Integrationshilfe
Neu in der Nordwestschweiz: Jobvermittlung für Menschen mit Flüchtlingshintergrund

Ein neues, regionales Onlineportal vermittelt Jobs für Menschen mit Flüchtlingshintergrund. Leicht ist das nicht.

Alan Heckel
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Das Hofgut Eschbach in Füllinsdorf ist bekannt dafür, Menschen mit Migrationshintergrund zu beschäftigen.

Das Hofgut Eschbach in Füllinsdorf ist bekannt dafür, Menschen mit Migrationshintergrund zu beschäftigen.

Keystone

Seit etwas mehr als drei Jahren fungiert «jobs4refugees.ch» im Kanton Bern als Brückenbauer zwischen Arbeitgebenden und Stellensuchenden mit Flüchtlingshintergrund. Nun ist die Betreiberin der Plattform, die Kirchliche Kontaktstelle für Flüchtlingsfragen, mit «zRächtCho NWCH» eine strategische Partnerschaft eingegangen.

zRächtCho ist der nicht-profitorientierte Dachverband von zivilgesellschaftlichen Freiwilligenorganisationen in der Nordwestschweiz, die sich für die Integration von Geflüchteten einsetzen. Ziel der neuen Partnerschaft ist, die spezifischen Dienstleistungen von jobs4refugees.ch auch in der Nordwestschweiz verfügbar zu machen.

Solch ein Angebot hat in der Nordwestschweiz gefehlt

Es ist allerdings nicht die Berner Erfolgsgeschichte, die am Ursprung dieser Partnerschaft steht. «Es geht weniger darum, dass das Portal anderswo gut funktioniert hat. Fakt ist, dass etwas, das explizit Menschen mit Flüchtlingshintergrund anspricht, bei uns bisher total gefehlt hat», stellt Mirjam Würth klar. Die Geschäftsführerin von zRächtCho NWCH ist umso zufriedener, dass es nun einen Anknüpfungspunkt zu Arbeitgebenden gibt, «die offen für dieses Thema sind».

Kein direkter Kontakt zu den Stellensuchenden

Die Zusammenarbeit mit den Bernern hat bereits vor einem Jahr begonnen, seit Ende März ist die Homepage mit einem «BL»-Link ergänzt, aus dem nun die Adresszeile «Nordwestschweiz» geworden ist. Damit konnte eine wichtige Lücke im Angebot von zRächtCho NWCH geschlossen werden. Denn Flüchtlinge zu vermitteln, ist erfahrungsgemäss schwierig, und eine gute Verbindung zu Arbeitgebenden hilfreich.

Arbeitgebende dürfen allerdings aus Datenschutzgründen nicht direkt Kontakt mit den Jobsuchenden aufnehmen, alles läuft über Coaches. «Es braucht eine solide Abklärung der Berufswünsche. Es ist wichtig, so nahe an der Realität wie möglich zu sein, um die Arbeitgebenden so gut wie möglich zu informieren», erklärt Würth.

Vom Praktikum zur Lehrstelle

Mit einer Plattform wie jobs4refugees.ch, auf der sich die Stellensuchenden mit ihren Fähigkeiten und Berufswünschen präsentieren können, steigen die Chancen, dass es in Zukunft häufiger zu erfolgreich vermittelten Stellen und damit zu persönlichen Erfolgsstorys kommt. Mirjam Würth, im Landrat Mitglied der SP-Fraktion, erzählt von einem im Oberbaselbiet untergebrachten jungen Flüchtling, der sich für ein Praktikum bei Nordwest Storen interessiert hat und nach guten Rückmeldungen nun vor einer Lehre als Storenmonteur steht.

Positive Feedbacks von Conny Bertschin, der Geschäftsführerin von Nordwest Storen, und Tamara Hersperger, Personalchefin von Alltech Installationen, zieren bereits die Homepages von jobs4refugees.ch/nordwestschweiz und zRächtCho NWCH. Diesen sollen in Zukunft noch viele weitere Testimonials folgen, wenn es nach Würth geht. Das dürfte allerdings nicht ganz einfach sein, denn während die Geflüchteten grosses Interesse an Ausbildung und Arbeit haben und auch selbstständig bei zRächtCho NWCH landen, sieht es bei Arbeitgebenden anders aus.

«Kompetente und engagierte Mitarbeitende»

«Viele Unternehmen fürchten sich vor den bürokratischen und administrativen Hürden», weiss die Geschäftsführerin. Genau hier setzt das Beratungsangebot von zRächtCho NWCH an: Nicht nur Geflüchtete, sondern auch interessierte Arbeitgebende finden auf der Geschäftsstelle «kompetente und engagierte Mitarbeitende». Würth versichert darum, dass die Hürden gar nicht so gross seien, wie oft gemeint werde. Vordringliches Ziel ihrer Organisation aber bleibe, dass weitere Arbeitgebende auf ihr Angebot aufmerksam werden.

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