Entwicklungshilfe
Naturschönheiten und Alltag in Tansania entdecken

Linda und Florian Stamm aus Reinach berichten aus dem Alltag in Tansania – von Merkwürdigkeiten auf dem Markt und in Spitälern.

Linda und Florian Stamm
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Das tägliche Transportmittel des jungen Reinacher Ehepaars.

Das tägliche Transportmittel des jungen Reinacher Ehepaars.

zvg

Tansania ist vielfältig und bietet eine Kombination aus fantastischer Wildnis, wundervollen Stränden und Inseln. Unser Arbeitsplatz liegt nicht abseits von diesen Naturschönheiten, sondern mittendrin – bei den Menschen, die nicht viel haben. Wir arbeiten beide für die anglikanische Kirche in der Region Mara, allerdings für unterschiedliche Projekte. Linda wird sich als Umweltwissenschafterin in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsdepartement um Malariaprävention und Wasserkrankheiten kümmern. Florian arbeitet als IT-Spezialist im Bildungsdepartement an der Berufsschule, um Lehr- und Prüfungspläne für Computer- und IT-Lehrgänge zu entwickeln und Lehrpersonal auszubilden.

Gewürze gibts am Stück als Pflanze

Dort, wo wir wohnen werden, findet das Leben auf dem Markt statt. Damit wir Städter überhaupt fähig sind, in Gegenden wie der Stadt Musoma zu überleben, wurden wir von einer Tansanierin angelehrt, wie man auf dem Markt einkauft. Wüssten Sie, wie man frisch geschlachtetes von verdorbenem Fleisch unterscheidet oder wie man die Essenzen aus den Pflanzen bekommt, um Gewürze zu erhalten? Auch ist der eigentliche Kaufprozess auf einem tansanischen Markt eine Sache für sich. Bevor man überhaupt erwähnt, dass man etwas kaufen möchte, fragt man sich durch die gesamte Familie, wie es ihr geht. Erst, wenn man die Verwandtschaft lückenlos besprochen hat, kommt das eigentliche Geschäft. Und so hangelt man sich von Verkäufer zu Verkäufer, die meistens immer nur eine bestimmte Ware verkaufen.

In der ersten Woche besuchten wir eine Computer-Berufsschule. 40 bis 80 Kinder in einem Schulzimmer, ein Buch, das sich 20 Kinder teilen, eine Toilette für 130 Schülerinnen und Schüler: In Tansania ist das keine Seltenheit. Im Computerunterricht gibt es meistens, wenn überhaupt, nur einen Computer, der halbwegs funktioniert. Nach der Ausbildung sind die Schüler imstande, das Lehrbuch auswendig zu rezitieren, können aber weder einen Computer anschalten noch eine Maus bedienen. Windows, Office & Co. sind für viele keine Fremdworte, aber fremd in der Anwendung.

Diesem Problem soll künftig auf nationaler Ebene mit Informatik-Berufsschulen abgeholfen werden. Doch dazu muss zuerst Lehrpersonal angelernt werden, welches fähig ist, einen Computer zu bedienen und bei Fragen von Schülern auch Auskunft zu geben.

Ohne Geld keine Behandlung

Auch die Besichtigung des grössten Spitals in der Region mit einem Einzugsgebiet von 13 Millionen Menschen war ein gutes Beispiel dafür, dass die staatliche Infrastruktur von Tansania noch einen weiten Weg vor sich hat. Wer Geld für eine Behandlung aufbringen kann, wird untersucht. Wer das aber nicht kann, dem wird nicht geholfen – in keinem Spital. Auch das Fachwissen des Ärztepersonals lässt immer wieder zu wünschen übrig, wie wir selbst in einem Gespräch mit einem Arzt feststellen mussten.

Da wir mit einfachen Menschen zusammenarbeiten, die meist weder Englisch noch Deutsch sprechen, eigneten wir uns die Landessprache Kiswahili in einem Intensivsprachkurs an – innerhalb zweier Monate. Die Theorie sollte so weit verstanden sein; nun geht es an das praktische Üben im Feld während unserer Arbeit in Musoma.

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