Labor
Mit Baselbieter Insekten Schädlinge bekämpfen

Agroline Bioprotect erweitert in Aesch die Produktion von Insekten als natürlichen Pflanzenschutz.

Tobias Gfeller
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Mit der Drohne werden Wespeneier über den Feldern versprüht.

Mit der Drohne werden Wespeneier über den Feldern versprüht.

zVg

Das Prinzip tönt einfach: Man bekämpft Pflanzenschädlinge mit ihren natürlichen Feinden. Die Umsetzung in der Praxis ist aber hochkomplex und bedingt neben jahrelanger Forschung Produktionen gemäss Laborstandards. Das passiert so seit zehn Jahren in Aesch. Agroline Bioprotect gehört dabei zu den führenden Unternehmen in der Schweiz. Nun hat es seinen Standort in Aesch gezügelt und erweitert.

Neben zusätzlichen Labors gibt es mehr Platz für die Lagerung und die Logistik. Zuvor war Agroline Bioprotect in der benachbarten Landi Reba eingemietet. «Unsere Räumlichkeiten platzten aus allen Nähten», verrät Martin Keller, Geschäftsleiter des Mutterkonzerns Fenaco. Der Umzug ins benachbarte Gebäude kostete zwei Millionen Franken. Dort hat Agroline Bioprotect drei Stockwerke bezogen. Gestern stellten die Verantwortlichen sowohl den ausgebauten Standort wie auch die Methoden der natürlichen Schädlingsbekämpfung vor.

Schlupfwespe gegen Maiszünsler

Das wichtigste Element am Standort Aesch ist die Zucht von Trichogramma-Schlupfwespen. Dieses rund 0,5 Millimeter grosse Insekt wird seit über 30 Jahren im Kampf gegen den Maiszünsler eingesetzt. Dieser Kleinschmetterling gehört zu den bedeutendsten Schädlingen von Mais. In der Natur legt die Schlupfwespe ihre Eier in die Eier des Maiszünslers. Die neue Schlupfwespe entwickelt sich im Schädlingsei. Daraus schlüpft wieder eine Schlupfwespe. Diese sucht weiter auf dem Feld nach Schädlingseiern. Und immer so weiter. In der Zucht nützt Agroline Bioprotect die Eier der Mehlmotte als Ersatzwirt. Diese werden auf Platten gestreut und in Kästen geschoben, in denen sich die Schlupfwespen befinden. Die dafür nötigen optimalen Zucht- und Lagerbedingungen wurden während Jahren erforscht. Mit den neuen Zuchtkästen am neuen Standort können dreimal so viele Eier wie zuvor produziert werden.

Es sind Millionen solcher Eier, die Bioprotect bei 25 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent im Labor in Aesch produziert, im Kühlraum lagert und bei Bedarf sofort ausliefert, erklärt Leiterin Regina Burger. «Wenn in den Fallen draussen auf den Landwirtschaftsfeldern die ersten Falter erscheinen, werden wir direkt benachrichtigt und liefern aus.» Die Eier der Trichogramma-Schlupfwespe werden unter anderem mittels Drohne aus der Luft über die Felder versprüht. Rund 220'000 solche Eier brauche es pro Hektar und Jahr, rechnet Burger vor. Die Nachfrage nach solchen biologischen Schädlingsbekämpfern wachse stetig. Neben der Schlupfwespe produziert Agroline Bioprotect in Aesch auch Fadenwürmer und Pilze als Nützlinge.

Kompliziertes Genossenschaftskonstrukt

Die Landi-Fenaco Genossenschaft ist gemäss den Prinzipien der Landwirtschaft dezentral organisiert und gehört letztendlich den Bauern. Agroline wiederum ist ein Tochterunternehmen von Fenaco, Agroline Bioprotect die nachhaltige Sparte davon. Auch die schweizweit bekannten Landi-Läden sind dezentral organisiert. Landi Reba ist ein Zusammenschluss der Landi-Filialen in Aesch, Bubendorf, Gelterkinden und Laufen. (tgf)