Nachruf
Zum Gedenken an Heidy Strub, die erste Landratspräsidentin

14 Jahre hatten die Baselbieter Frauen warten müssen, bis am 27. Juni 1985 erstmals eine Frau zur Präsidentin des Landrats ­gewählt wurde.

Ruedi Brassel, alt SP-Landrat Pratteln
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Rene Rhinow, frisch gewaehlter FDP-Staenderat für den Kanton Basel-Landschaft (rechts) unterhält sich am 8. November 1987 in Liestal mit seiner unterlegenen Konkurrentin Heidy Strub von der SP (links).

Rene Rhinow, frisch gewaehlter FDP-Staenderat für den Kanton Basel-Landschaft (rechts) unterhält sich am 8. November 1987 in Liestal mit seiner unterlegenen Konkurrentin Heidy Strub von der SP (links).

Michael Kupferschmidt / KEYSTONE

Die erste Landratspräsidentin war die Prattler Sozialdemokratin Heidy Strub, die nun am 21. September 2021 im Alter von fast 84 Jahren in Muttenz ge­storben ist. Heidy Strub war kein Mensch der grossen Ankündigungen, vielmehr jemand, der sich unmittelbar dort einbrachte, wo eine Intervention nötig war, wo jemand Unterstützung brauchte.

So ist es kein Zufall, dass sie bei ihrer glanzvollen Wahl zur Landratspräsidentin auf die rituelle Abhaltung einer Antrittsrede mit Versprechungen verzichtete. Immerhin stellte sie in Aussicht, zu gegebener Zeit klare Worte folgen zu lassen. Solche deutlichen Worte finden wir in ihrer Abschieds­rede. Darin dankte sie nicht nur für die Unterstützung und lobte den Landrat für die geleistete Arbeit, sondern sie erwähnte auch, dass sie sich im Präsidialjahr zweimal als Präsidentin des Baselbiets habe schämen müssen: beim Nein zum UNO-Beitritt der Schweiz und bei der Ablehnung eines Projekts für ein Asylantenheim im Oberbaselbiet.

Im Gespräch mit Heidy Strub spürte man schnell, dass ihr hochfahrende Ideologien fremd waren. Doch sie war ein Mensch mit tiefen Überzeugungen, aus denen sie in ihrem Engagement keinen Hehl machte, weder in ihrer jahrzehntelangen Arbeit im Prattler Sozialdienst noch in der Politik. Sie war stets offen für die Anliegen der Schwächsten und bereit, auch neue Wege zu gehen, wie etwa 1978 als Mitgründerin des Vereins für Sozialpsychiatrie Baselland.

Mit ihrem präzisen Wissen aus der sozialarbeiterischen Praxis hat sie sich nicht nur beruflich, sondern auch politisch für die Benachteiligten eingesetzt. So galt ihr erster Vorstoss dem Anliegen, dass alleinerziehende Frauen tatsächlich die Alimente erhalten, die ihnen zustehen. Nach ihrem Rücktritt aus dem Landrat kandidierte sie in einem denkwürdigen Wahlkampf für den Ständerat und musste erst im zweiten Wahlgang dann René Rhinow den Vortritt lassen. Mit grossem Einsatz wirkte sie ab 1985 während mehr als zwei Jahrzehnten in der Aufsichtskommission der kantonalen Spitäler.

Von 1989 bis 2009 war sie ausserdem Mitglied des Kirchenrats der reformierten Kirche Baselland. Und es ist kein Zufall, dass sie nach ihrem Einzug in die Wohngenossenschaft Pestalozzi in Muttenz dort bis vor wenigen Jahren auch im Genossenschaftsvorstand mitmachte.

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