Drohender Abbau
Ohne Post fürchtet Bättwil um Zentrumsfunktion

Das solothurnische Leimental ohne Poststelle? Gemeindepräsident François Sandoz macht sich Sorgen um Bättwils Attraktivität.

Philipp Felber
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Bättwil macht sich sorgen um die Poststelle, die abgebaut werden soll. (Symbolbild)

Bättwil macht sich sorgen um die Poststelle, die abgebaut werden soll. (Symbolbild)

Keystone/DOMINIC FAVRE

Das solothurnische Leimental verliert wohl auch seine letzte Poststelle. Denn auch die Post Bättwil werde überprüft, wie die Post mitteilte. Und überprüfen heisst im Endeffekt meist: Umwandlung in eine Postagentur. Bättwils Gemeindepräsident François Sandoz hat daran keine Freude: «Für die Region ist dies keine gute Entwicklung.»

Er sieht Bättwil als Zentrum im solothurnischen Leimental. Mit dem Verlust der Poststelle würde die Attraktivität der ganzen Region sinken. «Wir hoffen zu retten, was noch zu retten ist», sagt Sandoz und fährt weiter: «Wir sind uns bewusst, dass die Post nicht ohne wirtschaftliche Orientierung funktionieren kann.»

Poststellen im Kanton Solothurn: Parteien sind besorgt über Abbau

Die Post will im Kanton Solothurn bis zu 21 Poststellen dichtmachen. Eine Entwicklung, welche die Solothurner Parteien nicht gerne sehen. So zeigt sich etwa die Solothurner FDP «besorgt» über die Pläne der Post zum «massiven Rückbau» des Poststellennetzes im Kanton Solothurn, wie sie in einer Mitteilung schreibt. Die Freisinnigen fordern, dass die betroffenen Gemeinden früh und verbindlich in den Entscheidungsprozess mit einbezogen werden.

Auf die Bedürfnisse der Regionen müsse Rücksicht genommen werden. Die FDP anerkennt, dass die Post auch eine unternehmerische Verantwortung wahrzunehmen habe. Wichtig sei, rentable Poststellen zu erhalten und die Versorgung der ländlichen Gebiete weiterhin zu gewährleisten.

Die FDP sagt, dass zwingend Rücksicht zu nehmen sei auf regionale Besonderheiten, Zentrumsfunktionen von Gemeinden, die Sicherstellung eines minimalen Service public und kundenorientierte Dienstleistungen.

Die Solothurner SP äussert sich in einem Communiqué deutlich: «Es ist unhaltbar, dass Poststellen geschlossen werden, die auch über eine hohe Frequenz und eine wichtige Dienstleistung für unsere KMU sind.» Die von der Post beworbene Agenturlösung seien kein Ersatz.

«Postagenturen können viele Dienstleistungen nicht mehr anbieten, unter anderem keine Adressänderungen.» Nicht zuletzt vernichte die Post trotz Millionengewinnen sinnvolle Arbeitsplätze. Die SP fordert, dass der Kanton an der Seite der Gemeinden steht.

«Und deshalb hat die Öffentlichkeit das Anrecht darauf zu wissen, in welche Richtung die Regierung verhandelt.» Die SP sei entgegen der FDP der Meinung, dass es mehr brauche als einen «minimalen Service public», sondern einen flächendeckenden Service.

Die CVP beobachtet die Post-Entwicklung mit grosser Sorge, wie sie mitteilt. Die Schliessung einer Poststelle stelle einen Einschnitt für das Leben in einer Gemeinde dar. Die Attraktivität der Gemeinde als Wohnort wie auch als KMU-Standort leide bei einem Abbau. Denn die Post nehme nach wie vor wichtige Leistungen vor. Und auch die CVP sieht den Ersatz der Poststellen durch sogenannte Agenturen kritisch.

Dass selbst die heute nicht bedrohten Filialen keine Garantie über das Jahr 2020 hinaus erhalten, verschärfe die Situation zusätzlich. Auch wenn der Kanton erreichen konnte, dass sieben Poststellen in den kommenden drei Jahren verschont bleiben, würden die bisherigen Bemühungen nicht ausreichen.

Die CVP erwarte deshalb vom Volkswirtschaftsdepartement, dass es sich weiterhin vehement für die Bewahrung der verbleibenden Poststellen einsetze. Dort, wo eine Schliessung schon erfolgt ist, soll eine Wiedereröffnung geprüft werden. (bz)

Noch habe man mit der Post nicht über den drohenden Abbau sprechen können. Die Gemeinde wurde letzten Mittwoch informiert. Vor den Sommerferien will sich Sandoz mit der Post treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. «Die Umsetzung soll aus heutiger Sicht bis 2020 abgeschlossen sein», sagt Post-Mediensprecher Markus Flückiger zum Fahrplan der Post.

Glenn Steiger, Präsident der Jungen CVP Kanton Solothurn und Bättwiler, sagt: «Die Post brauchts für die Region. Vor allem wenn man sich nicht nur in Richtung Kanton Baselland orientieren will.» Er macht sich vor allem Sorgen um die Zentrumsfunktion der Gemeinde. «Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ohne die Post im Dorfzentrum ist.»

Steiger fordert von den Gemeinden, dass sie sich gemeinsam zur Wehr setzen. Und dass sich auch der Kanton Solothurn einschaltet. «Ich weiss nicht, ob dem Volkswirtschaftsamt klar ist, wie wichtig die Poststelle für das solothurnische Leimental ist.»

Einsatz für Bättwil

Der Kanton habe sich stark für die Poststelle Bättwil eingesetzt, wie Jonas Motschi vom kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit sagt. Gerade, weil das solothurnische Leimental sonst keine Poststelle mehr habe. Und die nächsten im Kanton Baselland in Ettingen oder Therwil ein gutes Stück weg sind. Es sei klar, dass die Post am Schluss entscheide, so Motschi. Doch: «Ich denke, dass bei der Poststelle Bättwil noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.»

Bis auf Bättwil schloss die Post in den letzten zehn Jahren alle ihre Filialen im solothurnischen Leimental. 2007 wurde die Witterswiler Post in eine Agentur umgewandelt, in Hofstetten passierte dasselbe 2011. 2012 schloss die Filiale in Metzerlen und im November 2015 Rodersdorf. Ersetzt wurden sie durch Postagenturen.

In Mariastein wird ein Hausservice angeboten. In den benachbarten Gemeinden im Kanton Baselland hat es noch mehr Poststellen. So ist in der Region Bottmingen als einzige Post gefährdet. Die Poststellen Oberwil, Therwil, Allschwil und Ettingen sind bis mindestens 2020 gesichert, wie die Post mitteilte. Im benachbarten Laufental wirds künftig wohl nur noch die Poststelle in Laufen geben: Zwingen und Grellingen werden ebenfalls überprüft.

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