Baselbiet
Mountainbiker müssen Waldschnepfen, Gämsen und Schmetterlingen weichen

Im Baselbieter Naturschutzgebiet in Waldenburg und Langenbruck wird das Gesetz nach neun Jahren umgesetzt. Wegen seltenen Tieren und Pflanzen gilt nun ein Bikeverbot. Zudem gebe es Konflikte zwischen Bikern und Wanderern.

Dimitri Hofer
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Biker dürfen nur noch bestimmte Wege befahren. Ansonsten gilt Fahrverbot in Naturschutzgebieten. (Symbolbild)

Biker dürfen nur noch bestimmte Wege befahren. Ansonsten gilt Fahrverbot in Naturschutzgebieten. (Symbolbild)

Keystone

Für die Mountainbiker in der Region gibt es bald eine technisch anspruchsvolle Strecke weniger. Im national bedeutenden Naturschutzgebiet Kilchzimmersattel-Lauch-Rehhag im Oberbaselbiet muss laut einem kantonalen Waldentwicklungsplan ein Bikeverbot angeordnet werden. In der Umgebung der steilen Route, die sich auch bei Wanderern grosser Beliebtheit erfreut, sind seltene Tiere und Pflanzen beheimatet.

Das Gebiet sei neben dem Blauen das einzige Territorium im Kanton, in welchem Gämsen anzutreffen sind, weiss Urs Chrétien. Der Geschäftsführer von Pro Natura Baselland erklärt, dass die dortigen Wälder auch gefährdeten Schmetterlingsarten, der störungsempfindlichen Waldschnepfe sowie einigen Alpenpflanzen ein Zuhause bieten.

Zusätzlich zu den naturschützerischen Aspekten bestünden auf der Krete Nutzungskonflikte. «Treffen Biker und Wanderer aufeinander, kann es zu Problemen kommen.» Auf dem eher schmalen, und deshalb nicht ganz ungefährlichen Weg, müssten die beiden Gruppen daher zwangsläufig aufeinander Rücksicht nehmen. Obwohl Pro Natura Baselland das Fahrverbot eindeutig stütze, liege die Umsetzung bei den betroffenen Gemeinden.

Späte Umsetzung des Verbots

Die besagte Strecke befindet sich auf Boden der Dörfer Langenbruck und Waldenburg. Nachdem das Verbot kürzlich im Amtsblatt des Kantons Baselland veröffentlicht wurde, werden schon bald Schilder aufgehängt werden, sagt Markus Meyer, Gemeindeverwalter von Waldenburg. Einer Einsprache räumt er keine Chancen ein, da der Waldentwicklungsplan Oberer Hauenstein ausschlaggebend ist. Obwohl dieser vom Amt für Wald beider Basel bereits 2005 ausgearbeitet wurde, wird das Verbot erst jetzt in Kraft treten. Meyer hält die späte Umsetzung für einen Fehler: «Wir hätten das Fahrverbot bereits vor neun Jahren realisieren sollen», ist er überzeugt.

Trotz des Wegfallens der Route ist der Gemeindeverwalter der Ansicht, dass Biker in den Wäldern der Region noch immer über genug Velostrecken verfügen würden. Bisher habe er lediglich ein Mail von einem verärgerten Biker erhalten.

Appell an Anstand der Biker

Bei Daniel Brodbeck sorgt das Vorhaben der beiden Gemeinden für Kopfschütteln. Der Präsident des Vereins Bikehalle hält ein Bikeverbot grundsätzlich für falsch. Er appelliert stattdessen an den Anstand der Velofahrer. Wenn sich sowohl Biker als auch Wanderer im Wald an die Regeln halten würden, gäbe es keine Schwierigkeiten.

Der Ziefner, der im Frühling zum letzten Mal auf der Strecke unterwegs war, glaubt nicht, dass ein angemessen fahrender Mountainbiker bedeutende Auswirkungen auf die Natur hat: «Ich komme einem Schmetterling genauso wenig in die Quere wie ein Wanderer.» Brodbeck gibt aber zu, dass einzelne Velofahrer mit ihrem Verhalten den Wald gefährden.