 wird auf einer Länge von 800 Metern und einer Fläche von 3 Hektaren gearbeitet. Die Baustelle beeindruckt optisch, auch weil für den Bau des Kreisels das Terrain stellenweise um sechs Meter abgesenkt werden musste. «Die Erdbewegungen sind für eine Baustelle dieser Dimension sehr gross», sagt Mike Keller, der örtliche Bauleiter der A18-Ingenieurgemeinschaft.

Ein- und Ausfahrten in beide Richtungen. Das ist der neue Vollanschluss Aesch.

Ein- und Ausfahrten in beide Richtungen. Das ist der neue Vollanschluss Aesch.

Bau- und Umweltschutzdirektion des Kantons Baselland

Insgesamt wird ein Volumen von 100000 Kubikmeter ausgebaggert. Ein Teil des Aushubs wird im Gebiet Pfeffingerring zwischengelagert und wenn möglich später vor Ort wieder verwendet. «Wir werden sicher kein externes Auffüllmaterial zuführen», betont Keller. Der bei den Einfahrten jeweils doppelspurig geführte Kreisel hat einen Durchmesser von 60 Metern. Damit wird er nur etwas kleiner als der grösste Kreisel des Kantons im Gebiet Hülften (67 Meter), der 2011 beim Bau der A22 erstellt wurde.

Ähnlich wie bei der Baustelle am Schänzli-Tunnel werden die Arbeiten am Vollanschluss Aesch mit voller Verkehrslast durchgeführt. Vor Corona wurden auf der A18 bei Aesch-Nord 35000 Fahrzeuge pro Tag gezählt. In beiden Richtungen mussten deshalb provisorische Fahrbahnen eingerichtet werden, die während der Arbeiten immer wieder geändert werden.

«Wir befinden uns hier in einer Grundwasserschutzzone»

«Mit diesem Verkehrsregime wollen wir verhindern, dass die Verkehrsteilnehmenden auf Kantonsstrassen im Umfeld der Baustelle ausweichen», sagt Ralf Wassmer, Projektleiter in der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion. Allerdings lässt sich nicht vermeiden, dass die Ortsdurchfahrten in Aesch sowie in geringerem Umfang in Reinach und Dornach durch einige Komplettsperrungen der A18 im Baustellenbereich stärker belastet werden. Im November war dies bereits an einem Wochenende der Fall. «Wir versuchen aber, dies auf möglichst wenige Wochenenden sowie Nächte zu beschränken», beschwichtigt Wassmer.

Das Wichtigste in Kürze

Mit dem Vollanschluss erhält Aesch-Nord eine Einfahrt auf die A18 Richtung Delémont und eine Ausfahrt aus dieser Richtung. 56 Millionen Franken kostet der Vollanschluss. Es ist die grösste Tiefbaustelle des Kantons, neben der Verlegung der Rheinstrasse in Pratteln/Augst. Im Frühjahr 2023 ist der Vollanschluss fertig. Die A18 können die Autofahrer ab Ende 2021 ohne Einschränkung befahren. Der Vollanschluss befindet sich in einer Grundwasserschutzzone. Es wird eine Strassenabwasserreinigungsanlage erstellt. Die Böschungen erhalten als Schutz vor Havarien einen Abdichtungsstreifen. (haj)

Hohe Anforderungen stellt zudem der Grundwasserschutz. «Wir befinden uns hier in einer Grundwasserschutzzone», gibt Wassmer zu bedenken. So wird neben der A18 eine Strassenabwasserreinigungsanlage erstellt, die das Abwasser der Strasse reinigt. Dazu sind Entwässerungsleitungen von 2,3 Kilometern Länge nötig.

Die Böschungen erhalten neu einen Abdichtungsstreifen, der die Durchlässigkeit von Flüssigkeiten verhindert. «Damit bietet die Strasse künftig einen viel besseren Schutz vor Havarien», sagt Wassmer. Zudem werde während der Bauarbeiten mittels Bohrungen in 35 Metern Tiefe ein permanentes Grundwassermonitoring durchgeführt.

In einem Jahr ist die A18 wieder normal befahrbar

Begonnen wurde mit den Arbeiten vor rund einem Jahr. Seit Anfang August 2020 wird der Verkehr auf provisorischen Fahrspuren und eine Hilfsbrücke über die Baustelle geführt. Im Sommer 2021 soll die Tragkonstruktion der Wydenbrücke stehen, im Spätherbst 2021 die ersten Autos darüber fahren. «Es wird, anders als etwa bei neuen Strassenteilstücken, keine Inbetriebnahme am Tag X geben», betont Wassmer. So können die Autofahrer bereits in rund einem Jahr das Gebiet auf der A18-Stammlinie ohne Beschränkungen befahren können. Allerdings dauern die Erstellung des westlichen Teils des Kreisels mit Ein- und Ausfahrten, der Rückbau der provisorischen Einrichtungen sowie die Gestaltungsarbeiten bis im Frühjahr 2023 an.

Blick auf die Widerlager der neuen Brücke Dornacherstrasse.

Blick auf die Widerlager der neuen Brücke Dornacherstrasse.

Kenneth Nars

Mit dem Vollanschluss sollen drei Verkehrsziele erreicht werden: Erstens wird in Kombination mit dem jüngst fertiggestellten Pfeffingerring die Erschlies­sung des boomenden Gebiets Aesch-Nord verbessert und die Kapazitäten in diese Richtung erhöht. Zweitens entlastet der Vollanschluss den Dorfkern von Aesch: «Wir erwarten rund 3000 Ortsdurchfahrten weniger pro Tag», sagt Wassmer. Dies, weil die Verkehrsteilnehmenden, die zwischen Aesch-Nord oder Leimental und dem Laufental unterwegs sind, nicht mehr durchs Dorf fahren müssen. Drittens wird das Gewerbe- und Wohngebiet an der Dornacherstrasse besser erschlossen und die Voraussetzung für eine neue Querspange mit dem Zubringer Dornach/Aesch geschaffen.

Die Dornacher­strasse wird in den kommenden vier Nächten gesperrt

Der Landrat hat für Projektierung und Bau des Vollanschlusses Ausgaben von insgesamt 56 Millionen Franken bewilligt. Daran beteiligt sich der Bund via Agglomerationsprogramm mit maximal 20 Millionen. Die Situation wirkt kurios: Der Kanton baut derzeit an einer Strasse, die (seit 1. Januar 2020) dem Bund gehört. An sich wäre nun Letzterer für die Realisierung des Projekts zuständig. Allerdings wollte der Kanton vorwärtsmachen und nicht riskieren, dass sich der Bau allenfalls um Jahre verzögert. Mit dem beschleunigten Baustart noch 2019 und damit vor der Übergabe der Strasse an den Bund stellte der Kanton sicher, dass er für das Bauprojekt zuständig bleibt.

Nachtsperrung: Die Dornacher­strasse in Aesch muss bei der Autobahnüberführung in den kommenden vier Nächten (heute Montag bis Freitagmorgen) jeweils von 20 bis 5 Uhr für den Verkehr gesperrt werden. Grund ist ein Lehrgerüst, das für die neue Brücke erstellt wird.